Begegnung stärkt

Sie ist aufgewühlt, durcheinander. Sie ist erst vierzehn und schwanger. Die Umstände sind ziemlich mysteriös. Ihr Verlobter Josef hat sie jedenfalls nicht angerührt. Die Menschen in Nazareth zerreißen sich das Maul.

Maria spürt die versteckten Blicke, hört das Getuschel hinter ihrem Rücken und auch die vorwurfsvollen Fragen. Das alles verwirrt sie sehr. Niemand versteht, was in ihr vorgeht. Sie hat es ja selbst nicht wirklich begriffen. Maria fühlt sich allein. Sie braucht jemanden, der versteht, was da mit ihr passiert. Irgendwann hat sie es in Nazareth nicht mehr ausgehalten und macht sich auf den Weg zu ihrer Tante. Elisabeth ist auch schwanger und auch ihre Situation ist nicht einfach. Niemand hatte damit gerechnet, dass sie noch ein Kind bekommen würde in ihrem Alter. Zu ihr geht Maria.

Elisabeth sieht Maria kommen, sie begrüßen und umarmen sich und spüren eine tiefe Vertrautheit. Die beiden Frauen haben sich füreinander Zeit genommen. Vielleicht haben sie sich einen Tee gekocht und Öllampen angezündet und dann einfach geredet: Maria von ihrer Verwirrung und Elisabeth von ihrem späten Glück. Beide von den ungeahnten Veränderungen, die in ihrem Leben passieren. Wie gut, dass ich mit dir reden kann, dass du mir zuhörst und das nachfühlen kannst, mögen beide gesagt haben. Hin- und hergerissen war Maria gekommen.

Elisabeth kann sie das erzählen: Dass ein Engel zu ihr gesprochen hat: „Du, Maria, sollst Gottes Sohn zur Welt bringen“, hat er gesagt. Elisabeth glaubt, versteht. Gelöst und bestärkt geht Maria nach dieser Begegnung zurück. In ihr wächst das Vertrauen, dass Gott seine liebevolle Zuwendung in sie hineingelegt hat.

 

Solche Situationen, in denen alles in einem aufgewühlt ist und man damit nicht zu Rande kommt, gibt es in jedem Leben. Man kann nicht schlafen, grübelt nach und findet allein keine Lösung. Wie gut ist es dann, zu wissen: Da ist ein Mensch, den kann ich einfach anrufen. Da kann ich hingehen und mir alles von der Seele reden.

Manchmal begegnet man aber auch ganz unerwartet und ungeplant, jemandem, der einen stärkt. Da treffen sich zwei Menschen im Supermarkt, an der Bushaltestelle oder im Wartezimmer. Aus einem ersten „Wie geht’s?“ entwickelt sich ein Gespräch. Man bleibt ein bisschen länger beieinander stehen, redet, hört zu, versteht. Und wenn man sich verabschiedet, kommt das Gefühl in einem hoch: Gut, dass ich dich getroffen habe!

Ich sehe jetzt klarer oder: Ich habe einen ganz neuen  Gedanken bekommen. Dieser Mensch hatte nicht gleich eine Lösung parat. Aber sein Vertrauen, seine Nähe haben mir geholfen, den nächsten Schritt zu gehen und für die Zukunft einen Hoffnungsschimmer zu bekommen.

Die Geschichte von Maria und Elisabeth ermutigt mich, gerade jetzt im Advent. Als sich Maria von ihrer Tante verabschiedet, singt sie: „Ich freue mich, ja ich freue auf das, was kommt. Gottes Wege sind oft ganz anders als wir Menschen sie uns ausmalen. Wenn Gott kommt, wird alles neu. Ich danke ihm von Herzen. Meine Seele singt ihm ein Lied.“

von Annette Krüger

Möge die Straße Dir entgegeneilen.
Möge der Wind immer in Deinem Rücken sein.
Möge die Sonne warm auf Dein Gesicht scheinen
und der Regen sanft auf Deine Felder fallen.
Und bis wir uns wiedersehen,
halte Gott Dich im Frieden seiner Hand.
Irischer Segenswunsch

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