Trösten wie eine Mutter

Aufgeschlagene Knie, ein Loch in der Lieblingshose, die versemmelte Lateinarbeit, Krach mit der Freundin, die blöden Lehrer, die einen ungerecht behandeln, die doofen Jungs, Liebeskummer… Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie das war als Kind und Jugendliche.

Es tat weh, ich war traurig, verletzt. Wo bin ich hingegangen? Zu meiner Mutter. Sie war da und tröstete. Ganz selbstverständlich. Hat Pflaster auf die Wunde geklebt, den Schmerz weggepustet, Tränen getrocknet, „Heile, heile Segen“ gesungen und mich in den Arm genommen. Sie hat zugehört, mich ernstgenommen, mir manchmal einen heißen Kakao gekocht und ich durfte einfach heulen. Trost tut gut.

Auf der anderen Seite: Es ist unheimlich schlimm, ohne Trost zu sein. Niemanden zu haben, an den man sich wenden kann, der mit aushält und sich kümmert. Das ist wirklich trostlos.

Jedes Jahr gibt es in der evangelischen Kirche ein Jahresmotto. Für 2016 heißt es: Gott spricht: „Ich will euch trösten wie einen seine Mutter tröstet.“ (Jesaja 66,13)

Wie schön! Wie gut tut das! Gott tröstet. Wie eine Mutter. Gott hat also eine ganz weibliche, ja mütterliche Seite. Wobei die Eigenschaft zu trösten sicherlich nicht allein weiblich ist. Es gibt Mütter, die nicht trösten können und Väter, die das ganz besonders gut können. Aber: Sie gefällt mir gut, diese Seite Gottes. Gott ist eben nicht nur der strenge Gott, der straft und fordert. Er ist auch ganz anders. Ganz und gar zärtlich und zugewandt, einfühlsam und verlässlich. Wie eine Mutter, die ich mein Leben lang Mama nenne. Mein erstes Wort. So vertraut. Und wie eine Mutter kennt Gott mich, lindert in zärtlicher Sprache meinen Schmerz, gibt mir in stärkenden Worten Mut. Trost hat etwas Befreiendes. Endlich kommt ein Stoßseufzer aus der Brust, endlich fließen Tränen der Erleichterung. Ich kann aufatmen, wieder durchatmen und neu das Leben in mir spüren.

 

Das ist weit entfernt von billigem oder falschem Trost. Der findet sich in Sätzen wie: „Wird schon wieder! Ist doch halb so schlimm! Kopf hoch! Anderen geht es noch viel schlechter!“ Das mag über den ersten Schmerz, das erste Leid hinwegtrösten, gibt aber nicht wirklich eine Perspektive.

Echter Trost gibt Selbstvertrauen zurück, weckt Zuversicht und Hoffnung. Genauso ist Gottes Trost: zugewandt, mitfühlend, engagiert und mütterlich.

 

Die Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen Annette Kurschus hat einmal gesagt: „Trost ist sozusagen die Muttermilch Gottes. Ein wunderschönes Bild: Gottes Trost nährt mich, lässt mich gedeihen; er macht mich vergnügt; schenkt mir Geborgenheit; macht im wahrsten Sinne des Wortes groß und stark.“

 

Diese Andacht erschien ursprünglich im Rahmen des Formates "Sonntagskirche" in WDR4

von Annette Krüger

Möge die Straße Dir entgegeneilen.
Möge der Wind immer in Deinem Rücken sein.
Möge die Sonne warm auf Dein Gesicht scheinen
und der Regen sanft auf Deine Felder fallen.
Und bis wir uns wiedersehen,
halte Gott Dich im Frieden seiner Hand.
Irischer Segenswunsch

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