Das Kreuz mit dem Kreuz

Es kommt heutzutage eher selten vor, dass das Kreuz als Symbol des christlichen Glaubens öffentlich diskutiert wird. Nachdem der bayerische Ministerpräsident Söder angeordnet hat, dass in bayerischen Behörden ein Kreuz hängen müsse, und dies auch publikumswirksam mit einer öffentlichen Kreuzesaufhängung dokumentiert hat, wird diskutiert: Für was steht das Kreuz eigentlich? Für den christlichen Glauben? Für eine christlich geprägte Kultur? Für bayerische Lebensart?

Das Wort vom Kreuz ist eine Torheit denen, die verloren werden; uns aber, die wir selig werden, ist es die Kraft Gottes. Manchen ist es ein Ärgernis, anderen aber eine Torheit“, schreibt Paulus an die Christen in Korinth. Offensichtlich hat das Kreuz immer schon Anstoß erregt, Ärger und Unverständnis. Das ist gut so! Wenn die vom Wahlkampf getränkte Aktion von Markus Söder etwas Positives in Gang gesetzt hat, dann das, dass das Kreuz als ein unbequemes Symbol in die öffentliche Wahrnehmung gelangt ist, ein Symbol, dass sich sperrt gegen Vereinnahmung und Instrumentalisierung. Das Kreuz selbst und das, wofür es steht, durchkreuzt all diese Versuche, es für eigene Zwecke und Ziele zu missbrauchen, Gottseidank!

Und das liegt daran, wofür das Kreuz steht: Es steht für den gekreuzigten Jesus von Nazareth, für seine Geschichte und sein Leben, und weniger für eine Kultur, ein Brauchtum oder eine Leitkultur. Es steht für den, der gepredigt hat: „Selig sind die Barmherzigen, denn sie sollen Barmherzigkeit erlangen“, und der das in seinem Umgang mit Menschen gelebt hat. Es steht für Mitmenschlichkeit und Nächstenliebe, auch mit Menschen, die von weit her zu uns kommen, weil sie hier bei uns auf Besseres hoffen als Tod und Terror. Es ist ein Symbol der offenen Arme, mit denen Christus die Menschen zu sich ruft.

Wenn unsere abendländische Kultur wirklich durch das jüdisch-christliche Erbe geprägt ist, dann sollten wir versuchen, so zu leben, wie der Gekreuzigte gepredigt und gelebt hat: Jeden Menschen als Geschöpf Gottes zu sehen und ihn so zu behandeln, wie wir selbst behandelt werden wollen. Das wäre doch ein viel stärkeres Zeichen für eine christlich geprägte Kultur als ein Kreuz an der Wand in irgendeiner Behörde. Das würde von dem Geist zeugen, der in uns wirksam ist. Das würde einladen, und nicht ausgrenzen, so wie Jesus auch eingeladen hat zu Gott, und nicht ausgegrenzt hat.

Eigentlich müssten wir Christen Herrn Söder dankbar sein, dass er diese Diskussionen um das Kreuz losgetreten hat. Wir Christen müssen, glaube ich, in diesen Zeiten wieder mehr darüber nachdenken und darüber diskutieren, was unsere Wurzeln sind, und wofür wir stehen in einer Gesellschaft, die das Kreuz oft nur noch als überholtes Symbol einer vergehenden Religion sieht und es quasi als Museumsstück an die Wand hängt. Das ist mir als Christen zu wenig, weil mir dieser Jesus, der da am Kreuz hängt, zu viel bedeutet.

Ob das für Herrn Söder wohl auch gilt?

von Ludwig Nelles

Möge die Straße Dir entgegeneilen.
Möge der Wind immer in Deinem Rücken sein.
Möge die Sonne warm auf Dein Gesicht scheinen
und der Regen sanft auf Deine Felder fallen.
Und bis wir uns wiedersehen,
halte Gott Dich im Frieden seiner Hand.
Irischer Segenswunsch

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