Mein Gott...

Selten hat eine Trauerfeier für so viel Diskussionsstoff gesorgt wie jene in Dortmund, bei der ich neulich zu Gast war. Ein Mann war gestorben, ganz plötzlich. Er war erst Anfang 50. Er war nicht krank gewesen, er stand bei der Arbeit seinen Mann und mit beiden Beinen mitten im Leben. Er hinterlässt seine Ehefrau und drei Töchter, die älteste ist Anfang 20.

Am Beerdigungstag bietet die Trauerhalle ein ungewohntes Bild: Bänke und Stühle sind herausgeräumt, stattdessen sind Stehtische aufgebaut, mit weißem Tischtuch geschmückt wie bei einem Empfang. Und am Eingang der Trauerhalle steht der Bestatter mit einer Mitarbeiterin. Sie bieten jedem Trauergast ein Glas Orangensaft oder Sekt an: „Bitte bedienen Sie sich! Wir wollen nachher während der Andacht noch auf den Verstorbenen anstoßen.“ Irritierte Blicke vieler Trauergäste, einige bedienen sich, andere gehen ohne Glas in die Kapelle. Als die Trauerfeier beginnt, betritt der Pastor die Halle. Mit seinem Manuskript in der einen und einem Sektglas in der anderen Hand spricht er zur Familie und den vielen übrigen Trauergästen. Und dann wird angestoßen auf das Wohl des Verstorbenen, bevor der Sarg auf dem Friedhof bestattet wird.

Im Anschluss herrscht großer Gesprächsbedarf. „Ich bin befremdet!“, das sagen fast alle. Manche meinen es anerkennend: „Das war schön. Endlich sitzt man bei einer Trauerfeier mal nicht traurig und geduckt in einer Kirchenbank. Und wird nicht immer davon geredet, dass mit dem Tod nicht alles beendet ist, sondern dass er nur ein Übergang in ein anderes, vielleicht sogar besseres Leben ist? Dann darf man doch auch heiter sein. So wünsche ich mir meine Beerdigung auch.“ Andere können sich mit dem Erlebten nur schwer abfinden: „Der Tod ist kein Spaß. Und erst recht nicht, wenn ein Mensch mitten aus dem Leben gerissen wird. Ich möchte nicht, dass jetzt auch noch unsere Trauerfeiern zu Stehempfängen mit Event-Charakter werden. Trauer und Traurigkeit sind wichtig und dürfen nicht verdrängt werden.“

Wie gesagt: Selten hat eine Trauerfeier für so viel Diskussionsstoff gesorgt. Was denken Sie, liebe Leserin, lieber Leser? Vielleicht ja ein guter Anlass, an diesem Wochenende mal der Frage nachzugehen, wie wir uns einmal unsere eigene Beerdigung vorstellen.

von Martin Treichel

Möge die Straße Dir entgegeneilen.
Möge der Wind immer in Deinem Rücken sein.
Möge die Sonne warm auf Dein Gesicht scheinen
und der Regen sanft auf Deine Felder fallen.
Und bis wir uns wiedersehen,
halte Gott Dich im Frieden seiner Hand.
Irischer Segenswunsch

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