Zeitgemäßer Luther rockt Wittener Saalbau

24.09.2017 · Gänsehaut-Momente beim Pop-Oratorium

Stehende Ovationen, minutenlanger Applaus und mehr als 300 Chorsänger, die dem kleinen Mönch aus Eisleben den Rücken stärken bei seiner Begegnung mit den Mächtigen der Zeit: Der Evangelische Kirchenkreis Hattingen-Witten und die Creative Kirche holen Luther an die Ruhr - und zeigen mit dem mitreißenden Pop-Oratorium "Luther", wie zeitgemäß die Lehre des Reformators auch heute noch verstanden werden kann. "Ich will selber denken..." - das Lied ist der heimliche Star unter den eingängigen Popsongs aus der Feder von Michael Kunze und Dieter Falk. Ein Abend der Superlative für den Kirchenkreis - und einer der ganz großen Höhepunkte im Reformationsjahr 2017.

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300 Sängerinnen und Sänger aus Witten und der Umgebung machen das Oratorium zu einem gewaltigen Live-Erlebnis!

"Ich will selber denken"

Einige der Textzeilen klingen, als wären sie extra für den Wahlsonntag geschrieben worden: „Ich will selber denken“ oder „Wo die Teufel lügen säen, liegt es an uns, zu widerstehen. Heut und hier.“  Bei der Premiere am Samstagabend wandern die Gedanken fast automatisch in die Gegenwart. Damals wie heute war und ist es eine Frage der Haltung, dem eigenen Gewissen zu folgen – Luther holte seine Kraft aus der Bibel und aus der Überzeugung, dass das Wort Gottes ihm den rechten Weg weisen werde.

Am 31. Oktober 2017 jährt sich zum 500. Mal die Veröffentlichung der 95 Thesen, die Martin Luther – der Überlieferung nach – an die Tür der Schlosskirche in Wittenberg schlug – was ihm einigen Ärger und einen unfreiwilligen Besuch beim Kaiser in Worms einbrachte. Von diesen drei Tagen bei Hofe, zerrissen zwischen der Suche nach Wahrheit und der Angst vor den Konsequenzen – mit Ketzern ging die Kirche nicht zimperlich um, der Scheiterhaufen war ein beliebtes Mittel, Kritiker mundtot zu machen – handelt das Pop-Oratorium.  Mit ein bisschen Hilfe vom Kurfürsten von Sachsen überlebt  Luther schließlich seine öffentliche Kritik an Papst und Kirche – und beschert  den Christen weltweit die erste Übersetzung der Heiligen Schrift ins Deutsche sowie in der Folge auch die Evangelische Kirche.

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Fotos: Nicole Schneidmüller-Gaiser

Parallelen zur Gegenwart

„Multiplikation bricht die Tradition“, singt der stimmgewaltige Chor aus heimischen Sängerinnen und Sängern unter der Leitung von Miriam Schäfer – wie gewohnt mittreißend dirigierend  und musikalisch pointiert. Und erneut zieht das Publikum Parallelen zwischen dem Buchdruck, der einst die Verbreitung der Thesen erst möglich machte und dem Internet, das heute in Sekundenschnelle Bilder und Nachrichten um den Globus sendet. Es liegt eine große Verantwortung darin, damals wie heute. Denn Nachrichten und Worte können missbraucht werden – weshalb Luther eine Rückbesinnung auf die Bibel forderte. „Sola scriptura, sola fide“ – „allein durch die Schrift, allein durch den Glauben“ sollten sich die Menschen leiten lassen - da sich menschliche Urteile im Laufe der Kirchengeschichte immer wieder als irrig herausgestellt hätten.

Doch auch ohne politische oder theologische Interpretation  machte der fulminante Abend im Saalbau einfach Spaß. Superintendentin Julia Holtz und Martin Barthelworth von der Creativen Kirche begrüßten vor ausverkauften Rängen 300 Männer und Frauen, die Chorleiterin Miriam Schäfer in den vergangenen Monaten zu einem beeindruckenden Chor geformt hatte. Von der sechsjährigen Anna bis zur 86 Jahre alten Edelgard meisterte der Chor die vor allem körperliche Herausforderung mit Bravour. Nach der öffentlichen  Generalprobe und  der Premiere am Samstagabend folgten am Sonntag zwei weitere Aufführungen, in denen sie zwei Stunden stehend das mitreißende Spiel und den herausragenden, gut akzentuierten Gesang der Profi-Musiker rund um Frank Winkels (Martin Luther), Sophia Brener (Lara), und Andreas Wolfram (Faber) begleiteten. Strahlende Gesichter auch bei der anschließenden Premierenfeier, zu der der Kirchenkreis Freunde und Kooperationspartner aus Stadt, Land, - und Ökumene eingeladen hatte. 500 Jahre später hat die Zeit manche Wunde geheilt – und für Gerechtigkeit und Wahrheit treten die evangelische und die katholische Kirche längst gemeinsam ein…

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Möge die Straße Dir entgegeneilen.
Möge der Wind immer in Deinem Rücken sein.
Möge die Sonne warm auf Dein Gesicht scheinen
und der Regen sanft auf Deine Felder fallen.
Und bis wir uns wiedersehen,
halte Gott Dich im Frieden seiner Hand.
Irischer Segenswunsch

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