"Das Reich Gottes ist schon hier!"

01.11.2017 · Großartiger Gottesdienst zum Abschluss des Jubiläums in der Erlöserkirche

Natürlich stand er im Mittelpunkt der Feierlichkeiten zum Reformationstag in und um die Erlöserkirche in Witten: Dr. Martin Luther, der der Legende nach vor 500 Jahren seine Kritik an der Kirche in Form von 95 Thesen an die Schlosskirche zu Wittenberg genagelt haben soll: Luther im Lied, Luther in der Predigt, Luther als Playmobil-Figur im Altarraum, Lutherbier und Lutherbonbons. Kein Wunder, dass Superintendentin Julia Holtz schon im Vorfeld geschmunzelt hatte: „Wir sind alle nach einem Jahr etwas überluthert…!“. Doch wer genauer hinsah – und das taten wohl die meisten der mehr als 600 Besucherinnen und Besucher in der übervollen Kirche im Stadtteil Annen - der merkte schnell, dass es nicht um Personenkult geht, wenn die Evangelische Kirche dieses Ereignis feiert – sondern um eine Haltung, die die Kirche, die Bildung, und letztlich das ganze Land und sogar den Kontinent verändert hat: Die Reformation.

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Statement und Versprechen an der Erlöserkirche in Witten.

"Zur Freiheit befreit!"

„Zur Freiheit hat Christus uns befreit! So steht nun fest und lasst Euch nicht wieder das Joch der Knechtschaft auflegen!“ So schreibt es Petrus im Galaterbrief, den Uwe Schulz ins Zentrum seiner Predigt stellte. Neuneinhalb Thesen („für 95 fehlt uns die Zeit“) entwickelte der WDR-5-Moderator aus diesem Versprechen – und nicht alle waren leicht verdaulich. Dass Freiheit Angst macht und dass aus dieser Freiheit keineswegs ein Freibrief, sondern vielmehr eine große Verantwortung abzuleiten sei, dem mochten die trotz der Länge des fast zweistündigen Gottesdienstes aufmerksam zuhörenden Besucher wohl zustimmen. Schulz kritisierte selbst gemachte Gerechtigkeit als größte Geißel der Menschheit – und fand fast dieselben Worte wie vormittags im zentralen NRW-Gottesdienst die Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen, Annette Kurschus. Und er äußerte, wenn auch verhalten, Kritik an Religion, die ihre Berechtigung aus der Abgrenzung von anderen ableitet. Wer diesen Gedanken zu Ende denken wollte, der musste wohl auch sein eigenes Handeln auf den Prüfstein und vielleicht sogar in Frage stellen.

In bester protestantischer Tradition war zwar das Wort das Zentrum des Gottesdienstes. So prägten Gedanken zur Reformation im Dialog mit der Ökumene – vertreten durch Pfarrer Friedrich Barkey aus der katholischen St.-Mariengemeinde und Reverend Canon Geoffrey Harbord von der Diocese of Sheffield - und vorgetragen durch die heimischen Pfarrerinnen und Pfarrer den Gottesdienst, der von Evangelisch in Witten im Zusammenschluss aller Gemeinden gemeinsam vorbereitet worden war. Doch ebenso wichtig – und damit in bester Luther-Manier – war die Musik: Neben Kreiskantor Hans Wilfrid Richter und den Posaunenchören des Kirchenkreises Hattingen-Witten unter der Leitung von Jan Philipp Walter bereicherten die Solosängerin Njeri Weth und der Pianist Markus Wentz die Feier. Und ja: „Ein fester Burg ist unser Gott“, DER Luther-Hit schlechthin, durfte an diesem Abend nicht fehlen – doch die Bläser hatten ihn kräftig entstaubt und trugen ihn swingend vor.

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Neuneinhalb statt 95 Thesen breitete WDR-5-Moderator Uwe Schulz in seiner Predigt aus.

Das Reich Gottes ist schon hier

Im Anschluss an den Gottesdienst blieben die meisten der Besucher trotz der vorgerückten Stunde noch bis weit nach 22 Uhr, um rund um die erleuchtete Erlöserkirche beim letzten Lutherbier oder einer Lutherbrause miteinander ins Gespräch zu kommen, der Band RiseUp aus Herbede und Poetry Slam zu lauschen und schließlich mit Pfarrer Johannes Ditthardt zu singen, bevor Superintendentin Julia Holtz den Abend – und damit das Jubiläumsjahr, mit einem Abendsegen beendete. Sie alle konnten beschwingt in die Nach-Jubiläumszeit gehen mit einem Versprechen aus der Predigt: „Das Reich Gottes ist schon hier - und nicht die Quittung, die es am Ende des Lebens gibt, wenn Du alles richtig gemacht hast!" Ein passender Gedanke für den zu Ende gehenden Feiertag, das Jubiläumsjahr und die Lutherdekade. „Einfach frei!“

Text und Fotos: Nicole Schneidmüller-Gaiser

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Möge die Straße Dir entgegeneilen.
Möge der Wind immer in Deinem Rücken sein.
Möge die Sonne warm auf Dein Gesicht scheinen
und der Regen sanft auf Deine Felder fallen.
Und bis wir uns wiedersehen,
halte Gott Dich im Frieden seiner Hand.
Irischer Segenswunsch

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