„Gott spricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.“ (Offenbarung 21,6)

01.01.2018 · Andacht zur Jahreslosung

Das Wort für das neue Jahr: „Gott spricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.“ (Offenbarung 21,6). Ohne Wasser, kein Leben. Und Gottes Natur gibt für alle Menschen genug davon – umsonst.

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Genug Wasser auch für Israelis und Palästinenser, für die Länder Afrikas. Doch das, was Gott in der Natur umsonst und reichlich gibt, machen Menschen zum Objekt gewalttätiger Auseinandersetzungen: Das Jordanwasser wird bald hinter den Quelle für die israelische und jordanische Landwirtschaft abgezweigt, so dass der Fluss in Palästina nur noch als Rinnsal dahinfließt, und den Palästinensern das Wasser für ihre Felder fehlt. Und Menschen machen das Wasser zur gewinnbringenden Ware: Die Schweizer Weltfirma Nestlé z.B. verkauft Wasser in abgepackten Plastikflaschen, nachdem sie sich Rechte auf Grundwasser auch in afrikanischen Staaten gesichert hat, die unter Dürre leiden. Die Konsequenz: 42 Millionen Äthiopier haben keinen Zugang zu sicherem Trinkwasser, und das hübsch verpackte Plastikflaschenwasser, ihnen zuvor entzogenen, können sie sich nicht leisten. „Pure Live“ heißt eine der Wassermarken Nestlés sarkastischer Weise, und es wird unter dem Werbeslogan „Drink better. Live better“ angeboten.

Ohne Wasser, kein Leben; aber lebendiges Leben ist mehr als Überleben. Beruflich, persönlich, familiär, politisch: nicht Spielball anderer zu sein, mich selbst als mächtig und verantwortlich für mein eigenes Leben zu erleben. Mich als jemand zu erfahren, der seinem Leben Gestalt geben kann – nicht nur meinem Leben, sondern auch dem meiner Nächsten, beruflich, politisch: das ist wichtig, um gesund leben zu können. Doch das reicht nicht. Es gibt Situationen, in denen ich hilflos bin: Krankheit oder Tod naher Mitmenschen überfordern das eigene Handeln, beruflich erfahre ich den Zwang des Funktionieren Müssens von morgens bis abends, politisch sehe ich nicht den Faden, an dem ich anknüpfen könnte. Hilflos erscheine ich in solch traurigen Situationen. Doch meine Selbstgestaltungsmacht stößt auch an Grenzen, wenn ich überschwemmt von Glückserfahrungen bin: Erlebnisse, Geschenke, Begegnungen, die ich nicht erwartet, geschweige denn gemacht hätte, überraschen und bereichern mich. „Lebendiges Leben“ ist beides: Ich erfahre, dass ich nicht Spielball anderer bin, sondern meinen Kopf oben behalte, und ich kann zulassen, was als bedrängende Ereignisse und unerwartetes Glück auf mich zukommt.

Und das Wort für das neue Jahr sagt noch mehr: Dieses „lebendige Wasser“ gibt es umsonst, ich muss es mir nicht verdienen, sondern nur zulassen und annehmen. Ich wünsche Ihnen Erlebnisse unerwarteten Glücks im neuen Jahr und die Kraft, sich dafür freudig offen zu zeigen.

Sigurd Hebenstreit
Presbyter der evangelischen Johannis Kirchengemeinde

Möge die Straße Dir entgegeneilen.
Möge der Wind immer in Deinem Rücken sein.
Möge die Sonne warm auf Dein Gesicht scheinen
und der Regen sanft auf Deine Felder fallen.
Und bis wir uns wiedersehen,
halte Gott Dich im Frieden seiner Hand.
Irischer Segenswunsch

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