Mit unterschiedlichen Talenten fit für die Zukunft

16.06.2018 · Sommersynode will multiprofessionelle Teams stärken / Fundraising für weitere drei Jahre sichergestellt / Abschied von Birgit Steinhauer

Vielleicht war „noch“ das wichtigste Wort im Bericht von Superintendentin Julia Holtz. „Noch leben wir in einer Zeit, die mit Pfarrerinnen und Pfarrern gesegnet ist.“ Dieses „Noch“ sollte Aufrütteln: „Wir müssen wieder entdecken, wie vielfältig die Gaben der Mitarbeitenden in einer Gemeinde sind und dass der Pfarrer nicht der Einzige ist, bei dem alle Fäden zusammenlaufen müssen.“ „Multiprofessionelle Teams in den Gemeinden“ hieß darum das inhaltliche Schwerpunktthema am Wochenende auf der ersten Tagung 2018 der Kreissynode in der Johannis-Kirchengemeinde.

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Ohne Gegenstimmen beschloss die Synode des Evangelischen Kirchenkreises Hattingen-Witten die Fortsetzung der Fundraising-Arbeit für weitere drei Jahre.

Der Superintendentin kommt auf der Sommersynode des Evangelischen Kirchenkreises stets die Aufgabe zu, aus 120 Seiten Berichtswesen, den die 16 Gemeinden (plus Gemeinde Creative Kirche) und ihre Dienste und Ausschüsse turnusmäßig vorlegen, eine aussagekräftige Zusammenfassung über das kirchliche Leben in Hattingen, Sprockhövel, Wetter und Witten zu liefern. Das tat die vor eineinhalb Jahren  gewählte Theologin mit spürbarer Begeisterung, war doch das Jahr 2017 ein Jahr mit vielen Höhepunkten. Und das nicht nur wegen des Reformationsjubiläums.  „Es geht uns gut und wir sind reich gesegnet. Wir haben viel Grund zur Dankbarkeit“, formulierte  die Theologin angesichts gelebter Ökumene, Begegnung und Versöhnung, mit Blick auf die gute Vernetzung auch zu weltlichen Institutionen, dem großen Engagement der Haupt- und Ehrenamtlichen im diakonischen Handeln, aber auch in der Rückschau auf bewegende Gottesdienste und Konzerte. Das „Noch“ schwang da schon mit – denn aus allen gelieferten Berichten sprach auch die Frage: „Wie soll es weitergehen?“.

Nachwuchsmangel im Pfarrberuf

Die Gemeindezahlen sinken seit Jahren – doch dank guter Wirtschaftslage macht sich das finanziell noch nicht negativ bemerkbar in den Kirchengemeinden. Doch schon heute ist klar, dass es am theologischen Nachwuchs fehlt – und in den kommenden Jahren wird ein Großteil der heute etwa 50 amtierenden Pfarrer*innen  in den Ruhestand verabschiedet. Darum nahmen die 66 stimmberechtigen Synodalen und viele interessierte Gäste intensiv andere Professionen in den Blick, die hauptamtlich „bei Kirchens“ arbeiten: Kirchenmusiker und Gemeindesekretärinnen, Gemeindepädagogen, Diakone und Jugendreferenten, Küsterinnen und Gemeindeschwestern sorgen mit ihren vielfältigen Begabungen und Ausbildungen dafür, das Gemeindeleben auf eine breite Basis zu stellen.  Doch wenn die Sekretärin nur noch an zwei Tagen in der Woche arbeitet, oder die Küsterin nur noch eine Viertelstelle hat, dann ist es oft genug der Pfarrer, der rasch einen Brief schreibt, nach dem Gottesdienst Bänke rückt und sich danach noch an die Homepage der Gemeinde begibt. Vielleicht einer der Gründe, warum „Pfarrer“ für viele Studienanfänger eben kein Traumberuf mehr ist.

Davon ist bei Pfarrerin Mareike Ginzel nichts zu spüren. Die junge Pfarrerin kam im April 2017 im Probedienst in die Johannis-Kirchengemeinde, unterstützt nun auch die Trinitatisgemeinde,  und ist glücklich, Teil eines „multiprofessionellen Teams“ zu sein. „Es geht nicht darum, mich zu `entlasten´ - sondern darum, dass ich ja nicht alles gleich gut können kann“, betont die 34-jährige. Das Handwerkszeug für Gottesdienst, Verkündigung  und Seelsorge hat sie natürlich im Studium vermittelt bekommen – „doch wenn ich zum Beispiel Lieder für den Gottesdienst aussuchen soll, dauert das bei mir echt lange – da bin ich doch froh, wenn es einen guten Kirchenmusiker gibt, der das viel besser kann.“

„Genau genommen arbeite ich seit 22 Jahren an meiner eigenen Arbeitslosigkeit. Ich versuche die Gruppen zu befähigen, ohne mich auszukommen!“ Auch Diakon Thorsten Schröder, Jugend-Mitarbeiter in der Gemeinde Herbede, empfindet die Fähigkeiten anderer nicht als Bedrohung, sondern als Bereicherung. Damit Gemeindepädagogen, Jugendreferenten und Pfarrer aber wirklich gleichberechtigt arbeiten könnten, müsste die Kirchenordnung geändert werden, formulierte eine der Kleingruppen, die dann am Nachmittag arbeiteten.  Denn während die Theologen als Dienstvorgesetzte im Presbyterium der Gemeinden sitzen, haben Jugendmitarbeiter, Gemeindeschwestern oder die Kirchenmusiker als Angestellte der Gemeinde dort kein Mitspracherecht.

Wer darf eigentlich was?

Auch der Theologische Ausschuss der drei Kirchenkreise Hagen, Hattingen-Witten und Schwelm hatte sich in Vorbereitung auf die Synode mit der Frage beschäftigt „Wer darf eigentlich was in unserer Kirche“. In einem Impuls regte Maria Magdalena Weber für den Ausschuss an, zu regeln, welche Aufgaben, Rechte und Pflichten mit den jeweiligen Berufen verbunden seien. „Eigentlich dürfen wir alle alles“, betonte die Medizinerin in Ableitung an das „Priestertum aller Gläubigen (1. Petrus 2,9f). Doch sei es sinnvoll, „dieses Dürfen zu ordnen.“ Um in der Öffentlichkeit das Wort Gottes die verkünden – sei es als Pfarrer oder als Prädikant – brauche es eine ordnungsgemäße Beauftragung, die durch die Ordination geschehen müsse.

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Superintendentin Julia Holtz (links) bedankt sich bei Dr. Maria Magdalena Weber für den Impuls des Theologischen Ausschusses.

Fundraising für weitere drei Jahre

Eine gute Unterstützung haben   die Gemeinden in den vergangenen Jahren  durch das 2009 gegründete Fundraising-Referat erfahren. Ein ausgebildeter Fundraiser – nach dem Weggang von Hans-Jörg Federmann übernahm im vergangenen Jahr Harald Bertermann diese Aufgabe – und eine mit Diane Sinter hochqualifizierte Assistentin entwickeln gemeinsam mit den Verantwortlichen in den Gemeinden Konzepte und Strategien. Darin waren sie zuletzt so erfolgreich, dass Norbert Mannebach im Namen des Fundraising-Ausschusses jetzt die Synode um eine Verlängerung der befristeten Stelle bat. Mit Erfolg: Für die kommenden drei Jahre, bis Ende 2021, stellt die Synode entsprechende Mittel aus der Ausgleichsrücklage in Höhe von 25.000 Euro pro Jahr zur Verfügung.

Landeskirche soll Flüchtlingsarbeit weiter unterstützen

Über den Antrag der Flüchtlingsbeauftragten des Kirchenkreises konnten die Synodalen nicht wirklich selber entscheiden, sondern ihn nur an die Landessynode weiterleiten: Darin ging es um die Bereitstellung von Sondermitteln für die Integration von Geflüchteten. Seit 2014 hat die Kirchenleitung auf Bitten der Landessynode zum Aufbau der Flüchtlingsarbeit in den Gemeinden zur Verfügung gestellt seit 2016 flossen so 1.000.000 Euro pro Jahr in die Kirchenkreise. „Ohne Menschen, die die Zugewanderten in ihrem Alltag begleiten, Sprachunterricht erteilen, bei Behördengängen dabei sind, sich um Familien und Kinder kümmern, kann das Fußfasen nicht gelingen“, betont der Flüchtlingsbeauftragte Christian Uhlstein. Um diese ehrenamtliche Arbeit auch in Zukunft zu begleiten und um Schulungen und Supervision zu ermöglichen, geht nun ein entsprechender Antrag der Synode nach Bielefeld.

Abschied von Birgit Steinhauer

Und schließlich musste sich Superintendentin Julia Holtz von einer langjährigen Mitarbeiterin verabschieden: Pfarrerin Birgit Steinhauer verlässt nach fast 22 Jahren den Kirchenkreis. Die einfühlsame Krankenhausseelsorgerin, die sich zuletzt im Evangelischen Krankenhaus Witten um Patienten und Mitarbeitende kümmerte, übernimmt nach den Sommerferien die 30. Kreispfarrstelle im Kirchenkreis Dortmund und arbeitet zukünftig im Ev. Zentrum für Palliativ- und Hospizdienste sowie Trauerarbeit. „Ein wegweisendes Projekt, in dem sich das Diakonische Werk, die Diakonische Pflege und Bethel regional gemeinsam engagieren“, freut sich die beliebte Theologin auf die neue Herausforderung – und mahnte ihre bisherige Synode gleichzeitig, die Seelsorge in den verschiedenen Diensten nicht aus dem Blick zu verlieren. „Unsere Arbeit ist vielleicht eine leise“, sagte sich mit Blick auf die Kollegen in der Alten-, Notfall- oder Gehörlosenarbeit. „Wir begegnen Menschen in einer sehr verletzbaren Lebensphase – und oft sind wir der erste Kontakt zu Kirche, den diese Menschen über eine lange Zeit hatten.“

 

„Glücklich die Kirche, die nie aufhört zu fragen, die nie aufhört zu suchen. Glücklich die Kirche, die sich selbst in Frage stellt“, hatte das multiprofessionelle Team im Gottesdienst zu Beginn der Synode gebetet. Nimmt man die leidenschaftlichen Diskussionen, das Hinterfragen und Ringen um den richtigen Weg der Sommersynode als Maßstab – dann muss die Kirche im Evangelischen Kirchenkreis Hattingen-Witten sehr glücklich sein.

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Möge die Straße Dir entgegeneilen.
Möge der Wind immer in Deinem Rücken sein.
Möge die Sonne warm auf Dein Gesicht scheinen
und der Regen sanft auf Deine Felder fallen.
Und bis wir uns wiedersehen,
halte Gott Dich im Frieden seiner Hand.
Irischer Segenswunsch

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