Nach 70 Jahren: Ende einer Ära

16.01.2019 · Kreiskirchliche Männerarbeit verabschiedet sich mit Dank-Gottesdienst

Sie wollten nicht „einfach so verschwinden“: Mit einem Gottesdienst in der Wittener Johanniskirche beendete die kreiskirchliche Männerarbeit jetzt offiziell ihren Dienst. „In Würde, mit einer Predigt der Superintendentin und in Dankbarkeit für insgesamt 70 gute Jahre“, betont der amtierende und somit letzte Vorsitzende des Kreises, Heinrich Hangebrauck. „Wir haben uns in den letzten Jahren immer bemüht, neue Männer für unseren Kreis zu gewinnen – leider ist uns das nicht gelungen“, ergänzt Pfarrer Christian Holtz, der zusammen mit Arne Stolorz die Männerarbeit seit Jahren theologisch begleitet hat, und betont: „Natürlich gibt es auch weiterhin Männerarbeit – aber eben in den Gemeinden.“

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In den letzten Jahren kamen auch Frauen in den Kreis der Männerarbeit. Gemeinsam nahmen die Damen und Herren jetzt Abschied.

Was haben sie nicht alles erlebt. Fachvorträge und Ausflüge. Gespräche über Glauben, Diakonie, Politik, Gesundheit – das Leben eben. Immer in geselliger Runde – „aber immer mit dem Anspruch, dass wir kein reines Kaffeetrinken machen“, war Heinrich Hangebrauck und seinen Mitstreitern immer wichtig. In Spitzenzeiten kamen bis zu 50 Herren unterschiedlichen Alters. „Bei mir in der Gemeinde gab es einen Seniorenkreis, der wurde zu 99 Prozent von Frauen besucht – darum war ich froh über dieses Angebot“, erinnert sich Hangebrauck, der mittlerweile mit seinen 73 Jahren der „Jüngste“ im Vorstand ist. Seine Mitstreiter, Stellvertreter Siegfried Hainke (Jahrgang 1942), Kassierer Dieter Sänger (1932 geboren), der die Aufsicht über die Finanzen im vergangenen Jahr vom langjährigen Kassenwart Heinz Maly übernommen hat und Beisitzer Werner Hassenflug (86 Jahre alt), kamen teilweise schon mit 20 Jahren zur Männerarbeit – und sie sind, das darf man wohl sagen, miteinander alt geworden.

Auch heute stehen noch 50 Personen in der Liste, die Kassierer Dieter Sänger akribisch pflegt und denen Siegfried Hainke und seine Ehefrau in großer Treue über die Jahre hinweg Geburtstagskarten geschrieben haben. Doch zu den monatlichen Treffen kamen zuletzt höchstens noch 20 Personen regelmäßig, davon teilweise auch die Witwen längst verstorbener Mitglieder. Und das Alter fordert seinen Tribut: „Früher sind wir durch den Kirchenkreis gezogen, haben uns jeden Monat in einer anderen Gemeinde getroffen“, erinnert sich Heinrich Hangebrauck. Zuletzt traf sich die Gruppe nur noch in drei besonders zentral gelegenen Häusern. Und zwar immer am Nachmittag – was für die Herren angenehm, für jüngeren, eventuell noch berufstätigen Nachwuchs aber nicht zu realisieren war.

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Der letzte Vorstand der kreiskirchlichen Männerarbeit, v.l.n.r., beim Gottesdienst in der Wittener Johanniskirche: Werner Hassenpflug, Dieter Sänger, Pfr. Arne Stolorz, Heinrich Hangebrauck, Pfarrer Christian Holtz, der Ehrenvorsitzende Dieter Tarrach, Siegfried Hainke. Fotos (2): Privat

Und auch beim Thema Ausflüge werden die Herren ein bisschen melancholisch: „Früher sind wir viel gereist – jetzt musste man immer schauen, was der Einzelne noch schafft.“ Doch es schwingt auch Dankbarkeit mit, wenn sie sich erinnern: „Es ist nie etwas Schlimmes passiert, niemand hat sich verletzt und die Gemeinschaft war immer harmonisch.“

Mit einem seiner letzten Schreiben hat der Vorstand die noch aktiven Mitglieder über die Angebote informiert, die die Gemeinden vorhalten. So gibt es Männerkreise in den Wittener Gemeinden Johannis, Herbede, Rüdinghausen und Trinitatis – und in Sprockhövel treffen sich die „jüngeren“ Herren als „Bruzzelbrüder“ zum gemeinsamen Kochen. „Wir wollen die Leute ja nicht im Regen stehen lassen“ erklärt der Vorstand, der seinen Rückzug bereits vor eineinhalb Jahren angekündigt hat – und nun doch erleben musste, dass einige Herren traurig-überrascht waren, dass dies nun tatsächlich Realität wird.

Mit dem Ende des kreiskirchlichen Arbeitskreises endet für den Vorsitzenden Hangebrauck auch seine stimmberechtigte Teilnahme an der Synode, der er zuletzt in dieser Funktion angehörte. „Und den Vorsitz in der Männerarbeit Ruhrgebiet habe ich schon 2017 abgegeben.“ Doch solange es die Gesundheit zulässt, wird wohl keiner der Herren sein kirchliches Engagement aufgeben – nur eben an anderer Stelle. „Wir waren unser ganzes Leben lang für die Kirche unterwegs – in Kirche und Diakonie, haupt- und ehrenamtlich. Wir bleiben aktiv!“ Und ihr keines „Vereinsvermögen“ vermacht die Männerarbeit dem Kirchenkreis, erzählen die Herren schmunzelnd: „Natürlich zweckgebunden. Für Männerarbeit.“

Möge die Straße Dir entgegeneilen.
Möge der Wind immer in Deinem Rücken sein.
Möge die Sonne warm auf Dein Gesicht scheinen
und der Regen sanft auf Deine Felder fallen.
Und bis wir uns wiedersehen,
halte Gott Dich im Frieden seiner Hand.
Irischer Segenswunsch

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