Fastenaktion zum Klimaschutz: Soviel Du brauchst...

26.02.2019 · Jeder Einzelne kann an der Veränderung mitwirken - und dies bis Ostern üben

Feierabend. Wie so oft, stehe ich um kurz nach fünf auf der Ruhrstraße und verfluche den Verkehr. Stoßstange an Stoßstange schiebt sich die Autokolonne im Schritttempo Richtung Stadtausgang. Vor mir: Autos, soweit mein Auge reicht. Hinter mir: Ebenso. Und mittendrin: Ich. Im Auto. Nicht „Opfer“, sondern Teil des Problems.

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Geboren und aufgewachsen in den 70er-Jahren, kann ich mich an eine Zeit mit viel weniger Pkw erinnern. In unserer sechsköpfigen Familie gab es ein Auto, das mein körperbehinderter Großvater für den Weg zur Arbeit nutzte. Für meinen Bruder und mich war es selbstverständlich, den Weg zur Schule, zu den Spielkameraden und für sonstige Ausflüge mit dem Bus, mit dem Fahrrad oder zu Fuß zu erledigen. 

Wann genau, frage ich mich beim langsamen Vorwärtsrollen, wurde ich eigentlich so abhängig vom Auto? Warum greife ich so selbstverständlich zum Schlüssel, wenn ich zur Post, in die Apotheke oder zu einer Freundin will? Und seit wann fühle ich mich, wenn ich dann doch mal den Bus nutze, eigentlich so fremd, weil mir die Buslinien längst nicht mehr vertraut sind, die ich nutzen muss, um von A nach B zu kommen…?

Es gibt keine Zufälle im Leben, oder?  Auf meinem Schreibtisch liegt  am nächsten Tag eine Broschüre vom Institut für Kirche und Gesellschaft. Karneval ist nicht mehr weit, und dann folgt die Fastenzeit. „So viel du brauchst“ lautet das Motto – und beschäftigt sich mit Klimaschutz und Klimagerechtigkeit. Genau mein Thema…

 

Frei werden für neue Gedanken

„Mit dieser Fastenaktion stellen wir uns in die christliche Tradition, die in der Zeit vor Ostern des Leidens gedenkt und bewusst Verzicht übt, um frei zu werden für neue Gedanken und andere Verhaltensweisen“, heißt es in der Broschüre. Und weiter: „Der Klimawandel verursacht Leiden, denn er gefährdet das Leben von Menschen, Tieren und Pflanzen. Klimaschutz macht Verzicht erforderlich. Aber immer wieder ist es ein Gewinn, wenn es gelingt, alleine oder in der Gemeinschaft das Leben klimafreundlicher zu gestalten…“

Im Gespräch mit dem Umweltpfarrer des Kirchenkreises, Wilfried Ranft, versuche ich, das Thema für mich „greifbarer“ zu machen. „Klima-Fasten hat ganz viele Aspekte – und die Idee der diesjährigen Kampagne ist es, möglichst viele Möglichkeiten aufzuzeigen, wo jeder Einzelne etwas verändern kann.“ Denn dass man von heute auf morgen sein Leben komplett ändern könne, hält auch der Theologe für unrealistisch: „Da braucht es viel Achtsamkeit und Einübung.“ Wochenweise rückt das Klimafasten daher unterschiedliche Themen in den Blick: Zeit für „Einkehr und Umkehr“, für „anders unterwegs sein“, für „anderes Kochen und Essen“, für „weniger Kaufen und Verbrauchen“, für „Energie sparen“, für ein „plastikfreies Leben“ und für „Zeit zum gemeinsamen Nachdenken über Veränderungen“.

Veränderung ist möglich – und sie passiert schon!

Dass der Einzelne durchaus an einer Veränderung mitwirken kann, daran glaubt Wilfried Ranft fest: „Es tut sich doch schon was – etwa im Einzelhandel“, so Ranft. Die „FüllBar“ in Witten, ein Laden, in dem es Lebensmittel nur unverpackt gibt, erfreut sich steigender Beliebtheit, so dass die Betreiber dieser Tage in ein größeres Geschäft umziehen. Bäcker in Hattingen verkaufen Außer-Haus-Kaffee preiswerter an die, die einen eigenen Mehrfach-Becher mitbringen; im Supermarkt an der Pferdebachstrasse in Witten und in anderen Geschäften  werden Wurst und Käse in mitgebrachte Dosen gepackt, um Plastik zu vermeiden.

Das Thema Mobilität packt Wilfried Ranft gemeinsam mit dem Umweltausschuss für den Gestaltungsraum an: „Wir haben gerade ein Konzept verabschiedet, das unter anderem vorsieht, dass Gemeinden ihren Theologen Elektro-Fahrräder zur Verfügung stellen.“ 13 Anträge gibt es schon von Pfarrerinnen und Pfarrern, die zukünftige ihre Dienstfahrten mit dem Rad erledigen wollen. Da ich keine Theologin bin, muss ich darauf verzichten – doch mein Ehrgeiz ist geweckt.

Die Deutschen und ihre Autos – das ist wohl eine lange Geschichte mit einander widersprechenden Gefühlen. Da sind auf der einen Seite die Arbeitsplätze sichernde Industrie und, auch das darf gesagt werden, die Freunde an schönen Fahrzeugen. Das Gefühl von Freiheit, das sich einstellt, wenn wir vor dem geistigen Auge im Cabrio in den Sonnenuntergang fahren.  Auf der anderen Seite stehen Feinstaub, nervende Parkplatzsuche und ein ausgedünnter ÖPNV, der den Wechsel gerade in ländlichen, etwas abgelegenen  Regionen, wie Bredenscheid, Niederwenigern  oder Stockum nicht gerade praktikabel erscheinen lässt.

 

Elf evangelische Landeskirchen beteiligen sich in diesem Jahr am Klimafasten – und darüber hinaus Christinnen und Christen in Gemeindegruppen, gemeinsam mit Freund*innen oder auch allein. Und wenn ich so darüber nachdenke: Ich bin dabei!

Nicole Schneidmüller-Gaiser

 

Alle Materialien sowie weitere Informationen finden Sie auch auf der Website www.klimafasten.de

Möge die Straße Dir entgegeneilen.
Möge der Wind immer in Deinem Rücken sein.
Möge die Sonne warm auf Dein Gesicht scheinen
und der Regen sanft auf Deine Felder fallen.
Und bis wir uns wiedersehen,
halte Gott Dich im Frieden seiner Hand.
Irischer Segenswunsch

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