„Gemeinsam entscheiden, was auf dem Tisch stehen soll“

26.05.2019 · Kirche und Migration: Synode diskutiert die Hauptvorlage / Neustart im Team will helfen

Beteiligung hat in der Evangelischen Kirche eine lange Tradition – und ein echtes Manko: Es dauert, bis es ein Thema von der Basis hoch in die Kirchenleitung schafft, dort bearbeitet und zum Beispiel in einem Fachausschuss in ein Thesenpapier gegossen wird, das dann wiederum zur Diskussion zurück in die Gremien gegeben wird. So kommt es, dass die Hauptvorlage „Kirche und Migration“ im Jahr vier nach dem legendären Merkel-Satz „Wir schaffen das“ für manchen Synodalen spät auf den Tisch kommt. Dabei hängt die Frage, wie sich Kirche in einer multikulturellen Gesellschaft aufstellt, keineswegs an afghanischen Flüchtlingen oder am Bürgerkrieg in Syrien. „Wenn die Kirche eine Tischgemeinschaft ist, bei der wir `die anderen´ an unseren Tisch einladen, dann geht es natürlich auch ums Teilen“, so Christina Biere, Pfarrerin im Amt für Mission, Ökumene und kirchliche Weltverantwortung (MÖWe), die auf der Sommersynode des Evangelischen Kirchenkreises Hattingen-Witten gemeinsam mit den 60 stimmberechtigten Synodalen eine Stellungnahme zur Hauptvorlage erarbeitete. Sie wählt dieses Bild, um klarzustellen, dass das Ziel echte Beteiligung sein müsse: „Irgendwann wird es auch darum gehen, gemeinsam zu entscheiden, was auf dem Tisch stehen soll.“

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Christina Biere, Pfarrerin im Amt für Mission, Ökumene und kirchliche Weltverantwortung (MÖWe), erarbeitet auf der Sommersynode gemeinsam mit den 60 stimmberechtigten Synodalen eine Stellungnahme zur Hauptvorlage Kirche und Migration.

Die Migranten verändern – sich, aber auch uns und unsere gewohnten Strukturen, so die Überzeugung der Theologin. Auch im Kirchenkreis Hattingen-Witten sei man sich einig, dass die Integration der neu Zugezogenen nur dann gelingen könne, wenn sich die Gemeinden öffnen, und sich dabei unter Umständen auch verändern. „Aber gibt es dazu eine Alternative? Können wir es uns leisten, die Migranten zu ignorieren, wenn 50 Prozent von ihnen Christen sind?“  Denn es lebten nicht nur Flüchtlinge in unseren Städten, sondern Menschen mit Migrationshintergrund, deren Integration nicht nur ein diakonisches, sondern auch ein systemisches Anliegen sei.

 

Nachdem sich im Vorfeld nur eine Gemeinde und der theologische Ausschuss im Gestaltungsraum mit der Hauptvorlage (https://kircheundmigration.ekvw.de/) schriftlich beschäftigt hatten, entwickelte sich in der Erlöserkirche in Annen eine lange und engagiert geführte Diskussion um den Beschlussvorschlag,  mit dem der Kirchenkreis nun zur Hauptvorlage Stellung bezieht. Dabei wurden durchaus selbstkritische Töne laut, dass auch Menschen, die in der Kirche aktiv sind, nicht zwangsläufig frei von Rassismus sein müssen. Die Bitte an die Landeskirche, sich entschieden und unmissverständlich rassistischen Einstellungen zu widersetzen, mag auch eine Bitte um moralische Unterstützung durch das oberste westfälische Kirchengremium verstanden werden; die Bitte der Kreissynode, die zivile Seenotrettung , die sichere Anlandung von Geflüchteten in europäischen Häfen und gegen eine Ausweisung oder Rückführung Geflüchteter nach Afghanistan einzufordern, sind indes ein politisches Credo der Synode.

 

Anschließend berichtete der Flüchtlingsbeauftragte des Kirchenkreises, Sigurd Hebenstreit, dass sich die westfälische Landeskirche am Projekt „Neustart im Team“ der Bundesrepublik Deutschland beteiligen wird. Im Rahmen dieses Projektes sollen insgesamt 500 ausgewählte  Flüchtlinge, deren Situation in den Flüchtlingscamps besonders vulnerabel scheint, unbürokratisch nach Deutschland geholt werden. Die westfälische Landeskirche hat zugesagt, 120 dieser Menschen aufzunehmen und sucht nun in den Kirchenkreisen Teams, die sich ehrenamtlich um die Flüchtlinge kümmern können. Innerhalb von zwei Jahren sollen die Menschen betreut und die Kaltmiete für ihre Wohnungen aufgebracht werden. Ansonsten sind die Flüchtlinge durch staatliche Leistungen abgesichert.

 

Der Arbeitskreis Flüchtlingsarbeit (hauptamtlich) legte der Synode zudem ein Papier vor, in die Errichtung einer auf fünf Jahre befristeten Stabsstelle „Integration – Kirche in der Migrationsgesellschaft“ vorgeschlagen wird, da die Arbeit mit Geflüchteten nach Auffassung des Arbeitskreises auch in Zukunft ein Schwerpunktthema sein werde. Die Synode nahm das Papier zur Kenntnis und gab ein positives Meinungsbild ab – eine Entscheidung kann frühestens auf der Herbstsynode getroffen werden.

 

Möge die Straße Dir entgegeneilen.
Möge der Wind immer in Deinem Rücken sein.
Möge die Sonne warm auf Dein Gesicht scheinen
und der Regen sanft auf Deine Felder fallen.
Und bis wir uns wiedersehen,
halte Gott Dich im Frieden seiner Hand.
Irischer Segenswunsch

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