„Wenig bleibt, wie es war!“

26.05.2019 · Sommersynode des Ev. Kirchenkreises: Die Weichen werden jetzt gestellt

Nichts ist mehr „business as usual“. Wenig bleibt, wie es war.“ So lautet der Einstieg eines Jahresberichtes einer der 17 Gemeinden im Evangelischen Kirchenkreis Hattingen-Witten, mit dem sich die Synodalen auf der ersten Kreissynode des Kirchenkreises am vergangenen Samstag in der Wittener Erlöserkirche zu beschäftigen hatten. Regelmäßig einmal im Jahr, zur Sommersynode, halten die Protestanten bewusst inne, blicken zurück, bewerten und versuchen, aus dem Vergangenen kluge Entscheidungen für die Zukunft zu treffen. Der Superintendentin Julia Holtz kommt dann die Aufgabe zu, aus einem 40 Seiten starken Werk voller Anekdoten, warmer Erinnerungen, Abschiedsschmerz und auch Beschwerden und Beschwernissen eine Zusammenfassung zu formulieren, die den regionalen, personellen und persönlichen Unterschieden in den Gemeinden in Hattingen, Sprockhövel, Wengern und Witten Rechnung trägt, dabei aber auch den „roten Faden“ erkennen lässt. Die prall gefüllte Tagesordnung ließ die insgesamt 60 stimmberechtigten und etwa 30 weiteren Synodalen schon vor Sitzungsbeginn ahnen: Nichts ist so beständig wie der Wandel.

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Rund um Superintendentin Julia Holtz (vorne Mitte) präsentiert sich der Kreissynodalvorstand (KSV) des Evangelischen Kirchenkreises Hattingen-Witten bei der diesjährigen Sommersynode. V.l.n.r.: Christian Uhlstein, Detlef Mansel, Michael Behrens, Börbel Böving, Klaus Wentzel, Ludwig Nelles, Hans-Werner Ludwig, Friedhelm Landeck, Ute Wendel, Bodo Steinhauer und Martin Venn.

60 Jahre Friedenskirche, 120 Jahre Posaunenchor in Wengern, 125 Jahre Kirchengemeinde Bommern, 150 Jahre Gemeinde Annen – viele der Geburtstage des Jahres 2018 waren stattliche Jubiläen und wurden in den Gemeinden entsprechend groß gefeiert. So manches Mal mag aber auch Wehmut mitgeschwungen haben, weil die Zeit der Beständigkeit ein für alle Mal vorbei ist: Die Zahl der Konfirmanden ist längst kleiner geworden, langjährige Mitarbeitende wurden in den Ruhestand verabschiedet, Stellen bleiben danach unbesetzt oder fallen weg. In manchem Wandel steckt die Chance auf Erneuerung – doch mit der Tatsache, dass sowohl die Zahl der Gemeindeglieder als auch die der Pfarrerinnen und Pfarrer in den nächsten Jahren  rapide sinken wird, müssen sich die Verantwortlichen in Gemeinde und Kirchenkreis jetzt auseinandersetzen.

 

Der Ansatz, in geographisch gesetzten „Kooperationsräumen“ nach Synergien zu suchen, überforderte die Gemeinden in der Vergangenheit. So legte der Strategie- und Strukturausschuss nun zur Sommersynode ein Papier vor, das die Presbyterien ermuntern soll, in den kommenden Jahren inhaltlich nach Möglichkeiten der Kooperation mit anderen zu suchen.  (siehe zweiter Text). Die gute Nachricht: Während sowohl die Haupt- und Ehrenamtlichen weniger werden und sich die Zahl der Kirchenmitglieder bis 2060 halbieren soll, erfreuen sich besondere kirchliche Angebote unglaublicher Beliebtheit. „Etwas vereinfacht könnte man sagen: der Trend geht zum Event“, so die Superintendentin in ihrem Bericht. Während der „normale“ Gottesdienst am Sonntagmorgen in vielen Gemeinden mit rückläufigen Teilnehmerzahlen kämpfe, erfreuten sich besondere Gottesdienste, am besten noch an ausgefallenen Orten,  großer Beliebtheit. Spiritualität, Nachhaltigkeit und Sinnsuche liegen immer noch im Trend.

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Der Superintendentin, Pfarrerin Julia Holtz, kommt die Aufgabe zu, für die Synodalen die Jahresberichte der Gemeinden zusammenzutragen und einzuordnen.

Gut besuchte Open-Air-Tauffeste, das Weihnachtsprojekt der Martin-Luther-Kirchengemeinde, die sehr unterschiedlichen Gottesdienstangebote der Gemeinde Creative Kirche, mal als Worship Café oder GROW für junge Erwachsenen im Studium oder in der Ausbildung – sie alle erreichen Menschen, die den Ortsgemeinden bisweilen verloren gehen. Während am Sonntagmorgen in Welper die Zahl der Gottesdienstteilnehmer überschaubar ist, bringen  Formate wie „Feierabend“ oder „Gospel und Gugelhupf“ das Paul-Gerhard-Haus in Welper an die Grenze seiner Kapazität. Julia Holtz: „Aber genau das weist auf eine Spannung hin, die in allen Gemeinden spürbar ist: Wiir wollen und müssen neue Wege gehen, um neue Menschen zu erreichen. Gleichzeitig bindet aber die sogenannte pastorale Grundversorgung große Ressourcen.“

 

 

Spiritualität, Nachhaltigkeit und Sinnsuche liegen durchaus immer noch im Trend. Gerade deshalb scheint eine Konzentration auf die Kernthemen der christlichen Lehre gerade jetzt wichtig und zeitgemäß. „Ich finde es besonders ermutigend, dass inhaltliche Glaubensvermittlung und –stärkung in vielen Gemeinden eine große Bedeutung hat!“ fasst die Superintendentin zusammen und gibt dabei auch eine inhaltliche Richtung vor: „Wir müssen ernsthaft und kritisch prüfen, welche Aufgaben wir auch in Zukunft weiterführen wollen.“ Der Blick in die Bibel erinnere dabei an die soziale Verantwortung der Christen: „Gott spricht durch den Mund seiner Propheten oft von Witwen, Waisen und Fremdlingen, deren Rechte nicht missachtet werden dürfen. Diese Gruppen stehen stellvertretend für die Schutzlosen in einer Gesellschaft.“ In der insgesamt achtstündigen Synode nahmen die Protestanten darum auch die Situation der Alten und Hochbetagten im Kirchenkreis sowie die der Migranten in den Blick.

 

Möge die Straße Dir entgegeneilen.
Möge der Wind immer in Deinem Rücken sein.
Möge die Sonne warm auf Dein Gesicht scheinen
und der Regen sanft auf Deine Felder fallen.
Und bis wir uns wiedersehen,
halte Gott Dich im Frieden seiner Hand.
Irischer Segenswunsch

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