Positive Neugierde und große Lust auf friedliche Wettkämpfe

01.11.2018 · Partnerschaft des Kirchenkreises mit Ruanda wird durch Schülerinnen und Schüler der Realschule Grünschule aus Hattingen mit Leben gefüllt

Schulleiter Jürgen Ernst aus der Realschule Grünstraße in Hattingen weiß, dass ihm was ihm blüht, wenn Judith Nockemann mit diesem ganz speziellen Lächeln auf ihn zukommt. „Kennen Sie eigentlich Ruanda?“ fragte sie vor längerer Zeit. Nun ist der Schulleiter ein kluger Mann, der weiß: Wenn die Lehrerin für Biologie, Erdkunde, Kunst und Evangelische Religion so scheinbar harmlos fragt – dann hat sie meistens eine Idee. Und diese Idee ist richtig gut: Seit dieser Woche gibt es eine offizielle Schulpartnerschaft zwischen der Schule in der Südstadt und der Groupe Scolaire Cyabagarura in Musanze, Ruanda im Kirchenkreis Gisenyi. Und das kam so…

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Zum Festakt in der Aula versammelten sich die Religionsklassen und die Schülerinnen und Schüler der achten Klasse gemeinsam mit Vertretenden der Elternpflegschaft. Im Vordergrund zu sehen (v.l.v.r.): der in Dortmund tätige Pfarrer Valens Karangwa aus Ruanda, Schulleiter Jürgen Ernst, Sabine Teuchert, Pfarrer Ludwig Nelles, Superintendentin Julia Holtz und Bürgermeister Dirk Glaser.

Bereits vor einem Jahr, auf der Sommersynode des Evangelischen Kirchenkreises Hattingen-Witten, stimmten die Delegierten einstimmig dafür, eine neue Partnerschaft mit dem Kirchenkreis Gisenyi  im Nordwesten des Landes einzugehen. Unter den Synodalen: Judith Nockemann, die dort als Vertreterin ihrer Kirchengemeinde das kirchliche Leben in Hattingen mitgestaltet.

 

Das Thema Ruanda fand sie spannend – erst Recht, nachdem sie von ihrer Kollegin Sabine Teuchert einen begeisterten Bericht über deren Reise nach Ruanda gehört hatte. Auch Sabine Teuchert engagiert sich bei Kirchens – in der Martin-Luther-Gemeinde in Witten. Die beiden Pädagoginnen kamen wohl gemeinsam auf die Idee, dass eine Schulpartnerschaft bestens geeignet sei, um die Kirchenkreis-Idee mit Leben zu füllen – denn bei ihren Schülerinnen und Schülern spürte  Judith Nockemann sofort ein großes Interesse und eine positive Neugierde an diesem fremden Land und seinen Menschen.

 

Im Sommer reiste Sabine Teuchert zum zweiten Mal nach Ruanda – im Gepäck eine Urkunde, die sie bei einem Besuch in der „Groupe Scolaire Cyabagarura“ unterzeichnen ließ. Die Schule im ruandischen Musanze wurde 2009 gegründet, sie liegt mitten in den Vulkanbergen und ist in kirchlicher Trägerschaft. Rund 650 Schüler der Jahrgangsstufen sieben bis zwölf besuchen die Schule, die zum Abitur führt. Das Kollegium besteht aus 19 Lehrern. Schulsprache ist Englisch, alle Schüler tragen blaue Schuluniformen, die Lehrer weiße Kittel. In manchen Klassen drängen sich 40 bis 50 Schüler auf einfachen Holzbänken – doch immerhin gibt es im Schulgebäude gibt einen Laptopraum, so dass die Kommunikation mit Deutschland per Skype, Chat oder E-Mail funktionieren wird.

 

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Für das Handgepäck fast zu schwer: Maja (vorne), Semih, Tobias, Anna-Lena und Marie (v.r.n.l.) überreichen ein Paket mit Geschenken an Superintendentin Julia Holtz, die das Paket jetzt mit nach Ruanda nehmen wird.

Schaut man sich die Fotos und Videos an, die Sabine Teuchert mitgebracht hat, erkennt man die große Freude, die die Partnerschaft bei den Menschen in Musanze auslöst. Die Urkunden-Unterzeichnung dort wurde mit einem ganztätigen Fest gefeiert – und der Gast aus Deutschland hatte bei der Heimreise neben dem Stück Papier vor allem viele gute Wünsche und lebendige Eindrücke im Gepäck, die sie mit den interessierten Schülerinnen und Schülern in der Realschule Grünstraße teilte.

 

Nun wurde das Dokument auch von der deutschen Schule unterzeichnet – und auch, wenn der Festakt vielleicht in seiner westfälischen Art etwas „ruhiger“ ausfiel, ist die Freude über den nun beginnenden Austausch bei Schülern und Lehrern gleichermaßen zu spüren. Mit Feuereifer haben Neuntklässler der Realschule Videos gedreht, in denen sie sich und ihre Schule vorstellen. Andere Schüler haben Filzbälle zum Zeitvertreib während der Pausen angefertigt, eine Broschüre „Vom Schaf zur Wolle“ erstellt, zudem Geld gesammelt und davon Schulhefte, Stifte und Anspitzer gekauft. Ein 15 Kilogramm schweres Paket überreichten nun stellvertretend Marie, Anna-Lena, Tobias und Semih an Superintendentin Julia Holtz, die als Repräsentantin des Kirchenkreises gemeinsam mit dem Hattinger Gemeindepfarrer Ludwig Nelles und Pfarrer Michael Waschhof aus Wengern in der kommenden Woche nach Ruanda reist.

 

 

„Ich bin ein großer Freund von partnerschaftlichen Aktivitäten“, lobte beim Festakt auch Bürgermeister Dirk Glaser. „Vor allem dadurch kann man den Hassprediegern auf allen Seiten etwas entgegensetzen!“ Er  erinnerte in seiner kurzen Ansprache auch an die wechselvolle Geschichte, die die Beziehung Deutschlands mit afrikanischen Ländern durchlebte: „Erst haben wir die Länder ausgebeutet, dann von oben herab behandelt und „beschenkt“. Doch eine solche Schulpartnerschaft ist Begegnung auf Augenhöhe!“ Für westliche Überheblichkeit gibt es auch wenig Anlass: Ruanda gilt heute in vielen Bereichen als afrikanisches Musterland. Vor allem im Bereich Umweltschutz kann Deutschland sogar noch etwas von den Partnern lernen: Plastiktüten sind streng verboten, und Autos, die älter als sieben Jahre alt sind, dürfen nicht eingeführt werden.

 

 

Die Partnerschaft soll sich nun nach dem Willen aller Beteiligten Schritt für Schritt entwickeln. „Es gibt ja schon eine Partnerschaft mit einer niederländischen Schule“, berichtet Schulleiter Jürgen Ernst. „Wechselseitige Besucher sind da natürlich leichter zu organisieren.“ Doch er setzt auf moderne Kommunikationsformen und hofft aus Sponsoren, die vielleicht einmal eien Besuch in Ruanda möglich machen.

 

Bis dahin gibt es Ruanda als Thema in vielen Unterrichtsfächern, Schautafeln und Infografiken auf den Schulfluren und auch schon erste Ideen für schulübergreifende Projekte. Und den Wunsch, sich zu messen – Sabine Teuchert überbringt im Namen der Schülerinnen und Schüler aus Ruanda den Wunsch, sich im friedlichen Wettkampf in möglichst vielen Disziplinen zu vergleichen. Und siehe da - beim Wort „Competicions“ kommt in der Aula sogar richtig Leben in die Schülerschar…

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Möge die Straße Dir entgegeneilen.
Möge der Wind immer in Deinem Rücken sein.
Möge die Sonne warm auf Dein Gesicht scheinen
und der Regen sanft auf Deine Felder fallen.
Und bis wir uns wiedersehen,
halte Gott Dich im Frieden seiner Hand.
Irischer Segenswunsch

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