Vorbereitungen für NKF laufen im Kirchenkreis

01.10.2015 · Neues Kirchliches Finanzmanagement löst 2017 die Kameralistik an

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Mit dem guten alten Sparschwein kann man sich das Prinzip veranschaulichen. Die doppelte Buchführung berücksichtigt den Werteverzehr. Neben die Gewinn- und Verlustrechnung (mit den laufenden Ein- und Ausgaben) stellt sie zusätzlich die Bilanz, in der Vermögen und Schulden gegeneinander aufgewogen werden.

Von Nicole Schneidmüller-Gaiser

Gestaltungsraum. Wäre die momentane kirchliche Buchführung ein Tonträger, dann wäre sie wohl eine Kassette. Nur eingefleischte Nostalgiker schwärmen vom „Tape“ ihrer Jugend – und übersehen dabei gerne die Nachteile: Kassetten reißen, die Qualität nimmt ab, wenn man sie zu oft im Auto eingesetzt hat – und es gibt kaum noch Geräte, die sie abspielen können. Mit der sogenannten „Kameralistik“, dem Buchhaltungssystem, mit dem die öffentliche Verwaltung traditionell eine jährliche Einnahmeüberschussrechnung erstellte, ist das so ähnlich: Das System in sich funktioniert – doch es ist nicht zeitgemäß und es gibt kaum noch jemanden, der es spielen, pardon: anwenden kann. Darum wird schon seit den 1970iger Jahren die kaufmännische oder auch doppelte Buchführung in europäischen Ländern eingeführt. Die NRW-Kommunen arbeiten immerhin seit 2009 damit. Und nun erreicht sie auch die Kirchen: NKF, das „Neue Kirchliche Finanzmanagement“ wird Schritt für Schritt in der Evangelischen Kirche von Westfalen (EKvW) eingeführt. Im Gestaltungsraum IV, also den Kirchenkreisen Hagen, Schwelm und Hattingen-Witten, laufen im gemeinsamen Kreiskirchenamt (KKA) die Vorbereitungen schon seit dem Sommer 2014 – tatsächlicher Startschuss für die Gemeinden ist voraussichtlich der 1. Januar 2017.

„Der Schritt ist absolut sinnvoll, doch es wird noch viel Arbeit auf uns zukommen.“ Matthias Küstermann, stellvertretender Verwaltungsleiter im KKA, findet schon heute kaum noch neue Mitarbeiter, die die alte Kameralistik gelernt haben. „Selbst unser eigener Nachwuchs lernt überwiegend die kaufmännische Buchführung“, so der Wittener.

Zwischentitel: NKF bringt einen Paradigmenwechsel in der Buchhaltung

Selbst vereinfacht dargestellt ist es nicht mehr und nicht weniger als ein Paradigmenwechsel, den das NKF mit sich bringt. In der Kameralistik betrachtet eine Gemeinde – nicht anders als Jedermann zu Hause - die zu erwartenden Einnahmen für das Jahr. Dem gegenüber stellt der Finanzkirchmeister  – nicht anders als der Hausmann  daheim - die Ausgaben. Im Wirtschaftsplan können dabei auch größere Anschaffungen oder Reparaturen eingeplant werden – so wie im privaten Bereich ein Sparschwein für den Sommerurlaub oder für das neue Auto das Haushaltsbuch ergänzt. Der Unterschied: Bleibt das private Sparschwein unangetastet, weil der Urlaub ausfällt, macht das nichts, denn der Urlaub kann ja  nachgeholt werden. Der Haushaltsansatz in der Kameralistik übernimmt aber die tatsächlichen Ausgaben und korrigiert in diesem Fall das Budget für das nächste Jahr ggf. nach unten. „In der Politik ist dieses Phänomen als `Dezemberfieber´ bekannt“, schmunzelt Matthias Küstermann. Dann werden eilig noch ein paar Schreibtische kurz vor Jahresende angeschafft, die in der Behörde eigentlich nicht benötigt werden. „So extrem gibt es das bei uns in der Kirche natürlich nicht“, betont Küstermann. „Wir haushalten auch jetzt schon sehr sparsam.“

Doppelte Buchführung berücksichtigt auch den Werteverzehr

Ein weiterer Unterschied zwischen kameralistischer und kaufmännischer Buchführung kann einen Beitrag zur Zukunftsfähigkeit einer Gemeinde leisten. Dazu noch einmal zurück in den Privathaushalt: Das Sparschwein wurde geschlachtet, das Auto gekauft. Nun stellt die Hausfrau zwei neue Schweine hin, denn es fallen ja Reparaturen an (Schwein 1), und nach sechs Jahren muss ein neues Auto gekauft werden. Das gerade noch neue Auto verliert in der Zwischenzeit rapide an Wert (das fängt Schwein 2 auf).

Genau diesen sogenannten Werteverzehr berücksichtigt nun auch die doppelte Buchführung: Neben die Gewinn- und Verlustrechnung (mit den laufenden Ein- und Ausgaben) stellt sie zusätzlich die Bilanz, in der Vermögen und Schulden gegeneinander aufgewogen werden. Kauft also eine Gemeinde ein Auto für 20.000 Euro, steigt das Anlagevermögen um diesen Wert – und der Kassenbestand verringert sich um dieselbe Summe. Rein rechnerisch ist also nichts passiert: Plus 20.000 Euro minus 20.000 Euro = 0. Nach einem Jahr ist das Auto aber  nur noch 18.000 Euro Wert – der Verlust von 2000 Euro fließt in die laufende Gewinn- und Verlustrechnung ein und muss dort, über die Abschreibung, ausgeglichen werden. „Wenn man so will, ist das NKF das `Sparschwein´ für die Gemeinden, das ihnen hilft, ihre Ausgaben und Schwerpunkte zielgerichteter zu planen“, sagt Matthias Küstermann.

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Mattias Küstermann, stellvertretender Verwaltungsleiter im KKA: „NKF wird uns helfen, mit knappen Ressourcen gemeinsam mehr zu erreichen.“

Information und Schulungen haben schon begonnen

Mit einer neuen Software im KKA und in den Gemeinden ist es darum nicht getan: Bis der Startschuss am 1.1.2017 fällt, müssen nun die haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitenden geschult werden, die mit Buchungen zu tun haben. In der Gemeinde sind das neben den Finanzkirchmeistern auch die Vorsitzenden der Presbyterien, die Gemeindesekretärinnen und die Pfarrerinnen und Pfarrer. Gerade im Bereich der Ehrenamtlichen wird das gar nicht so aufwändig, erwartet Matthias Küstermann, denn „denen ist eher die Kameralistik fremd!“.

Zeitraubender wird da schon die Inventur, die in jeder Gemeinde ansteht – denn bislang sind die Vermögen einer Gemeinde, die Grundstücke, Gebäude und sonstiger Besitz, in unterschiedlichen Büchern dokumentiert – wenn überhaupt. Für die Phase der Umstellung hat die EKvW sich und ihren Gemeinden Vereinfachungsregeln gegeben und schenkt vor allem eins: Zeit!

„Alle Grundstücke und Gebäude im Kirchenkreis werden seit Juli 2014 von der Bau- und Liegenschaftsabteilung erfasst“, erklärt Matthias Küstermann. Eine große Aufgabe: Allein 600 Gebäude warten im Gestaltungsraum darauf, erfasst und vor allem bewertet zu werden. „Bei den Gebäuden muss man differenzieren: Vom ursprünglichen Wert muss der Werteverlust abgezogen werden“, so Küstermann.

Und ergänzt realistisch: „Das Geld für Umbauten und Sanierungen ist in den meisten Gemeinden nicht eingeplant“, weiß Matthias Küstermann. Die Zahlen werden im ersten Moment vielleicht schockieren – aber nach dem ersten Schrecken können dann realistische Planungen beginnen.

Gemeinden dürfen nicht strukturell über ihre Verhältnisse wirtschaften

Nun sind Gemeinden so genannte Körperschaften öffentlichen Rechts und können darum nicht einfach Kredite aufnehmen, um ihre Schulden zu begleichen. Stattdessen sind sie gehalten, die Strukturen kontinuierlich anzupassen und so sicherzustellen, dass die Ausgaben die Einnahmen nicht dauerhaft übersteigen. Dabei helfen sollen die „Haushaltsbücher“, in der jede Gemeinde neben den Zahlen auch die inhaltlichen Ziele ihrer Arbeit formulieren wird. „Viele unserer Gemeinden haben ja schon eine Konzeption, nach der sie arbeiten – auch davor muss sich also niemand fürchten“, beruhigt Matthias Küstermann. Die Entscheidung, welche Ziele wie erreicht werden sollen, ist und bleibt alleinige Sache der Presbyterien – darauf legt der Verwaltungsleiter großen Wert.

Momentan wird das NKF in den Kirchenkreisen Münster, Iserlohn und Lüdenscheid-Plettenberg als Piloten erprobt; der Gestaltungsraum 4 wird in der zweiten Pilotphase folgen. „Für die Einführungszeit brauchen wir zusätzliches Personal, das die Grunddatenerfassung übernimmt und die Einführung plant und überwacht“, zählt Matthias Küstermann auf. Erste Informationsveranstaltungen mit den Finanzkirchmeistern und Presbyteriums-Vorsitzenden haben bereits stattgefunden; die Aufrüstung der Büros und Schulungen der Menschen folgen nun Schritt für Schritt. „Es liegt noch eine arbeitsreiche Zeit vor uns, vor der sich aber niemand fürchten muss“, verspricht Matthias Küstermann. Und danach ist die Kirche auch buchhalterisch endlich in der Gegenwart angekommen.

Das Wichtigste in Kürze

  • NKF = Neues kirchliches Finanzmanagement
  • Doppelte Buchführung statt Kameralistik = Vermögen und Schulden werden ebenso wie Ein- und Ausgaben aufgelistet
  • Eine Inventur vorab gibt Aufschluss über die finanzielle Ausgangssituation der Gemeinde
  • Dabei erfasst werden Grundstücke, Gebäude und Kunst- und Kulturgüter sowie Gegenstände mit einem Wert über 5000 €, die in den zurückliegenden drei Jahren gekauft wurden
  • Es wird NICHT jeder Kaffeelöffel oder jedes Gesangbuch erfasst
  • An der Arbeitsteilung ändert sich nichts: Anschaffungen werden in der Gemeinde beschlossen und verantwortet; die Buchhaltung und Kontierung erfolgt im gemeinsamen Kreiskirchenamt; jede Gemeinde hat zusätzlich zum gemeinsamen Konto ein eigenes Gemeindekonto vor Ort sowie eine Barkasse.
  • Durch das NKF weiß die Gemeinde zeitnah, wo sie finanziell steht
  • Die Entscheidungshoheit liegt auch weiterhin bei den Gemeinden und ihren Presbyterien

Möge die Straße Dir entgegeneilen.
Möge der Wind immer in Deinem Rücken sein.
Möge die Sonne warm auf Dein Gesicht scheinen
und der Regen sanft auf Deine Felder fallen.
Und bis wir uns wiedersehen,
halte Gott Dich im Frieden seiner Hand.
Irischer Segenswunsch

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