Solidargemeinschaft sichert die Existenz der KiTas

02.08.2017 · 10 Jahre Trägerverbund / Geschäftsführerinnen sind zufrieden

Kirche und Kindergarten – das gehört in nahezu allen Gemeinden noch immer selbstverständlich zusammen. Zwar ist die Kinderbetreuung eine kommunale Pflichtaufgabe, die Eltern notfalls sogar einklagen könnten – doch für Träger wie die evangelische Kirche kommt die Aufgabe einer KiTa nur in Ausnahmefällen in Frage. Schließlich bedeuten Kinder auch für kirchliches Leben die Zukunft. Doch was tun, wenn die finanziellen Rahmenbedingungen schwieriger werden? Der Evangelische Kirchenkreis Hattingen-Witten entschloss sich vor zehn Jahren, einen KiTa-Verbund zu gründen – und bereut den Schritt laut der Geschäftsführerinnen Birgit Crone und Angelika Arend bis heute nicht: „Ohne den Verbund hätten sich vermutlich einige Gemeinden von ihren KiTas getrennt.“

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Die theologische Geschäftsführung, Pfarrerin Birgit Crone (links) und die kaufmännische Geschäftsführung, Angelika Arend, verantworten gemeinsam die Leitung im Trägerverbund für Evangelische Kindertageseinrichtungen. 21 Einrichtungen sind nun schon seit zehn Jahren im Trägerverbund vernetzt. Foto: niki

Das Kinderbildungsgesetz, kurz KiBiz, änderte Anfang des neuen Jahrtausends die Finanzierung aller KiTas von Grund auf. Statt der tatsächlichen Kosten konnten die Träger nun nur noch Pauschalen pro Kind abrechnen, zudem wusste niemand, wie die gesetzlich geforderten Betreuungsplätze für unter Dreijährige von den Eltern angenommen würden. Zwar gab es für den Umbau Zuschüsse vom Staat – doch das finanzielle Betriebsrisiko blieb beim Träger. Kurz: Die ganze Kindergartenlandschaft war im Wandel. Im Kirchenkreis Hattingen-Witten mit seiner gemeinsamen Verwaltung entstand die Idee, Personal, Organisation und Lenkung der insgesamt 24 Kindertageseinrichtungen in einem Verbund zusammen zu fassen – am 1. August 2007 ging der „Trägerverbund für Evangelische Kindertageseinrichtungen“ an den Start.

Sorgen waren unbegründet

Was aus wirtschaftlicher Sicht so naheliegend klingt, war für die Beteiligten – Mitarbeitende ebenso wie Gemeinden – keine einfache Entscheidung. Würde die gewünschte Nähe zwischen Gemeinde und der KiTa-Arbeit verloren gehen? Und würden alle vertrauten Gesichter an Ort und Stelle bleiben, oder würde Personal versetzt? „Wir mussten viele Gespräche führen – doch schließlich konnten wir 21 von 24 Kindergärten miteinander vernetzen. Und das klappt gut – auch heute noch.“

Teilzeitbeschäftigung wenn gewünscht, Fortbildungen und Personalentwicklungen – für Pfarrerin Birgit Crone liegen die Vorteile für die Mitarbeitenden auf der Hand. „Und für die Kinder hat sich an der Betreuung eh nichts verändert.“ Zum Konzept der kirchlichen Einrichtung gehört dabei natürlich auch, Kirche für die Kinder erlebbar zu machen. „Beim Spielen im Wald oder beim Pflanzen von Gemüse wird ein achtsamer Umgang mit der Schöpfung kindgerecht vermittelt, wir beten und singen miteinander und Gottesdienste und Andachten sind selbstverständlicher Bestandteil in unseren Einrichtungen. Das schätzen übrigens auch andersgläubige Eltern“, betont Birgit Crone.

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Für alle pädagogischen Fachfragen sowie Fragen zur Qualität der Einrichtungen ist Dorothee Büchle als Fachberaterin ansprechbar.

Solidargemeinschaft teilt die Risiken

Die finanziellen Risiken, die für jede einzelne Gemeinde zu einem unkalkulierbaren Risiko hätten führen können, werden im Verbund aufgefangen: Angelika Arend erläutert: „Wir sind eine Solidargemeinschaft, in der jede Einrichtung mal ein gutes, mal ein schlechtes Jahr haben kann, ohne dass es gleich brenzlig wird.“

Im Kreiskirchenamt sorgen Arend und ihre fünf spezialisierten Mitarbeitenden für den reibungslosen Ablauf der komplexen Verwaltungstätigkeiten. Vor Ort kümmern sich insgesamt etwa 280  Erzieherinnen, Pädagoginnen und weiteres Fachpersonal für die Betreuung der Kinder. Und auch die Gemeinde bleibt nicht außen vor, sondern nimmt noch immer am Alltag der Einrichtungen teil. „In Bommern `bibelt´ der Pfarrer einmal pro Woche mit den Kindern“, so Crone, in Bredenscheid gestalte die KiTa regelmäßig den Gemeindegottesdienst. So bleibt man sich vertraut.

 

Neue, schlankere Struktur

Über die Jahre wuchs so viel Vertrauen in das Leitungsgremium, dass die Gemeinden auf der Sommersynode 2015 eine neue, schlankere Struktur beschlossen. „Anfangs hatten wir einen riesigen Vorstand mit Vertretern aller Gemeinden, der sich monatlich traf, um über das Tagesgeschäft zu entscheiden.“ Eine Überforderung für so manchen Ehrenamtlichen und im oft schnelllebigen Arbeitsalltag unpraktisch. Nun managen die beiden Geschäftsführerinnen das Tagesgeschäft, verhandeln mit den Kommunen und dem Landschaftsverband und sichern das Controlling.

Daran, dass die Arbeit mit Kindern eine zentrale  Aufgabe der Gemeindearbeit ist und dass möglichst jede Gemeinde auch mindestens einen Kindergarten vorhalten wird, soll sich auch nach dem Willen der Synode möglichst nichts ändern. Die Schließung des Augustinchens in Witten in diesem Sommer bleibt da hoffentlich die Ausnahme. Gleichzeitig haben alle KiTas seit 2015 neue Plätze für geflüchtete Kinder geschaffen und das Thema Integration stärker in den Blick genommen. Zum Geburtstag wünscht sich Angelika Arend nun ein bisschen Alltagsgeschäft: „Laut aller Prognosen soll die Zahl der Kinder bis 2025 stabil bleiben – nun darf gerne mal Ruhe einkehren.“

Möge die Straße Dir entgegeneilen.
Möge der Wind immer in Deinem Rücken sein.
Möge die Sonne warm auf Dein Gesicht scheinen
und der Regen sanft auf Deine Felder fallen.
Und bis wir uns wiedersehen,
halte Gott Dich im Frieden seiner Hand.
Irischer Segenswunsch

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