„Hausbesuche waren ja nicht üblich“

06.08.2018 · Pfarrer i.R. Hans Frederking wird 90 / Liebevolle Erinnerungen an viele besondere Menschen in Hattingen

Man braucht Zeit für ein Gespräch mit Hans Frederking. Nicht nur, weil er in seinem langen Leben so unendlich viel erlebt hat. Oder weil er ein unterhaltsamer Chronist des vergangenen Jahrhunderts und der Kirchengeschichte in Hattingen ist. Sondern weil sein Gedächtnis offenbar nichts vergisst - und was er nicht mehr ganz genau weiß, das hat er irgendwann zwischen dem Kauf des ersten Computers (1999) und des dritten Computers, der dann natürlich auch einen Internet-Zugang hatte (2008), aufgeschrieben. Und kann es flugs nachschlagen. Hans Federking war Pfarrer in St. Georg, wurde 1993 in den Ruhestand verabschiedet und lebt seither in Soest. Und stände es nicht schwarz auf weiß in der Excel-Tabelle, die er zur Vorbereitung auf das Interview geschickt hat - man würde es nicht glauben: Am Montag, 6. August, feiert der rüstige Senior seinen 90. Geburtstag.

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Hans und Erika Frederking. Der Pfarrer i.R. feiert jetzt seinen 90. Geburtstag. Foto: Privat.

„Es gibt wirklich viele Menschen und Ereignisse, an die ich gerne zurückdenke“, eröffnet der in Rhoden geborene Pfarrer das Gespräch. 1965 kam er gemeinsam mit Ehefrau Erika, ebenfalls eine studierte Theologin, nach Hattingen. Zuvor hatte das Ehepaar mit den drei Kindern in Dortmund-Hörde gelebt und gearbeitet. „Doch für die Kinder war es nicht gerade optimal, im Zechenstaub aufzuwachsen.“ Die erste Pfarrstelle in St. Georg, die heute sein Nachfolger Udo Polenske innehat, bot genau die Umgebung, die sich das Ehepaar zum Leben und Arbeiten vorstellte. Und: Hier trafen die Frederkings auf Menschen, denen sie sich für die folgenden Jahrzehnte verbunden fühlen konnten – teilweise bis zum heutigen Tag.

Der ehemalige Küster, Walter Scherbening, war so jemand. „Das war der erste hilfreiche Mensch, den ich in Hattingen kennengelernt habe“, erinnert sich Hans Frederking mit erkennbarer Wärme in der Stimme. Als eine der ersten Aktivitäten wollte der damals 37-jährige Pfarrer mit den Katechumenen hinauf auf den Kirchturm steigen. Lebendig, wie er das heute erzählt, kann man sich die Abenteuerlust des noch jungen Theologen gut vorstellen. „Es war eine Riesen-Gaudi.“ Doch das Treppenhaus war eng, steil und mit einer unerwarteten Falle – denn im Nachkriegsdeutschland der Sechziger trugen die Mädchen natürlich Röcke. „Küster Schebening sorgte dafür, dass die Mädchen hinter den Jungen gingen, damit alles schicklich blieb“, erzählt Pastor Frederking.

Auch bei der Jahresstatistik unterstützte der Küster „seinen“ Pfarrer – indem er sich bei den katholischen Geschwistern kurzerhand zwei so genannte „Beichtzähler“ ausborgte und im Gottesdienst unauffällig mitzählte, viele Männer und Frauen zum Abendmahl gingen.

Gemeinsam mit seinem Jugendsekretär (und späteren Pastor) Karl-Heinrich Knoch und dem Presbyter und Finanzkirchmeister Alfred Weigelt leitete Pfarrer Frederking die Gemeinde und führte so manche Veränderung ein, die zur damaligen Zeit auch für Verwirrung sorgte. So beschloss er etwa, alle Gemeindeglieder ab 70 Jahren daheim zu besuchen. „Die Leute waren sehr überrascht, das war ja nicht üblich damals“, erinnert sich Frederking. Und so mancher antwortete erst einmal skeptisch  „Wir kaufen nichts.“

Bis heute ist der pensionierte Pfarrer rege interessiert, was in seiner ehemaligen Heimat Hattingen so passiert. Eins der drei Kinder lebt bis heute in der Ruhrstadt; zudem telefoniert Frederking noch regelmäßig mit seinem mittlerweile 93-jährigen Freund Weigelt. Und er freut sich sichtlich, dass noch Spuren seines Wirkens ganz praktisch in St. Georg zu finden sind: „Bis heute liegt ein langer Artikel von mir in der Kirche, den ich über die Kirchenfenster, die Glocken und den Kirchturmhahn geschrieben habe.“ Und auch über die Arbeit seiner Nachfolger ist er noch immer auf dem Laufenden – er liest regelmäßig den gemeinsamen Gemeindebrief der Innenstadtgemeinden. Natürlich als pdf  in der Online-Version. Vermutlich auf Computer Nummer vier. J

Möge die Straße Dir entgegeneilen.
Möge der Wind immer in Deinem Rücken sein.
Möge die Sonne warm auf Dein Gesicht scheinen
und der Regen sanft auf Deine Felder fallen.
Und bis wir uns wiedersehen,
halte Gott Dich im Frieden seiner Hand.
Irischer Segenswunsch

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