Gute Wünsche und Tütensuppe zum Neuanfang

11.02.2018 · Gemeinde und Altenheim in Herbede verabschieden sich von Pfarrer Andreas Herzog

Wer hätte gedacht, dass ein 37-jähriger vor allem ein Altenheim vermissen wird? Wenn der beliebte Theologe Andreas Herzog am 1. März in den Kirchenkreis Soest zieht, lässt er – einer „gesplitterten Stelle“ geschuldet - manches zurück: Die Menschen in der Kirchengemeinde Herbede, ein engagiertes Ehrenamtsteam in der Notfallseelsorge – und eben die Altenheimseelsorge im katholischen Josefshaus im Ortskern. Dort leben natürlich auch viele protestantische Senioren – doch es sind vor allem das motivierte Pflegeteam und der Leiter des Sozialen Dienstes, Michael Nagel, die den Gemeindepfarrer stets tief beeindruckt haben: „Wenn ich mal alt bin, will ich so einen Sozialarbeiter!“ Darum verwundert es auch nicht, dass Andreas Herzog nicht nur am heutigen Sonntag im Gemeindegottesdienst verabschiedet wurde, sondern am vergangenen Freitag im Beisein der Superintendentin Julia Holtz auch im Josefshaus.

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Eine letzte Predigt noch in der Herbeder Kirche – dann lässt die Gemeinde ihren Pfarrer Andreas Herzog (Mitte) ziehen.

Was ihm sicher nicht fehlen wird, das sei der Lärm an der Ardeystraße. „Da machst Du nicht mal eben das Fenster auf, wenn es im Sommer zu warm ist“, schmunzelt Andreas Herzog, der schon 2012 als Vikar in den Kirchenkreis kam, zunächst in Sprockhövel eingesetzt war und seit Juli 2015 in Witten  wohnt. Das Pfarrhaus in Niederbörde, das er demnächst mit Frau und dem fast dreijährigen Sohn bewohnen wird, liegt eher ländlich. „Ein paar Meter von der Kirche und von der Dorfkneipe entfernt – die hat aber zur zweimal pro Woche geöffnet.“ Deutlich ruhiger – und landschaftlich flacher wird es werden. „Da sieht man die Gäste dann schon kommen und kann schon mal Kaffee aufsetzen.“

Was aber vor allem den Ausschlag zum Wechsel gegeben hat, ist die Tatsache, dass der Kirchenkreis Soest bereit war, ihm eine volle Stelle in einer neu fusionierten Gemeinde anzubieten. „Ich hatte hier mit meinen zwei halben Stellen immer das Gefühl, dass ich beidem nie gerecht werde“, bedauert der Perfektionist. Egal, wie sehr er sich für Gemeinde und die schlecht zu planende Notfallseelsorge auch eingesetzt habe: „Der Schreibtisch blieb immer voll.“ Ein Schicksal, das Herzog in Zeiten knapper werdender Kassen auch mit anderen teilt, denn die Gemeindegliederzahl  gibt den Ausschlag über die Pfarrstellen; auf jeweils 2700 Menschen kommt derzeit im Kirchenkreis ein Seelsorger in Vollzeit.

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Kommt in Herbede die Gemeinde zusammen, gibt es oft Eintopf – weshalb Andreas Herzog oft schmunzelnd von einer „Suppengemeinde“ sprach. Eine Tütensuppe und ein Kochbuch mit „Pastoralen Suppen“ war daher ein treffendes Geschenk von seiner Pfarrkollegin Ute Wendel.

Doch die Notfallseelsorge lag Andreas Herzog ebenfalls sehr am Herzen, wie er im Interview mit Soester Journalisten verriet. Bei einem schweren Unfall mit zwei Toten auf der A1 war er vor Jahren als Rettungsassistent im Einsatz und erlebte dabei, wie ein Notfallseelsorger dem Unfallverursacher in dieser schweren Stunde beigestanden habe. „Das war total faszinierend und hat mich tief bewegt.“ Der Entschluss, Theologie zu studieren, hat für den „nicht kirchlich sozialisierten“ jungen Mann anschließend nicht mehr lange auf sich warten lassen. „Ich wusste plötzlich ganz genau, was ich wollte.“

Die Notfallseelsorge wird aber in seinem neuen Arbeitsumfeld zunächst einmal keine Rolle spielen. „Und das“, so Andreas Herzog, „ist auch gut so. Halbwegs geregelte Arbeitszeiten lernt man als Familienvater zu schätzen.“

 

Text und Fotos: Nicole Schneidmüller-Gaiser

Möge die Straße Dir entgegeneilen.
Möge der Wind immer in Deinem Rücken sein.
Möge die Sonne warm auf Dein Gesicht scheinen
und der Regen sanft auf Deine Felder fallen.
Und bis wir uns wiedersehen,
halte Gott Dich im Frieden seiner Hand.
Irischer Segenswunsch

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