Der Opa hat es früh geahnt…

02.10.2018 · Auf Umwegen kommt Thorsten Goedtke als Prädikant zur Verkündigung

Der Opa hat es früh geahnt. „Tach, Herr Pastor“, so lautete die liebevolle Begrüßung des kleinen Thorsten durch seinen Großvater – obwohl die Familie Goedtke alles andere als fromm war. Woher die Faszination für die Religion eigentlich kam – der heute 49-jährige Wittener kann es selber gar nicht sagen. „Aber wenn die anderen Jungs mit ihren Matchbox-Autos gespielt haben, hab ich mir eine Wolldecke umgehängt und meinen Teddybären Geschichten aus meiner Kinderbibel erzählt.“ 45 Jahre später predigt er endlich vor Menschen aus Fleisch und Blut – als frisch gesegneter Prädikant in der Johanniskirchengemeinde in Witten. „Für mich ist ein Lebenstraum in Erfüllung gegangen.“

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Die Erinnerung an seine Einsegung durch Superintendentin Julia Holtz bewegt Thorsten Goedtke bis heute.

„Der Herr tut nichts als fügen, fügen, fügen.“  Wenn Superintendentin Julia Holtz richtig damit liegt, dass Gott für jeden von uns einen Auftrag hat, wie sie es bei der Beauftragung des neuen Prädikanten sagte – dann hat er sich mit der Umsetzung dieses Auftrages bei Thorsten Goedtke ziemlich viel Zeit gelassen. Denn öffentliche Verkündigung und Sakramentsverwaltung standen nicht zur Debatte, als sich Thorsten Goedtke mit der Mittleren Reife in der Tasche an der höheren Handelsschule anmeldete. „Irgendwas musste man ja machen“, grübelt er noch heute, warum zwar Koch eine Alternative für ihn gewesen wäre – aber keineswegs Pfarrer.

Balsam für die Seele

Dabei hat Goedtke noch heute ein Glitzern in den Augen, wenn er von seiner Konfirmandenzeit erzählt: „Ich bin da total gerne hingegangen, habe alles aufgesogen, was ich zu hören bekam“, war der Konfi-Unterricht keineswegs Pflicht für den Jugendlichen. Vor allem die Geschichten des Neuen Testaments sprachen ihn tief im Herzen an: „Am Ende gibt es da immer Trost, man bleibt nicht allein.“  Für ein Scheidungskind mit drei Geschwistern und einer alleinerziehenden Mutter  Balsam für die Seele. „Bei uns gab es zwar Fisch an Karfreitag und einen Gottesdienstbesuch an Weihnachten – aber ansonsten waren wir ja keine Kirchgänger.“

 

Vielleicht war es tatsächlich ein göttlicher Plan, dass Thorsten Goedtke als Erwachsener dann zwar als Buchhalter bei den Zahlen landete – aber nach seiner kaufmännischen Ausbildung im Diakoniewerk Ruhr landete. So war das Kreuz irgendwie immer in der Nähe – und leuchtete für ihn, als er es brauchte.

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Und dann war es endlich soweit: Die erste Predigt vor der Gemeinde. Ein großer Augenblick für Thorsten Goedtke.

Predigten, die von Mut, Kraft und Vertrauen handeln

Wenn er erzählt, wie der unbewusste Wunsch, sich mehr mit Religion und Verkündigung  zu beschäftigen, dann zu einer konkreten Idee wurde, wird Thorsten Goedtke ganz leise. Eine persönliche Kränkung führte dazu, dass Thorsten Goedtke nicht nur Trost in privater Spiritualität suchte, sondern sich in im Presbyterium der Christusgemeinde in Bochum-Langendreer engagierte. „Und da kriegte ich mit, dass es eine kirchliche Zusatzausbildung zum Diakon gibt.“

 

Die Bewerbung war schnell geschrieben, und die Zusage kam prompt – doch wieder hatte Gott seinen ganz eigenen Plan mit Thorsten Goedtke. Ein schwerer Unfall führte zur Unterbrechung der Ausbildung, und eine schwere Krankheit als Folge des Verkehrsunfalls warf den angehenden Prädikanten noch einmal zurück. Zumindest zeitlich – denn nun dauerte es deutlich mehr als ein Jahr, bis er endlich eingesegnet werden konnte. Menschlich hat ihn diese Zeit geprägt, und das spürt man in der Anteilnahme, die Thorsten Goedtke ausstrahlt und in den kraftvollen Predigten, die von Mut und Trost, von Kraft und Vertrauen handeln. Er hat vieles erlebt, manches Schwere durchgemacht – und ist vielleicht gerade deshalb so authentisch.

 

Die Ausbildung zum Prädikanten umfasst vor allem das „Handwerkszeug“: Wie läuft ein Gottesdienst ab, wie ist das Gesangbuch aufgebaut, wie bewegt man sich im Altarraum. „Ich habe während der Ausbildung mal eine Stunde lang eine leere Kirche gesegnet“,   erinnert sich Thorsten Goedtke lachend. Und gesteht: „Predigten schreiben ist harte Arbeit für mich.“ Sein Mentor, Pfarrer Christian Holtz, hat ihn bei diesem Teil der Ausbildung eng begleitet – und freut sich nun, nach dem Einsegnungsgottesdienst, auch darüber, einen ehrenamtlichen Kollegen zu bekommen. „Als Prädikant kann ich im kompletten Kirchenkreis eingesetzt werden, doch ein Schwerpunkt liegt in der Johannisgemeinde und im Krankenhaus, wo ich auch schon Gottesdienste gehalten habe.

 

Die Erinnerung an seine Einsegnung bewegt Thorsten Goedtke noch heute. „Das war der emotionalste Moment meines Lebens.“ Vor seine Predigt musste er erst einmal ein paar Tränen wegwischen, so berührt war er vom „Ja“ der Gemeinde und den Worten der Superintendentin. „Für mich hat sich ein Lebenstraum erfüllt.“ Kein Zweifel: Hier hat sich etwas gefügt…!

   Von Nicole Schneidmüller-Gaiser   

Möge die Straße Dir entgegeneilen.
Möge der Wind immer in Deinem Rücken sein.
Möge die Sonne warm auf Dein Gesicht scheinen
und der Regen sanft auf Deine Felder fallen.
Und bis wir uns wiedersehen,
halte Gott Dich im Frieden seiner Hand.
Irischer Segenswunsch

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