Mit kleinen Gesten Beistand in schweren Stunden

22.10.2018 · Patientenbegleitung: Seit 15 Jahren an der Seite der Patienten

In einem „perfekten“ Krankenhaus müsste es sie vielleicht nicht geben. Das weiß auch Kevin Strenger, Leiter der Pflege im Evangelischen Krankenhaus in Hattingen. „Doch für die Krankenschwestern und –pfleger ist es oft schwierig, sich die Zeit für einen einzelnen Patienten zu nehmen“, räumt er nachdenklich ein – und überreicht den Damen und Herren von der „Patientenbegleitung“ Blumen und Grüße von der Geschäftsführung. Seit 15 Jahren schließen die derzeit insgesamt 27 Frauen und Männer eine Lücke, die im Wirtschaftsbetrieb Krankenhaus wohl nur ehrenamtlich zu stopfen ist: Die seelsorgliche Begleitung von Menschen, die auf eine Operation warten, eine schwere Behandlung erhalten und gesund werden wollen. „Wie Sie sich der Patienten annehmen, das finde ich bereichernd und beeindruckend“, lobt der Pflegedienstleiter - und spendiert im Namen der Geschäftsführung gleich auch noch Kuchen und Musik für die Feierstunde, zu der Krankenhausseelsorger Wilfried Ranft eingeladen hat.

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Grüne Damen Ev Hattingen: Für ihre langjährige Mitarbeit gab es einen Extra-Strauß Blumen: (v.l.n.r.): Christel Feger (15 Jahre), Christa Blümer (15), Horst Borbe (10 Jahre, Lotsendienst), Bärbel Ziolkowsky (15), Marlene Köhnen (5), Krankenhaus-Seelsorger Pfarrer Wilfried Ranft und Gisela Niemke (15 Jahre).

Es sind wohl die kleinen Gesten, die am besten beschreiben, wie wichtig die „Grünen Damen und Herren“ für viele Patienten sind. Wer je ans Bett gefesselt war, weiß, wie lang ein Tag ohne Besuch sein kann, wie sehr man sich über ein Gespräch freuen kann, oder wie wertvoll es ist, wenn jemand etwas zu lesen vorbeibringt oder sogar vorliest. Patientenbegleiter stehen den Patienten bei, wenn diese auf eine Untersuchung warten müssen oder besorgen aus dem Kiosk eine kleine Leckerei, die der Seele guttut. „Nichts davon ist medizinisch notwendig, wir machen nichts Pflegerisches - aber es trägt natürlich zum Wohlbefinden des Patienten bei“, betont Pfarrer Wilfried Ranft.

Nicht so einfach wie beim Bergdoktor

Beim „Bergdoktor“ in der gleichnamigen  ZDF-Serie ist immer alles ganz einfach: Die Patienten haben immer einen Angehörigen, der sich spätestens nach einer ernsten Ansprache durch den Arzt um den Kranken kümmern. Die Diagnose ist schnell gestellt, keine noch so ungewöhnliche Erkrankung bleibt lange vor dem erfahrenen Auge des attraktiven TV-Mediziners verborgen. Und selbst, wenn die Patienten fast immer ins Koma fallen oder mit dem „Defi“ reanimiert werden müssen – nach 45 Minuten ist die Welt wieder in Ordnung und der Patient auf dem Weg nach Hause oder zumindest auf dem Weg der Besserung.

Das echte Leben funktioniert so leider eher selten. Allein mehr als 40 Krebsarten machen die Diagnose und Behandlung oft zu einer langwierigen Suche nach der berühmten „Nadel im Heuhaufen“. Krankheiten wie Alzheimer oder Demenz sind gar nicht heilbar – man muss lernen, mit ihnen zu leben. Der Krankenhausalltag ist streng getaktet und ökonomisch optimiert; der Pflegenotstand auf so mancher Station sorgt noch zusätzlich dafür, dass Patienten in dieser schwierigen Situation niemanden zum Reden haben.

Besuch nur für die, die ihn wollen

„Unsere ehrenamtlichen Mitarbeiter gehen über die Stationen und fragen im Stationszimmer oder auch bei den Patienten selber nach, wer besucht werden möchte“, betont Wilfried Ranft, dass niemand gegen seinen Willen besucht wird. Die Kernzeit der Patientenbegleiter liegt dabei werktags zwischen neun und 13 Uhr – an den Wochenenden bekommen die Patienten, wenn es gut läuft, Besuch von Angehörigen oder Freunden.

Die meisten Ehrenamtlichen kommen einmal pro Woche – bei einer durchschnittlichen Verweildauer von nur noch fünf Tagen sind die Patienten in der Regel schon wieder entlassen, wenn der nächste Dienst ansteht. „Das ist eine emotionale Herausforderung für die Ehrenamtlichen“, weiß Seelsorger Wilfried Ranft. In kürzester Zeit entsteht oft eine große Nähe; die Patientenbegleiter müssen trösten und Halt geben, sie erleben die Ängste der Patienten oft unmittelbar mit.

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Als kleines Dankeschön gab es neben Blumen und Kuchen auch noch ein Ständchen, gesungen von Pfarrer Wilfried Ranft und Ehefrau Jutta.

Fortbildung und Halt durch die Gruppe

Monatliche Gruppentreffen, regelmäßige Gespräche mit dem Krankenhauspfarrer und natürlich Fortbildungen helfen den Helfenden bei ihrer anspruchsvollen Tätigkeit. Gesprächsführung und Kommunikation, Handfestes wie Hygiene oder die Zusammenarbeit mit den Krankenhausstationen und Spezialthemen wie etwa der Umgang mit Demenzkranken sind dabei Themen, die in regelmäßigen Schulungen angeboten werden.

Beim gemeinsamen Kaffeetrinken herrscht eine fröhliche, sehr vertraute Atmosphäre – man ahnt, dass diese Gruppe zusammenhält und dass die Ehrenamtlichen trotz der ernsthaften Arbeit, die sie leisten, gut für sich sorgen und sich wohlfühlen. Und das seit 15 Jahren. Respekt!

 

Übrigens: Den Namen „Grüne Damen“ verdanken die Ehrenamtlichen ihrer Dienstkleidung, die in den Krankenhäusern einheitlich grün ist.

Möge die Straße Dir entgegeneilen.
Möge der Wind immer in Deinem Rücken sein.
Möge die Sonne warm auf Dein Gesicht scheinen
und der Regen sanft auf Deine Felder fallen.
Und bis wir uns wiedersehen,
halte Gott Dich im Frieden seiner Hand.
Irischer Segenswunsch

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