„Polterabend des Glaubens“

Himmelfahrt ist vorbei, Pfingsten steht bevor: Wenn wir den Kirchenkalender zugrunde legen, bewegen wir uns an diesem Sonntag gewissermaßen „zwischen den Zeiten“. Für mich Gelegenheit, um einmal grundsätzlich über die großen kirchlichen Feste nachzudenken; nicht traditionell, sondern „quer“ in ihren biographischen Bezugspunkten.

Beginnen wir mit Weihnachten: Das Fest der Liebe, das große Familienfest, das Fest der Geburt Jesu und somit auch ganz allgemein das Fest von Geburt, Neuanfang, beginnendem Leben, freilich auch von Gefährdung und Rettung, und das Fest der Verheißungen, die auch über unserem Leben liegen. Sinnenfälliger Ausdruck in der Lebensgeschichte von Christen ist das Ritual der Taufe, die nach wie vor bei den meisten Christen am Lebensanfang steht.
Wenn wir in der lebensgeschichtlichen Verankerung christlicher Feste fortschreiten, gelangen wir zu Himmelfahrt: Jenseits der märchenhaften Verkleidung in der Erzählung des Lukas beschreibt Himmelfahrt die Erfahrung der Jünger, dass sie nun ohne Jesus, damit selbstverantwortet ihren Glauben leben und ihr Leben gestalten müssen. So betrachtet ist Pfingsten das Fest der Mündigkeit, in kirchlichen Zusammenhängen der Religionsmündigkeit, das die evangelische Kirche mit der Konfirmation lebensgeschichtlich begleitet.

 


(Inwieweit dieses emanzipatorische Element ausgerechnet durch wandernde und trinkfreudige Legionen den Vatertag feiernder Männer repräsentiert wird, sei einmal dahingestellt.J)

 


Als nächstes Pfingsten: Traditionell als Geburtstag der Kirche gefeiertes Fest der Ausgießung des Heiligen Geistes, ist ein anderer Bezugspunkt naheliegender: Die Apostelgeschichte erzählt davon, wie sich Gottes Geist mit den Herzen der verunsicherten Jünger vereinte und ihnen Mut gab, ihren Glauben zu artikulieren und ihren Weg zu gehen. Auch hier gibt es einen lebensgeschichtlichen Bezugspunkt: Die Hochzeit und kirchliche Trauung und vergleichbare Riten, durch die Menschen, die in einer bestimmten Lebensphase Bindungen eingehen oder sich neuen Herausforderungen stellen, die Begleitung durch Gottes Geist zugesprochen wird.

Und schließlich Karfreitag und Ostern: Hier vergegenwärtigen sich Christen Christi Tod und Auferstehung als Hoffnung ihres Glaubens allen Kreuzeserfahrungen zum Trotz. Karfreitag und Ostern stehen somit für die Hoffnung entgegen allen Abschieden; und immer, wenn Christen im Rahmen einer Trauerfeier einen geliebten Menschen zu Grabe tragen, klingt in der Botschaft die Verheißung mit durch: Da kommt noch was. Der Tod hat nicht das letzte Wort.
Auch wenn sich die zeitliche Abfolge dieser Feste in diese Verortung nicht einreiht – da war die alte Kirche vor der konstantinischen Wende dichter dran, als das Weihnachtsfest noch in den Frühling zwischen Ostern und Himmelfahrt fiel – ist es bemerkenswert, wie stark die kirchlichen Feste auf weichenstellende Lebensereignisse Bezug nehmen.

 


Nun gut, diesen Sonntag „Exaudi“ („Höre“) ‚zwischen Mündigkeit und Vermählung‘ könnten wir daher mit ein wenig Fantasie vielleicht als „Polterabend des Glaubens“ bezeichnen; und uns damit ermutigen lassen, ihn in der gottgegebenen Freiheit des Glaubens auch entsprechend zu begehen: Überraschen wir unsere Lieben doch einfach mal mit etwas Verrücktem; entführen wir sie zu einem unerwarteten Ausflug oder Abenteuer oder – völlig verrückt – gehen wir mit ihnen in die Kirche. Vielleicht sogar an diesem Sonntag der ökumenischen Gebetswoche für die Einheit der Christen in die der anderen Konfession!

 

Arne Stolorz

Möge die Straße Dir entgegeneilen.
Möge der Wind immer in Deinem Rücken sein.
Möge die Sonne warm auf Dein Gesicht scheinen
und der Regen sanft auf Deine Felder fallen.
Und bis wir uns wiedersehen,
halte Gott Dich im Frieden seiner Hand.
Irischer Segenswunsch

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