Faulsein ist wunderschön

„Faul sein ist wunderschön! Denn die Arbeit hat noch Zeit. Wenn die Sonne scheint und die Blumen blühn, ist die Welt so schön und weit!“

Pippi Langstrumpf singt dieses Lied, das Mädchen aus den Büchern von Astrid Lindgren, die ich als Kind verschlungen habe und die ich später dann mit meinen Töchtern als Filme angeguckt habe. Ich kann es übrigens heute noch mit singen und dann tauchen jedes Mal die Bilder vor mir auf von dem Mädchen mit den roten Zöpfen, das lieber mit seinem Pferd durch die Straßen reitet und in der Hängematte liegt, als in die Schule zu gehen und zu lernen. Pippi ist frei, frech und faul, für sie ist faul sein schöner als der Fleiß. Das klingt verlockend, kann aber für uns irgendwie nie gelten. Wir habenkeinen Piratenkapitän als Vater, sondern leben in so genannten geordneten Verhältnissen. Als Kind lernte ich von den Erwachsenen: „Ohne Fleiß kein´ Preis!“ „Erst die Arbeit, dann das Vergnügen!“. Und das bedeutete: Erst Hausaufgaben machen, Zimmer aufräumen, Klavier üben und dann erst spielen, toben, Freundinnen treffen, ins Kino gehen.

 

Bis heute steckt diese Erziehung tief in mir drin. Vielleicht auch in Ihnen. Faul sein kann ich gar nicht gut. Ich arbeite viel im Beruf und Zuhause, bin Mutter und Ehefrau, engagiere mich ehrenamtlich, treibe ein bisschen Sport. Ich leiste eine ganze Menge, ich könnte mich auch ruhig mal hinsetzen und faul sein. Aber irgendwie fällt mir immer wieder etwas ein, was ich noch machen müsste: Schnell noch eine Maschine Wäsche waschen, den Dachboden aufräumen, schon mal für den nächsten Urlaub im Internet recherchieren  und … und … und … Irgendwie ist es toll, immer was zu tun zu haben, immer geschäftig zu sein und das nach außen auch zu demonstrieren. Schließlich entscheidet das nicht selten über Ansehen und Wichtigkeit. Über Menschen, die in unseren Augen faul sind, rümpfen wir eher die Nase.

Dabei kann Faulsein wirklich nicht nur wunderschön sein, sondern notwendig und Muße haben gut tun. Und nicht nur das: Wir brauchen die Zeiten, in denen wir uns einfach treiben lassen, in denen wir unsere Ansprüche ablegen und lustvoll nichts tun, schon gar nicht das, was andere von uns erwarten.

 

In der Bibel wird dazu eine spannende Geschichte erzählt: Jesus besucht eines Tages die Schwestern Maria und Martha in Bethanien. Beide freuen sich sehr, dass er bei ihnen zu Gast ist und mit ihm ganz viele Menschen in ihr Haus kommen. Martha überlegt nicht lange, sondern konzentriert sich ganz auf ihre Aufgaben als Gastgeberin. In gewohnter Manier knetet sie Teig, schnippelt Gemüse und freut sich auf den Moment, wenn dann alle zusammen am Tisch sitzen, essen und reden. Irgendwann fällt  ihr auf, dass ihre Schwester nicht zu sehen ist. Sie findet Maria bei Jesus. Sie sitzt neben ihm, hört ihm zu. Kein Wort will sie verpassen von den Geschichten, die ihre Seele aufatmen lassen. Martha ärgert das, weil sie sich mit den Pflichten allein gelassen fühlt. Sie mahnt das an, doch Jesus sagt: “Weißt du Martha, du hast viel Sorge und Mühe. Aber nicht das Viele ist wichtig im Moment, nur Eins. Das, was Maria tut.“

Ich glaube, dass Martha auch eine tiefe Sehnsucht in sich trägt, einfach nur zur Ruhe zu kommen, stille zu werden, zu lauschen, aufzutanken. Aber sie hat sich das nicht zugestanden, sondern hinaus geschoben.

 

Es gibt Zeiten, da ist diese Muße angesagt, einfach faul sein, Arbeit Arbeit sein lassen, Hören und Staunen wie die Sonne scheint, die Vögel singen und die Blumen blühn, der Sehnsucht Raum geben, alles stehen und liegen zu lassen und einfach nur „sein“.

Annette Krüger

Möge die Straße Dir entgegeneilen.
Möge der Wind immer in Deinem Rücken sein.
Möge die Sonne warm auf Dein Gesicht scheinen
und der Regen sanft auf Deine Felder fallen.
Und bis wir uns wiedersehen,
halte Gott Dich im Frieden seiner Hand.
Irischer Segenswunsch

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