Auch eine bessere Welt fängt klein an

28.05.2021 – Mathilda und Paula verändern die Welt – Schritt für Schritt

Als es das Virus noch nicht gab, sind die heute 13-jährige Paula und ihre 11-jährige Schwester Mathilda wie alle anderen Kinder auch zur Schule gegangen, sie haben viel draußen gespielt und gebaut und sich ihren Hobbys gewidmet. Paula hatte Gesangsunterricht, der zurzeit wenigstens online stattfindet, und Mathilda tanzte Hiphop im Tanzstudio, was in der Pandemie ausfallen musste. Mit Beginn der Pandemie hatten die beiden Mädchen plötzlich viel freie Zeit. Da kam das Weihnachtsgeschenk von der Patentante ihres sechsjährigen Bruders Jakob genau richtig.

Mathilda und Paula verkaufen selbst hergestellte Dinge für einen guten Zweck.

„101 einfache Wege, die Welt zu retten“, lautet der Titel eines Buches, das Paula bekommen hat. Da sie gerade viel Muße zum Lesen und Nachdenken hatte, erzählte sie ihrer Schwester von dem Buch. Die beiden waren fasziniert, mit welch kleinen Dingen jeder etwas dafür tun kann, dass die Welt besser wird. Sie haben entschieden, direkt damit anzufangen und Spenden zu sammeln, um anderen zu helfen. Aber was konnten sie schon tun, wo alles geschlossen war und die Kontakte auf wenige Menschen beschränkt waren?

 

„Als erstes haben wir Karten und Armbänder gebastelt“, erzählt Paula. Aber die Ideen aus dem Buch ließen sie nicht los. Schließlich wollte sie die Welt nicht nur mit Geld, sondern ganz konkret retten und die Menschen anregen, nachhaltiger zu leben.

 

„Wir haben dann Vogelfutter selbst hergestellt und Seife.“ Mathilda weiß noch genau, dass es lange dauerte, bis die Seife fertig war. Sie haben Kernseife geraspelt und zum Schmelzen gebracht, Kokosfett hinzugetan, damit die Seife angenehm für die Haut wird, und Salz. Das Ganze wurde vermengt und musste zwei Wochen trocknen. Aber vorher wurden noch Kreise und Herzen aus der Masse geformt, das Auge seift und kauft schließlich mit. Die Idee zu der Seife haben die beiden in einem Buch gefunden, das ihre Mutter sich angeschafft hat, nachdem ihre Mädchen sie mit den Gesprächen über Nachhaltigkeit neugierig gemacht hatten.

 

„In dem Buch stand auch, wie man Frischhaltetücher mit Bienenwachs macht“, verrät Paula, denn solche Tücher liegen nun ebenfalls auf dem Verkaufstisch im Gemeindehaus der evangelischen Kirchengemeinde Winz-Baak. In der Mitte eine Spendendose, denn wegen Corona und überhaupt können die Mädchen ja nicht immer anwesend sein, wenn jemand ins Gemeindehaus kommt, was derzeit ohnehin selten der Fall ist. Aber irgendwann wird es wieder möglich sein, sich in der Gemeinde zu treffen. Dann kaufen die Mitglieder der Gemeinde wieder was, da sind sich Paula und Mathilda sicher.

Im Gemeindehaus der evangelischen Kirche Winz-Baak haben Paula und Mathilda einen Verkaufstisch dekoriert.

Eine erste Spende konnten sie bereits übergeben. Die ging an einen Tierschutzhof in der Nachbarschaft, der von dem Geld Futter kaufte für die alten Pferde, die dort leben. Als Dank durften Mathilda und Paule die Pferde besuchen und konnten so hautnah erleben, wie diese sich über ihre Spende gefreut haben.

 

Die nächsten Spenden sollen an das Kinderhospiz Bethel und das Tierheim in Bochum gehen, das ist schon klar. „Aber wir warten noch, bis wir etwas mehr Geld zusammen haben“, sagt Mathilda. Schließlich möchten die beiden, dass das Geld nicht einfach auf ein Spendenkonto kommt, sondern davon etwas gekauft wird, das man sehen, anfassen oder wie im Tierschutzhof aufessen kann.

 

Während die beiden darauf warten, dass endlich wieder Leben in ihr Leben kommt und sie aktiv ihre Sachen verkaufen können, haben sie keine Langeweile. Da ist natürlich die Schule, die vor allem über das Ipad stattfindet, und der Garten, in dem sie jetzt wieder bauen und spielen können. Außerdem haben beide gerade Ideen für Bücher. Mathilda spukt eine Geschichte über eine verrückte Schwester im Kopf herum und Paula denkt über ein Sachbuch nach, in dem sie beschreibt, was man tun kann, um die Welt ein kleines bisschen besser zu machen.

 

Sie haben schon einen großen kleinen Beitrag dazu geleistet, durch ihre Aktion und dadurch, dass sie ihre Eltern auf das Thema aufmerksam gemacht haben. Gemeinsam suchen sie nach Wegen, Plastik zu ersetzen, durch Bambus- statt Plastik-Zahnbürsten zum Beispiel. Im Supermarkt wird immer die Ware ausgewählt, die am wenigsten Plastikverpackung hat. Die Eltern freuen sich, dass ihre Kinder sich so viele Gedanken machen und unterstützen das gerne. Nachdem inzwischen beide Mädchen Vegetarierinnen sind, haben auch sie ihren Fleischkonsum reduziert und kaufen dieses nun in einer Bio-Metzgerei. „Seit Paula und Mathilda sich mit dem Thema Nachhaltigkeit beschäftigen, ist auch bei uns das Bewusstsein gewachsen“, bestätigt Anna Heimann und man merkt ihr an, dass sie stolz darauf ist, dass ihre Kinder sich Gedanken über die Welt machen. Eine bessere Welt fängt immer klein und oft mit den Kleinen an, die in diesem Fall mit 13 und 11 Jahren natürlich nicht mehr klein sind.

Text und Fotos: Dr. Birgit Ebbert

Möge die Straße Dir entgegeneilen.
Möge der Wind immer in Deinem Rücken sein.
Möge die Sonne warm auf Dein Gesicht scheinen
und der Regen sanft auf Deine Felder fallen.
Und bis wir uns wiedersehen,
halte Gott Dich im Frieden seiner Hand.
Irischer Segenswunsch

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