Der Weg ist des Pfarrers Ziel

30.03.2021 – Mutmacher: Martin Funda lädt zur Wanderseelsorge statt zum Hausgespräch

Was tun, wenn sich Beruf und Schutz vor dem Virus widersprechen? Pfarrer Martin Funda aus Sprockhövel ist nicht der Typ, der sich von einer solchen Zwickmühle beeinträchtigen lässt. Er denkt über neue Wege nach und bietet statt eines Gesprächs am Schreibtisch oder auf der Couch an, gemeinsam eine Runde durch den Wald zu gehen.

Der Pfarrer ist gut vorbereitet für die Wanderseelsorge in der Elfringhauser Schweiz.

„Ich habe schon immer einen Teil meiner Arbeit in der Natur erledigt, was bisher nur Insider wussten“, erklärt Martin Funda seine Idee. Ob Predigten oder Vorträge, ob Konzepte oder Artikel, was andere im stillen Kämmerlein ersinnen, entsteht beim Pfarrer auf Spaziergängen in und um seine Heimatstadt.

 

„Ich habe bis Corona nur drei Predigten überhaupt aufgeschrieben“, verrät der Pfarrer, eine davon war sogar erst nachträglich notiert, weil sie während des Studiums doch schriftlich eingereicht werden musste. Er sieht sich mit seinem Ansatz in guter Gesellschaft, schon zu Zeiten von Aristoteles entstanden die besten Gedanken im Gehen und Wandern, was diesen Philosophen die Bezeichnung Peripatetiker eintrug, nach dem Wandelgang, „Peripatos“, in dem sie denkend und diskutierend unterwegs waren.

"Lasst uns zusammen spazieren gehen und reden..."

Für die Mitglieder der Kirchengemeinde Bredenscheid-Sprockhövel ist es nicht nur, aber gerade in Zeiten, in denen Abstand lebenswichtig sein kann, ein Glück, dass ihr Pfarrer auf Aristoteles Spuren wandelt. Als der zweite Lockdown die Menschen erneut zwang, zu Hause zu bleiben und die Kontakte auf ein Minimum zu reduzieren, bot Martin Funda an: „Lasst uns zusammen spazieren gehen und dabei über Gott, die Welt und das Leben reden. Wir können etwas sagen, schweigen, eine Entdeckung machen, wieder sprechen, widersprechen, was immer uns einfällt.“ Offiziell würde man diesen Austausch wohl seelsorgerliches Gespräch nennen, aber da gibt es doch immer Menschen, die der Begriff fernhält, weil sie ihre Sorgen für zu klein halten oder Seelsorge so bedeutsam klingt. Mit dem Herrn Pfarrer im Wald unterwegs zu sein, das ist etwas Anderes. In der Natur fühlen sich die meisten Menschen wohl, das ist sicheres Terrain, dort kommen einem Weltschmerz oder Alltagssorgen leichter über die Lippen. Da trauen sich auch jene, die sonst nicht so kirchenaffin sind, im Pfarrhaus anzurufen, um einen Termin zu vereinbaren.

Für Pfarrer Martin Funda ist gerne zum Denken und Beraten im Wald unterwegs.

Und Martin Funda ist froh. In der Pandemie ist ein Großteil dessen, was vor der Pandemie seinen Alltag ausgemacht hat, weggefallen. Es gibt keine Krabbelgottesdienste und keine Kinder-Konfis; alles, was er sonst für Familien und Kinder von der Geburt bis in die Grundschulzeit anbietet, fällt aus. Das gilt auch für Kirchenmusik. Natürlich kann sich der Pfarrer in die leere Kirche stellen und Geige spielen, schließlich war er vor seinem Theologiestudium fast 20 Jahre lang Geigenlehrer an der Musikschule Hattingen und hat auch sonst musikalisch einiges geleistet.

 

Aber für jemanden, der gerne mit Menschen umgeht und Freude daran hat, andere zu unterstützen und ihnen schöne Momente zu bescheren, ist das nicht genug. Deshalb freut Funda sich über die Resonanz auf seinen Aufruf und die Rückmeldungen aus der Pfarrei und darüber hinaus. Es gibt schon jetzt „Wiederholungstäter“, die sich gleich wieder hinten in die Liste für Termine eingereiht haben.

 

Eine Altersbeschränkung nach oben oder unten gibt es für die Gespräche nicht. Das erste Treffen fand mit einer 83-jährigen Frau statt, die zwei Stunden lang mit Martin Funda über Stock und Stein gewandert ist – und nicht immer war er derjenige, der sich auf Pfade abseits der offiziellen Spazierwege wagte. „Wer am Ende stärker ausgepowert war, könnte ich nicht sagen“, gibt der Pfarrer zu. Solche Querfeldein-Abenteuer liegen ihm besonders, aber er ist offen: „Wenn wir gemeinsam unterwegs sind, wirkt auch der Weg: auf einem Trampelpfad hintereinander, nebeneinander auf festen Wirtschaftswegen, auf sicherem Boden oder beschwerlich durch unbekanntes Terrain, quer durchs Gebüsch, den rechten Weg verlassen, eine Abkürzung suchen oder einfach treiben lassen. “

 

Parallelen zum Leben des Pfarrers

Was Martin Funda über das Wandern sagt, erinnert ein wenig an sein Leben. Nach dem Abitur hatte er große Pläne und wollte wie so viele schnell fort aus seiner Heimatstadt. Eine Krankheit durchkreuzte seine Pläne und es taten sich andere, unerwartete Möglichkeiten auf. Die Stelle als Geigenlehrer in Hattingen band ihn zwar an die Ruhr und das Städtchen mit dem mittelalterlichen Flair. Doch er sah das als Chance, gründete mit politisch Gleichgesinnten die Grüne Partei in Hattingen, mit Musikfreunden das Hattinger Caféhaus-Ensemble und mit politisch und musikalisch Interessierten die Musikkabarettgruppe Skiffella Hattingensis, die mit ihren acht Programmen der Zeit voraus war. Heute hat er sich mit seiner Heimatstadt, in der er nach seinem Theologiestudium eine Gemeinde übernommen hat, versöhnt. Er liebt die Natur und die Wälder in der Gegend und freut sich, dass er mit seinen Seelsorge-Wanderungen, die gar nicht so genannt werden wollen, weitere Anlässe findet, auf Schusters Rappen in der Elfringhauser Schweiz unterwegs zu sein und den Weg zum Ziel zu machen.

Text: Dr. Birgit Ebbert

Möge die Straße Dir entgegeneilen.
Möge der Wind immer in Deinem Rücken sein.
Möge die Sonne warm auf Dein Gesicht scheinen
und der Regen sanft auf Deine Felder fallen.
Und bis wir uns wiedersehen,
halte Gott Dich im Frieden seiner Hand.
Irischer Segenswunsch

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