„Einfach mal reden…“

07.06.2021 – Telefon-Partnerschaften: Kirchenkreis will Menschen miteinander verbinden

„An manchen Tagen ist der Paketbote, der für die Nachbarn klingelt, der einzige Mensch, mit dem ich spreche.“ „Wenn die Pflegerin der Diakoniestation gegangen ist, wird es still in meiner Wohnung.“ „Die Kinder sind berufstätig, haben ihr eigenes Leben. Wir telefonieren nur hin und wieder.“ Sätze, bei denen man die Einsamkeit derjenigen spürt, die sie sagen. „Es gibt verschiedene Gründe, warum sich die Zahl der Kontakte irgendwann im Leben reduziert“, weiß Marianne Funda, Pfarrerin im Evangelischen Kirchenkreis Hattingen-Witten. Der Tod des Partners / der Partnerin, eine längere Krankheit, körperliche Beeinträchtigungen. In der Gemeinde bemühen sich z.B. Besuchsdienste, mit diesen Menschen in Kontakt zu bleiben – nun will der Kirchenkreis mit einem neuen Projekt ein zusätzliches Angebot aufbauen: „Einfach mal reden.“ Und das hat auch, aber nicht nur mit der Pandemie zu tun.

Die Idee ist so simpel wie überzeugend: Zwei Menschen, die sich vorher gar nicht kannten, werden „Telefon-Partner“. „Wir suchen jetzt zunächst einmal Ehrenamtliche, die ein bis zwei Personen telefonisch „besuchen“ wollen“, erläutert Marianne Funda. Gleich im Anschluss an die Sommersynode, bei der die Idee am 12. Juni der kirchlichen Öffentlichkeit vorgestellt werden soll, gehen Pfarrerin Funda und Superintendentin Julia Holtz medial in die Offensive. „Wir haben Großflächenplakate gebucht, unsere Gemeinden schreiben alle unverheirateten Menschen über 60 an und wir verteilen Handzettel über die Diakoniestationen“, zählt Julia Holtz auf.

Inmitten der Pandemie klingt das logisch, doch für die Superintendentin war schon vorher offensichtlich, dass in der Seelsorge ein wichtiger Baustein fehlt. „Im Rahmen einer Visitation der Altenseelsorge im Kirchenkreis haben wir bereits 2019 festgestellt, dass wir mit unseren gemeindlichen Angeboten die aktiven Senioren gut in unseren Gemeinden erreichen.“ Leben sie später im Altenheim, dann kümmern sich speziell ausgebildete Altenheimseelsorger um die Menschen. „Doch in den Jahren dazwischen erreichen wir viele einfach nicht mehr.“

Diese Lücke soll „Einfach mal reden“ nun schließen helfen. Marianne Funda betont: „Melden kann sich jeder, man muss nicht evangelisch sein – weder als Ehrenamtlicher, noch als Besuchter.“

Im Aktionszeitraum 14. bis 25. Juni hat der Kirchenkreis gemeinsam mit der Creativen Kirche eine Hotline freigeschaltet, unter der sich jede und jeder melden kann, die an Telefonkontakten interessiert ist – sowohl Kontakt Suchende als auch potentielle Ehrenamtliche, die sich informieren möchten.

Funda, ehemalige Frauenreferentin und erfahrene Seelsorgerin, wird die Freiwilligen anschließend schulen. „Wichtig ist, dass die Ehrenamtlichen gut zuhören können und respektieren, dass der Angerufene die Themen setzt.“ Ob also über das Wetter geplaudert, das Lieblings-Kochrezept ausgetauscht oder über Persönliches geredet wird, entscheidet ganz allein der Angerufene. „Außerdem ist Zuverlässigkeit eine wichtige Voraussetzung.“ Die Telefon-Partner verabreden einen festen Wochentag, zu dem sie miteinander telefonieren wollen – unnötiges Warten sollte vermieden werden.

Viel Empathie braucht Marianne Funda, um die „richtigen“ Menschen zusammenzubringen. Wenn das gelingt, entdecken die Telefon-Partner vielleicht schon bald Gemeinsamkeiten und es entwickeln sich Gespräche, die für beide Seiten bereichernd sein können.

Corona und die Ausgangsbeschränkungen haben, wie in anderen Bereichen des Lebens, bestehende Probleme auch in der Seelsorge deutlich gemacht – aber nicht geschaffen. „Einsamkeit war schon vor der Pandemie ein Thema – und wird es auch nachher bleiben“, weiß Pfarrerin Julia Holtz. Deutlich wurde aber auch schon während des ersten Lockdowns vor einem Jahr, dass es gar nicht so einfach ist, gute Ideen an den Mann und an die Frau zu bringen. „Im vergangenen Jahr haben alle unsere Gemeinden Einkaufshilfen angeboten – aber kaum jemand nutzte dieses Angebot.“

Erfahrungen aus anderen Kirchenkreisen, in denen es schon Telefon-Besuchsdienste gibt, haben die Verantwortlichen ermuntert, mit „Einfach mal reden“ an die Öffentlichkeit zu gehen. Die Vorfreude ist bei allen Beteiligten zu spüren - auch die Theologinnen freuen sich auf das Projekt. Und müssen in der Bibel nicht lange nach einem „Auftrag“ suchen: „Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei“ heißt es schon im 1. Buch Mose – auch, wenn es im Paradies noch kein Telefon gab.

 

Info-Kiste:

Alle Informationen auf einen Blick:

Das Aktionstelefon „Einfach mal reden“ des Evangelischen Kirchenkreises ist in der Zeit vom 14. bis 25. Juni 2021 montags bis freitags zwischen 10 und 18 Uhr besetzt. Die Hotline-Nummer lautet 02302/ 28 222 44.

Nach Ende des Aktionszeitraumes hat der Besuchsdienst folgende Kontaktdaten: Telefon: 0173 / 590 16 37; Mail:

Bildergalerie

Möge die Straße Dir entgegeneilen.
Möge der Wind immer in Deinem Rücken sein.
Möge die Sonne warm auf Dein Gesicht scheinen
und der Regen sanft auf Deine Felder fallen.
Und bis wir uns wiedersehen,
halte Gott Dich im Frieden seiner Hand.
Irischer Segenswunsch

Cookie Hinweis
Wir verwenden Cookies an drei Stellen: Erstens zur Einstellung der Schriftgröße, damit Sie nicht auf jeder Seite die Schriftgröße neu wählen müssen, zweitens im Internen Bereich, damit Sie sich nicht auf jeder Seite dieses Bereichs neu einloggen müssen und drittens mit dem Ziel, diesen Cookie-Hinweis nicht auf jeder Seite neu anzuzeigen. Dies sind technisch notwendige Cookies und dienen nicht zum Erfassen von Nutzerdaten. Ein Tracking Ihres Besuchs per Cookie findet nicht statt.
Siehe auch unsere Datenschutzerklärung
Akzeptieren & schließen