„Es war ein Traumberuf“

16.07.2019 – Gemeinde- und Kreiskantor Hans Wilfrid Richter in den Ruhestand verabschiedet

„Es war ein Traumberuf.“ Wenn sich ein Berufsleben in vier Worten zusammenfassen lässt und damit alles gesagt ist, dann muss es wirklich ein solcher Beruf gewesen sein, den Hans Wilfrid Richter ausgeübt hat. 32 Jahre war er Gemeinde- und Kreiskantor in Annen. Nun ist er in den Ruhestand verabschiedet worden.

Pfarrer Claus Humbert hielt die Predigt des letzten Gottesdienstes, an dem sich Hans Wilfrid Richter für die Musik verantwortlich zeichnete. Foto: Christian Lukas

Hätte er für seinen letzten Gottesdienst Kilometergeld erhalten, wäre da sicher ein erkleckliches Sümmchen zusammengekommen. Dass es im Rahmen seines Verabschiedungsgottesdienstes viel Musik geben würde, das war klar. Aber auch die Fitness war gefragt. So saß er, wie es sich für einen ausgebildeten Kirchenmusiker gehört, an der Orgel, eilte hinab zum Altarraum, um den Chor Peace & Salvation zu dirigieren, verschwand wieder auf der Empore, spielte Orgel, eilte herab, um nun den so genannten Chor am Vormittag zu dirigieren und irgendwann trat auch noch der Singkreis auf. „Das sind die drei zurzeit existierenden Chöre der Gemeinde“, erzählt er. Aber es hat immer wieder auch andere Projekte gegeben, immer wieder hat Richter etwas Neues ausprobiert; Höhepunkte seiner Arbeit aber möchte er gar nicht benennen. „Die Arbeit mit den Kindern im Kindergarten“, doch, die will er nicht unbenannt lassen. Die hat ihm immer einen besonderen Spaß gemacht. Was man am Verabschiedungssonntag seinem Lächeln ansah, als ein kleiner Chor des Kindergartens der Friedenskirche dem Kantor zum Abschied ein Ständchen in der Erlöserkirche brachte. Da durfte er sich dann einmal zurücklehnen und einfach nur zuhören – ohne selbst dirigieren oder spielen zu müssen.

 

Dass er mal im Ruhrgebiet landen würde – hätte er nicht gedacht. Gebürtig stammt Hans Wilfrid Richter eigentlich aus Darmstadt. Studiert hat er in Esslingen, dann verschlug es ihn nach Ahrensburg bei Hamburg, wo er sieben Jahre als Kirchenmusiker arbeitete. Seine Frau studierte zu dieser Zeit noch in Hamburg und eigentlich gefiel ihm der Norden. „Ich mag die Mentalität, das Land, die Ruhe.“ Dann erhielt seine Frau jedoch ein berufliches Angebot aus Hagen. „Und wie das manchmal so ist: In solchen Fällen kommt der Zufall ins Spiel.“ Er lernte Gerolf Jacobi kennen, seinerzeit Landesmusikdirektor und Leiter des bekannten Dortmunder Bachchores. „Der sagte zu mir, ich solle mich mal in Annen bewerben, dort würde wohl jemand gesucht.“

Bei seinem letzten kreiskirchlichen Einsatz auf der Sommersynode wurde Hans Wilfrid Richter bereits von Superintendentin Julia Holtz verabschiedet. Foto: niki

Was folgte, nennt Hans Wilfrid Richter eine schicksalshafte Begegnung. „Das war's. Eine Liebe auf den ersten Blick.“ Mit der Gemeinde. Aber auch mit Annen, wo man ihn bald über die Kirchmauern hinaus kannte.  Aus Schleswig-Holstein hat er das Silvesterkonzert mitgebracht. „Silvesterkonzerte haben im Norden eine lange Tradition und in Ahrensburg hatte ich diese Konzerte von meiner Vorgängerin quasi geerbt. Als ich dann der Gemeinde in Annen den Vorschlag unterbreitete, so etwas doch auch hier in Witten zu machen, war man erst sehr skeptisch und gar nicht so begeistert“, schmunzelt er. Wer würde denn schon zu einem Silvesterkonzert kommen? Nun, zum ersten Konzert kamen mehr als 100 Besucher und inzwischen haben über 30 dieser Konzerte stattgefunden. Da spricht man dann wohl inzwischen von einer Tradition.

 

Nicht nur die zurzeit drei Chöre traten im Rahmen des Abschiedsgottesdienstes auf. Auch der Instrumentalkreis intonierte ein Allegro und ein Adagio von Guiseppe Samartini. Die Erlöserkirche, die einst bewusst als ein Klangraum erbaut wurde, ihre Akustik ist weit über Annen hinaus bekannt, wird in Zukunft auf die Dienste Hans Wilfrid Richters verzichten müssen. Nicht nur, weil er eben in den Ruhestand verabschiedet worden ist. Wer einmal in einem solchen Beruf gearbeitet hat, geht bekanntlich nie so ganz und es gibt ja immer wieder Gründe für eine Rückkehr auf den Stuhl des Organisten. Urlaubsvertretung, Krankheitsvertretung, vielleicht ein Projekt, das man macht, weil man es machen will und jetzt endlich die Zeit hat. Doch Hans Wilfrid Richter schüttelt mit einem Lächeln den Kopf. „Wir werden unseren Ruhestand an der Ostsee genießen“, erzählt er. Nach Eckernförder werden er und seine Frau ziehen. Zurück nach Schleswig-Holstein. „Es geht dort etwas weniger hektisch zu, es ist ein guter Ort, um den Tag zu genießen.“ Nicht zu groß, aber auch nicht zu klein. Und sicher wird es dort eine Gemeinde geben, die irgendwann spitzkriegen wird, wer da zugezogen ist und sicher mal eine Urlaubsvertretung braucht...

Möge die Straße Dir entgegeneilen.
Möge der Wind immer in Deinem Rücken sein.
Möge die Sonne warm auf Dein Gesicht scheinen
und der Regen sanft auf Deine Felder fallen.
Und bis wir uns wiedersehen,
halte Gott Dich im Frieden seiner Hand.
Irischer Segenswunsch

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