Fasziniert vom Mikrokosmos Krankenhaus

06.05.2019 – Stephan Happel ist der neue Seelsorger im Ev. Krankenhaus Witten

Krankenhaus-Serien gehen immer. Ob Schwarzwald-Klinik oder In aller Freundschaft, Grey´s Anatomy oder die historische Serie um die Berliner Charité – der Mikrokosmos Krankenhaus hat auf viele Menschen eine besondere Faszination. Nicht nur im Fernsehen. Vielleicht war es ja diese besondere Mischung aus Struktur und Flexibilität, aus dramatischen Momenten, glücklichen Heilungen und existenziellen Entscheidungen, die auch den jungen Stephan Happel Anfang der 1980er Jahre ansprach. Nach seinem Zivildienst im Klinikum war für den Pfarrerssohn aus Minden klar: „Ich will unbedingt Krankenhaus machen.“ Fast vier Jahrzehnte, ein Theologiestudium und ein ganzes Stück Leben später verbringt Stephan Happel immer noch einen großen Teil seiner Zeit im Hospital – und wird jetzt als neuer Pfarrer auf der 4. Kreispfarrstelle – Seelsorge im Evangelischen Krankenhaus in Witten eingeführt.

Einführung des neuen Krankenhauspfarrers Stephan Happel (r.) durch Superintendentin Julia Holtz (7. v. l.). Foto: Evangelisches Krankenhaus Witten.

Ärztinnen, Pfleger und Servicekräfte sind nicht die einzigen, die sich im Krankenhaus um Patientinnen und Patienten kümmern. „In meinem Zivildienst war ich dem Krankenhaus-Pfarrer zugeordnet“, erinnert sich der mittlerweile 58-Jährige an seine Anfänge im Klinik-Alltag. „Zu meinen Aufgaben gehörte es, die Patienten zu fragen, wer zum Gottesdienst gehen möchte. So fing alles an…“

Krankenpflege wäre Plan B gewesen

Das Theologie-Studium, zunächst in Münster, später in Heidelberg, war die erste Option nach dem Zivildienst. „Mein Plan B wäre Krankenpflege gewesen“, denkt Stephan Happel zurück und lässt dabei den Blick aus dem Fenster seines neuen Büros in der 7. Etage an der Pferdebachstraße schweifen. Viel Zeit, die grandiose Aussicht zu genießen, hat der Theologe eigentlich nicht. „Meine Präsenszeit ist täglich zwischen 9 und 16 Uhr – und da bin ich meistens auf den Stationen unterwegs. Am Morgen nimmt er an mehreren Tagen zunächst an der Besprechung mit der onkologischen Station teil – die Onkologie und die Palliativstation sind sein hauptsächliches Einsatzgebiet; in den Besprechungen erfährt er, welcher Patient eine schlechte Diagnose bekommen hat oder vor einer anstrengenden Behandlung steht.

Auch im Zimmer der Pflegenden erfährt der Pfarrer, wo sein Besuch helfen könnte. Es stört ihn nicht, dass er zu keiner der anderen Berufsgruppen im Krankenhaus gehört – Stephan Happel fühlt sich als Teil des Ganzen und hat doch gleichzeitig eine innere Distanz: Zwar ist sein Arbeitsplatz das Krankenhaus, doch eingestellt ist er beim Kirchenkreis; seine Chefin ist Superintendentin Julia Holtz. Die Redewendung „Nicht Fisch, nicht Fleisch“ passt dennoch nicht, denn der zugewandte und engagierte Theologe hat durchaus Interesse daran, die theologische Ausrichtung des Krankenhauses mitzugestalten – und er sucht sich seinen Platz im Haus jeden Tag und in jedem Gespräch aufs Neue: „Ich versuche immer auf Augenhöhe mit demjenigen zu sein, mit dem ich gerade zu tun habe…“

Stephan Happel. Foto: Privat

Strukturen schafft sich der Seelsorger täglich selber

Vorgegebene Strukturen „braucht“ Stephan Happel dabei nicht – er schafft sich welche. Dabei hilft haben ihm nach eigener Einschätzung noch immer die Erfahrung, die er während seines Vikariats bei der Telefonseelsorge in Dortmund-Hörde machte. „Dieser besondere Dienst ist so toll und professionell – ich kann mir gut vorstellen, nach dem Berufsleben dort einzusteigen.“ Innerhalb einer vorgegebenen Struktur immer wieder flexibel und situativ auf den Menschen einzugehen, der gerade einen Ansprechpartner braucht – das ist eine besondere Herausforderung an Seelsorge. In der Gemeinde hat ein Pfarrer für Beziehungsarbeit Zeit von der Taufe bis zur Trauung, manchmal gar bis zur Beerdigung. „Hier im Krankenhaus gibt es eine Gemeinde bei Gelegenheit“, beschreibt der Seelsorger. „Manche Begegnung ist nur kurz und bleibt einmalig; bei chronisch Kranken, die immer wieder zur Behandlung ins Krankenhaus kommen, kann die Begegnung aber durchaus auch über einen längeren Zeitraum gehen.“

Dabei legt der neue Seelsorger im 300-Betten-Haus großen Wert darauf, niemanden missionieren zu wollen. „Ich helfe einfach  Menschen in extrem belastenden Situationen bei der Suche nach ihren Kraftquellen – für viele ist das der Glaube, obwohl es ihnen gar  nicht immer bewusst ist“, beschreibt er sich als „Repräsentant von Kirche in der Arbeitswelt.“

Fast 40 Jahre Krankheit und Sterben, aber auch Heilung und Erleichterung – wie schafft man es, dabei selber gesund zu bleiben? Stephan Happel verrät: „Ich singe seit 52 Jahren im Chor, ich schwimme sehr viel und gehe gern ins Theater und ins Kino.“ Doch vor allem habe er gelernt, „die Dinge im Krankenhaus zu lassen.“ Sein persönliches Feierabend-Ritual: „Bevor ich nach Hause fahre, gehe ich immer in die Kapelle und bete. Dadurch gebe ich die Menschen bei Gott ab“.

Möge die Straße Dir entgegeneilen.
Möge der Wind immer in Deinem Rücken sein.
Möge die Sonne warm auf Dein Gesicht scheinen
und der Regen sanft auf Deine Felder fallen.
Und bis wir uns wiedersehen,
halte Gott Dich im Frieden seiner Hand.
Irischer Segenswunsch

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