„Hoffnung muss wachsen – vom langen Weg zur Freude“

04.04.2021 – Osterbotschaft der Superintendentin Julia Holtz, Ev. Kirchenkreis Hattingen-Witten

Das zweite Osterfest im Lockdown. Ich erinnere mich noch genau, wie unwirklich sich das für mich letztes Jahr anfühlte, dass es an Ostern keine Gottesdienste geben sollte. Für mich persönlich gibt es kein anderes Fest im Jahr, an dem ich den Gottesdienst so dringend brauche wie zu Ostern.

Die Dorfkirche in Wengern

Die Christvesper am 24. Dezember ist natürlich auch immer Kult und für viele ein echtes Muss. Aber für den Heiligen Abend gibt es eine Menge anderer Traditionen und Rituale, die diesen Abend zu etwas Besonderem machen, dass man notfalls auch ohne Gottesdienst spürt, dass Weihnachten ist.

Das Osterfest stellt uns vor größere Herausforderungen. Eigentlich ist es das wichtigere der beiden Feste. Geboren wird schließlich jeder, auferstanden ist nur einer. Ohne Ostern wäre Weihnachten nicht mehr als ein Kindergeburtstag.

Aber dadurch wird es auch schwerer zu begreifen. Geburtstag feiern wir schließlich alle. Das kennen wir aus unserem Alltag. Auferstehung dagegen ist unbegreiflich, die Vorstellung widerspricht all unseren Erfahrungen.

Nach mehr als einem Jahr Pandemie, nach schier endlosen Zeiten der Einsamkeit und der Isolation, nach nervenzehrendem Homeschooling und Homeoffice und nach schlaflosen Nächten, die viele hatten, für die dieser Lockdown existenzbedrohend ist, gehen mir die locker flockigen Osterwünsche nur schwer über die Lippen. „Fröhliche Ostern“ – das heißt nicht einfach „Alles ist gut“!

IN den vergangenen Monaten habe ich oft gedacht, dass wir es uns lange zu einfach gemacht haben, wenn wir in unserer Kirche nur vom „Lieben Gott“ gesprochen haben. So richtig und so wichtig das ist, dass unser Gott ein Gott der Liebe ist, so unvollständig und einseitig wird diese Aussage, wenn wir uns nicht trauen, auch die andere Seite zu benennen.

In dieser stillen, bleiernen Zeit haben sich viele gefragt: „Wo ist Gott jetzt? Ich spüre ihn nicht, ich kann in dieser Pandemie seine Liebe nicht erkennen.“ Er schien verborgen.

Superintendentin Julia Holtz

Der Reformator Martin Luther kannte diese schreckliche Verborgenheit Gottes und hat unter ihr gelitten. Er nannte das lateinisch „deus absconditus“, der verborgene Gott, im Gegensatz zum „deus revelatus“, dem offenbaren, hellen, gnädigen Gott. Diese dunkle Seite des „deus absconditus“ gehört auch zum Leben und sie ist ein Teil der Wirklichkeit Gottes. Die Erfahrungen mit Corona haben das deutlich gezeigt.

Die Bibel spricht immer wieder davon, dass Gott auch straft, dass sich sein Zorn auf sein Volk ergießt und dass er sich abwendet. Dieser Gedanke ist für uns nur sehr schwer auszuhalten, aber, wenn wir redlich mit der Bibel umgehen, dürfen wir ihn nicht verschweigen.

Und vielleicht hilft er uns auch, dieses zweite Osterfest in der Pandemie besser zu ertragen. Das Gefühl der Verlassenheit kennen wir mittlerweile wohl alle und diesen Nebel, der sich über manche Tage legt, wenn wir überhaupt nicht einschätzen können, wie lange das noch so weitergeht.

So muss sich das in den Tagen nach dem Tod Jesu für all die angefühlt haben, die mit ihm nach Jerusalem gewandert waren. Für die war eine Welt zusammengebrochen. Sie waren tief enttäuscht und völlig verunsichert.

Das leere Grab am Ostermorgen hat den Schalter nicht einfach umgelegt. So von null auf hundert in wenigen Sekunden, da macht die Seele in aller Regel nicht mit. Wenn wir uns den ältesten Osterbericht ansehen, den die Bibel uns überliefert, dann wird das deutlich spürbar. Nachdem die drei Frauen das leere Grab gesehen haben und dem Engel begegnet sind, brechen sie nicht in Begeisterungsstürme und Freude aus. Im Gegenteil, bei Markus heißt es dann:

Da flohen die Frauen aus dem Grab und liefen davon. Sie zitterten vor Angst und sagten niemandem etwas, so sehr fürchteten sie sich. (Markus 16,8)

Ehrlich gesagt, in Zeiten wie diesen finde ich das sehr tröstlich. Diese Frauen waren tief traurig und seelisch erschöpft und konnten auch nicht sofort in Jubel ausbrechen. Ich glaube, sie konnten das alles gar nicht wirklich fassen. So wie es uns oft auch geht – nicht nur an Ostern.

Die Hoffnung, die Freude und die Zuversicht, sie sind erst langsam zurückgekommen. Nachdem der Auferstandene sich ihnen gezeigt hatte, nachdem sie mit den anderen Jüngern darüber gesprochen hatten, da dämmerte es ihnen langsam: hier ist etwas ganz Großes geschehen. Das Vertrauen zu Gott musste langsam wieder wachsen, aber es trägt uns seit 2.000 Jahren.

Ich wünsche Ihnen von Herzen, dass Sie etwas davon in den Ostertagen spüren, dass Sie Zuversicht und Freude erleben, sich an den vielen kleinen Zeichen des neu erwachenden Lebens freuen können, die wir in diesen Tagen überall entdecken können. Jede Knospe und jedes frische Grün weist uns darauf hin, dass Gottes Liebe zu uns letztlich stärker ist als der Tod und dass seine helle, uns zugewandte Seite am Ende die Erfahrung des Verlassen seins überstrahlt.

In diesem Sinn: frohe Ostern, der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden.

 

Die Videobotschaft der Superintendentin können Sie sich auch herunterladen. Einfach hier klicken.

Möge die Straße Dir entgegeneilen.
Möge der Wind immer in Deinem Rücken sein.
Möge die Sonne warm auf Dein Gesicht scheinen
und der Regen sanft auf Deine Felder fallen.
Und bis wir uns wiedersehen,
halte Gott Dich im Frieden seiner Hand.
Irischer Segenswunsch

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