„Regenfälle haben Existenzen zerstört – und uns mit unserer Zerbrechlichkeit konfrontiert“

22.07.2021 – Kirchengemeinden in Hattingen-Witten blieben vom Hochwasser überwiegend verschont / Superintendentin Julia Holtz fühlt mit den Betroffenen / Glockengeläut am Freitag als Zeichen der Solidarität mit den Opfern der Flutkatastrophe

„Dass wir in Deutschland bei einer Hochwasserkatastrophe einmal so viele Tote zu beklagen haben, hätte ich mir bis vor kurzem nicht vorstellen können.“ Julia Holtz, Superintendentin im Evangelischen Kirchenkreis Hattingen-Witten, ringt um Worte. Betroffen spricht die Pfarrerin aus, was wohl viele gerade empfinden: „Bilder von derartigen Überschwemmungen kannte ich bisher nur aus dem Fernsehen, aus anderen Teilen der Welt.“

Der Campingplatz an der Tippelstraße (Niederwenigern) wurde überschwemmt; ein umgebauter Bauwagen der Kirchengemeinde, den die Naturgruppe des Kindergartens am Kempel an der Ruhr betreibt, wurde geflutet, aber nicht weggeschwemmt.

Und auch, wenn Witten, Wetter und Hattingen im Vergleich zu anderen Regionen im Land wohl noch „glimpflich“ davongekommen sind, so weiß die Theologin doch, welch großes Leid die Flutkatastrophe vom 14. Juli über die Menschen gebracht hat – auch hier bei uns in der Region.

Nur wenige Stunden dauerte es am Mittwoch der vergangenen Woche, um das Leben so vieler Menschen in unserem Kirchenkreis, in unserer Nachbarstadt Hagen und an so vielen Orten in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz zu verändern. Nicht enden wollender Regen verwandelte Rinnsale in reißende Bäche, Straßen in Flüsse, die Ruhr in eine Seenplatte und Häuser in Trümmer. Die Folgen, die das Unwetter in NRW und Rheinland-Pfalz angerichtet hat, sind verheerend – und bislang kaum zu beziffern. Mehr als 150 Menschen haben mindestens durch die Katastrophe ihr Leben verloren, Dutzende gelten noch als vermisst. An den Straßen türmt sich der Müll; viele Keller und Erdgeschosswohnungen, Ladenlokale und Werkstätten, die von den Wassermassen überflutet wurden, sind bereits durch die Flutopfer, und durch viele, viele Helferinnen und Helfer leergeräumt. Die Berge lassen nur erahnen, wieviel die Menschen verloren haben.

Die vergangenen Tage hat die Superintendentin damit zugebracht, sich einen Überblick über die Situation in den Gemeinden zu verschaffen. Auch wenn kirchliche Gebäude weitestgehend verschont geblieben sind, gibt es natürlich Menschen in den Gemeinden, die durch das Hochwasser schwer getroffen sind. „Die sintflutartigen Regenfälle haben Existenzen zerstört und uns auf brutale Weise mit der Zerbrechlichkeit unserer gewohnten Sicherheit konfrontiert.“

Die normalerweise sanft plätschernde Elbsche in Wetter-Wengern jedoch schleppte auf ihrem Weg ins Tal Steine und Geröll mit und überflutete u.a. den alten Dorfkern – drang jedoch wie durch ein Wunder nicht in die Dorfkirche (im Hintergrund) hinein.

Während sich im Nachbarkirchenkreis Hagen unvorstellbare Wassermassen in den engen Tälern sammelten und dort zerstörerisch mit sich rissen, was im Weg stand, hatte die Ruhr in ihrem breiten Tal deutlich mehr Platz, sich auszubreiten. Die normalerweise sanft plätschernde Elbsche in Wetter-Wengern jedoch schleppte auf ihrem Weg ins Tal Steine und Geröll mit und überflutete u.a. den alten Dorfkern – drang jedoch wie durch ein Wunder nicht in die Dorfkirche hinein. Der Campingplatz an der Tippelstraße (Niederwenigern) wurde überschwemmt; ein umgebauter Bauwagen der Kirchengemeinde, den die Naturgruppe des Kindergartens am Kempel an der Ruhr betreibt, wurde geflutet, aber nicht weggeschwemmt. „Es muss wohl nur der Boden des Wagens ausgetauscht werden, wofür sich schon Helfer*innen gefunden haben“, zeigt sich Pfarrer Ludwig Nelles vorsichtig optimistisch.

In Rüdinghausen stand der gesamte Keller des Gemeindehauses unter Wasser – die Jugendetage ist dank des beherzten Eingreifens mehrerer Gemeindeglieder inzwischen wasserfrei und auch hier konnte Schlimmeres verhindert werden.

Die Pfarrerinnen und Pfarrer im Kirchenkreis sind gerade überall im Einsatz, um den Menschen beizustehen und Trost zu spenden. „Am Freitag habe ich den ganzen Tag eine Tour durch alle Einsatzorganisationen gemacht“, erzählt Notfallseelsorger Oliver Gengenbach, der sich auch um die Helfenden bei den Feuerwehren, beim DRK, der ASB und beim DLRG kümmert, die zum Teil übermenschliches leisteten. Eine wichtige Aufgabe, wie auch Superintendentin Julia Holtz betont: „Es ist jetzt für alle wichtig, die Trauer und das Entsetzen nicht zu verdrängen. Wir dürfen, ja wir sollen unsere Verzweiflung aussprechen, nicht nur untereinander, sondern auch Gott gegenüber.“

Berührt ist Superintendentin Julia Holtz von der großen Hilfsbereitschaft, die sich in den vergangenen Tagen auf so vielfältige Art und Weise gezeigt hat. Menschen packen an, helfen einander, spenden Lebensmittel und Kleidung. Und viele wollen noch mehr tun. So hat die Kirchengemeinde Johannis in Witten spontan ein Benefizkonzert auf die Beine gestellt – am kommenden Sonntag (25. Juli) wird die Wittener Sängerin Dagmar Linde zusammen mit Organistin Niona Aristova ab 18 Uhr zugunsten der Flutopfer in der Johanniskirche (Bonhoefferstraße 10) auftreten.

Als Zeichen der Solidarität wird sich die Johanniskirche, wie auch die Kirchengemeinde Bredenscheid-Sprockhövel und viele andere Gemeinden im Kirchenkreis auch, an einer Aktion beteiligen, zu der die Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen, Annette Kurschus, aufgerufen hat: Am Freitag, 23. Juli, werden um 18 Uhr die Glocken als Zeichen der Verbundenheit mit den Opfern der Hochwasserkatastrophe läuten; die Gemeinden gestalten kurze auch Andachten. (Liste unten, wird fortlaufend ergänzt)

„Die Hilfsbereitschaft der Menschen ist groß und ich bin schon mehrfach gefragt worden, ob wir im Kirchenkreis gezielt Spenden für die Flutopfer sammeln.“ Die beiden evangelischen Landeskirchen im Rheinland und in Westfalen tun dies gemeinsam mit unserem Diakonischen Werk. Dort wird das Geld zentral gesammelt und schnell und unbürokratisch an die Betroffenen weitergeleitet. Wer spenden möchte, dem empfehle ich dieses Konto:

Per Überweisung:
Empfänger: Diakonisches Werk Rheinland-Westfalen-Lippe e.V. – Diakonie RWL
IBAN: DE 79 3506 0190 1014 1550 20
Stichwort: Hochwasser-Hilfe

Oder online unter www.kollekte-online.de/hochwasser

Betroffene, die Unterstützung benötigen, wenden sich bitte an ihren Pfarrer, ihre Pfarrerin oder die Kirchengemeinde.

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Möge die Straße Dir entgegeneilen.
Möge der Wind immer in Deinem Rücken sein.
Möge die Sonne warm auf Dein Gesicht scheinen
und der Regen sanft auf Deine Felder fallen.
Und bis wir uns wiedersehen,
halte Gott Dich im Frieden seiner Hand.
Irischer Segenswunsch

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