Damit niemand verloren geht

28.05.2021 – Mit ihren Zoom-Calls bietet Andréa Hugo einen Halt in der Unsicherheit

Seit sie sich erinnern kann, engagiert sich Andréa Hugo für andere Menschen. Ihr macht es Freude, anderen einen Halt und Lebensfunken zu geben und sie dabei zu unterstützen, Gott als stärkende Kraft in sich zu spüren. Schon zwei Jahre vor Beginn der Pandemie hat sie mit ihrem Mann das Programm „Im Glauben wachsen“ initiiert. Ziel der Initiative war es, Menschen auf dem Weg eine Möglichkeit zu geben, sich bei Workshops, beim gemeinsamen Essen zubereiten u.a., mit anderen über die Welt, das Leben, den Glauben und Perspektiven für ein Miteinander auszutauschen. Einmal im Monat wurde in der Wittener Trinitatis-Gemeinde gemeinsam gekocht, gesungen, gelacht, gebetet und gedacht. Den Teilnehmenden boten diese drei Stunden an einem Samstag Struktur und für manche auch ein Highlight in der Einsamkeit, im Alltag auf der Suche nach Gemeinschaft.

Mit ihrem Glauben und ihrer Fröhlichkeit gibt Andréa Hugo anderen Menschen Halt.

Als diese Begegnungen im ersten Lockdown nicht mehr stattfinden konnten, war die offene  Kirche, die Andréa Hugo gemeinsam mit der Gemeindeschwester am Mittwoch und Sonntag anbot, eine Alternative. Nicht dasselbe, aber immerhin eine Möglichkeit, sich auszutauschen, zusammen zu beten und gemeinsam kreativ zu sein. Wer wollte, bekam einen Segen und vor allem hatte jeder das Gefühl, nicht alleine zu sein und vertraute Menschen zu treffen.  Mit dem zweiten Lockdown fielen auch diese Begegnungen weg. Ausgerechnet in der dunklen Jahreszeit und der Weihnachtszeit, die ohnehin emotional berührt und Erinnerungen an schöne Momente der Gemeinsamkeit wachruft. Andréa Hugo fiel auf, dass manch einer sich auf die Suche nach einem Ersatz machte. Manche entfernten sich weit vom christlichen Menschenbild, andere vereinsamten und wieder andere funktionierten im Alltag, aber ohne Freude und Kontakt mit anderen. 

 

Zoom-Call gegen die Einsamkeit

 

„In Gesprächen und Postings bei Facebook habe ich gespürt, dass dadurch, dass unsere regelmäßigen Treffen weggefallen sind, eine Leere entstanden ist und vielen der Halt fehlte“, erinnert sich Andréa Hugo. Sie entschied sich durch den Impuls einer Freundin, sofort einen Zoom-Call anzubieten, ein offenes Treffen, zu dem sich jeder zuschalten konnte, der wollte. Oft reichte die vorgesehene Stunde nicht aus, um alle Gedanken auszutauschen. Inzwischen findet das virtuelle Treffen nur noch viermal in der Woche statt. Zusätzlich lädt Andréa Hugo am Sonntagabend zu einem virtuellen Mitbringgottesdienst ein, bei dem nicht etwa Speisen und Getränke, sondern Gedanken und Wünsche mitgebracht und vorgetragen werden. „Potpourri“ nennen sie diese Video-Begegnungen, bei denen jeder dabei hat, was ihm in der Woche aufgefallen ist, ein Erlebnis, eine Bibelstelle, ein Spruch, eine Bitte. Grenzen für die Beiträge zum Potpourri gibt es nicht, höchstens die Zeit, die auf eineinhalb Stunden beschränkt ist. Aber jeder weiß, dass am nächsten Sonntag wieder ein Mitbringgottesdienst stattfindet, an dem wieder neue Gedanken im Mittelpunkt stehen. Was für ein Gefühl, diese Sicherheit! 

Beim Zoom-Call an Computer oder Smartphone kann jeder bei Andréa Hugo und anderen Kraft tanken. Fotos: Birgit Ebbert

Begegnungen bereichern das Leben

 

„Ich werde manchmal gefragt, ob das nicht sehr viel Ehrenamt ist“, berichtet Andréa Hugo.

„Aber ich empfinde das nicht als Arbeit, das ist Leben mit anderen. Mich bereichern die Begegnungen und das Wissen, dass ich anderen helfen kann.“ Das ist es wohl, was als Leben im christlichen Geist ausmacht. Für andere da sein, ihnen Zeit und Sicherheit zu schenken. Während das eine Projekt noch läuft, denkt Andréa Hugo daher mit einigen anderen, u. a.  dem Pastor, Christian Uhlstein, auch schon weiter. Unter dem Motto „Gemeinschaftlich auf dem Weg“ möchten sie, wenn das Virus es wieder zulässt, Angebote machen, bei denen alle mitgenommen werden, die im Glauben wachsen wollen.

 

Geplant ist ein Gottesdienst, an den sich Kleingruppen anschließen, in die sich jeder seinen Fähigkeiten und seinen Wünschen entsprechend einbringen kann, beim Singen, beim Basteln, beim Austausch über Bibelstellen. Wichtig ist, sich miteinander direkt auszutauschen, einander aufzubauen, andere noch mit ins Boot zu holen und für den weiteren Weg zu motivieren. 

Energie kommt aus dem eigenen Glauben

 

Ihre Energie für diese Aktivitäten zieht Andréa Hugo aus dem Glauben, nicht nur für ihr Ehrenamt. Schließlich ist sie berufstätig und hat ihre Arbeit im Kundenservice eines Verlags und ihre kleine Wohlfühloase, das Wolkenfrei, das je nach Wunsch mit Massagen, ätherischen Ölen, Seelsorge und gemeinsamem Gebet eine Auszeit für die Seele schafft.  „Für mich sind Körper, Geist und Seele eine Einheit, in unserer ‚Praxis‘ helfen wir dabei, diese in Einklang zu bringen.“ Entsprechend sieht sie die Aufgabe vom Team Wolkenfrei, das sie mit einer Freundin bildet, den Weg frei zu machen und die Wolken, die den Blick und den Weg verstellen, beiseite zu schieben. Auch hier geht es ihr wie in der ehrenamtlichen Tätigkeit darum, Menschen zu helfen, die auf der Suche sind – nach der Lösung für ein Alltagsproblem, nach Spuren des Glaubens, nach dem Sinn des Lebens und manchmal auch nach Gemeinschaft, damit niemand allein ist.

Text und Fotos: Dr. Birgit Ebbert

Möge die Straße Dir entgegeneilen.
Möge der Wind immer in Deinem Rücken sein.
Möge die Sonne warm auf Dein Gesicht scheinen
und der Regen sanft auf Deine Felder fallen.
Und bis wir uns wiedersehen,
halte Gott Dich im Frieden seiner Hand.
Irischer Segenswunsch

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