Der Fotograf ist nie auf dem Bild

19.02.2021 – Wie Stefan Weber den Gottesdienst ins Internet brachte

Bis zum ersten Shutdown hatte der Sonntag auch in Winz-Baak für viele Menschen einen klaren Ankerpunkt: den Gottesdienst am Vormittag. Hier erlebten sie Gemeinschaft und das Wort Gottes, hier tauschten sie sich über die Woche aus und nahmen Impulse für den Alltag mit. Und dann mussten diese zentralen Stunden ausfallen.

Der Fotograf Stefan Weber hinter seiner Kamera.

Pfarrer Bodo Steinhauer und Pfarrerin Birgit Crone aus der evangelischen Kirchengemeinde im Norden von Hattingen ließ der Gedanke, dass ihre Gemeinde ohne dieses Sonntagsritual auskommen musste, keine Ruhe. Angesichts von Videokonferenzen und Konzertübertragungen im Internet entstand die Idee, auf diesem Weg Gruß und Segen an die Gemeindemitglieder zu übermitteln. Nun ist manche Idee schnell in der Welt, sie umzusetzen entpuppt sich oft als Herausforderung. Doch Pfarrer Steinhauer erinnerte sich an den Fotografen Stefan Weber, der schon so manche Trauzeremonie und Hochzeitsfeier mit der Kamera dokumentiert hatte. Wer fotografieren kann, kann sicher auch filmen, mag er sich gedacht haben.

 

Eine Idee wächst…

 

Für die Kameras von Stefan Weber galt das auch, mit ihnen konnte er fotografieren und filmen. Aber der Fotograf, der im Hauptberuf Genehmigungsverfahren in einer Firma in Essen bearbeitet, hatte bis dahin diese Möglichkeiten seiner Kamera nie genutzt. Die Idee reizte ihn und durch Home-Office und Lockdown hatte auch er mehr freie Zeit als sonst - und so erklärte sich Stefan Weber zu dem Experiment bereit. Einmal in der Woche sollte er einen Impuls, wie das Projektteam die Online-Gottesdienste verstand, aufnehmen. Pfarrer Bodo Steinhauer und Pfarrerin Birgit Crone waren für die Inhalte zuständig und Stefan Weber für die technische Seite.

 

Eine Zeit des Ausprobierens begann. Wurde anfangs noch das kamerainterne Mikrofon genutzt, zeigte sich bald, dass Funkmikrofone für einen besseren Ton sorgen. Schnell wurde klar, dass die statische Aufnahme eines Pfarrers, und mag er noch so gut reden, über 20 oder 30 Minuten nicht genug Action für das fernsehgewohnte Publikum enthält. Eine Choreografie musste her und Ortswechsel, damit das Publikum durch immer neue Eindrücke gefesselt blieb. Langsam kristallisierte sich ein Ablaufschema heraus. Auf einen musikalischen Einstieg folgt die Begrüßung, ein weiteres Musikstück leitet den Hauptteil mit einem Denkanstoß ein und schließlich ist der Schlusssegen musikalisch eingerahmt. Mit jeder Folge, die immer am Samstagnachmittag aufgezeichnet wurde und sonntags um 10.30 Uhr Premiere hatte, nahm das Projekt mehr an Gestalt an und der YouTube-Kanal der Evangelischen Kirche Winz-Baak wuchs und wächst mit jedem Sonntag.

Pfarrerin Birgit Crone als Ersatz-Publikum für Pfarrer Bodo Steinhauer

Technik ist mehr als „nur“ filmen

 

„Ich habe mich wirklich nur um die technische Seite gekümmert“, betont Stefan Weber, „wichtig sind die Beiträge und die Musik.“ Wer einmal einen Film hergestellt hat, weiß jedoch, dass der Technikanteil weit mehr ist als „nur“ eine Aufnahme. Selbst eine gute Aufnahme verlangt mehr Knowhow, als eine Kamera aufzustellen und auf den Startknopf zu drücken. Wenn am Ende der Pfarrerin 20 Minuten eine Kerzenflamme aus dem Kopf züngelt, mag das für einen Filmkunstwettbewerb interessant sein, ein würdiger Ersatz für den Sonntagsgottesdienst ist das nicht.

 

Und mit der Aufnahme ist der Film längst nicht fertig, da sind Geduld und Feingefühl nötig, um an den richtigen Stellen zu schneiden und die Szenen so zusammenzustellen, dass sie flüssig wirken und niemandem das Wort oder der Ton abgeschnitten wird. Richtig professionell werden Videofilme durch die Bildunterzeilen, damit das Publikum weiß, wer gerade spricht, musiziert oder singt. Schließlich geht es bei den Beiträgen auch darum, den Menschen zu Hause Nähe zu vermitteln. Da ist es schön zu sehen, dass jeder durch die Namen im Bild mitbekommt, dass der Enkel beim Krippenspiel dabei ist oder die Enkelin der Nachbarn Blockflöte spielt.

 

Immer wieder Neues ausprobieren

 

„Uns war eine Mischung aus Kontinuität und Abwechslung wichtig“, erzählt Stefan Weber. Gerade die Abwechslung stellte ihn vor immer neue Herausforderungen. Für die ersten Aufnahmen standen der Pfarrer oder die Pfarrerin vor der Kamera und die jungen Gemeindemitglieder Sophie Rademacher und Ana Ilievska sorgten mit Gitarre und Gesang für die musikalische Umrahmung. Dann kam Organist Peter Siepermann hinzu, mal an der Orgel, mal am Flügel, und an manchen Drehtagen mussten größere Gruppen mit Corona-konformem Abstand gruppiert und trotzdem anschaulich aufgenommen werden. Mit viel Einsatz und Kreativität ist es sogar gelungen, für den Heiligabend-Gottesdienst das musikalische Gemeinde-Ensemble „taktvoll“ in Szene zu setzen.

 

Gemeinde beteiligt sich jetzt auch vor der Kamera

 

Je mehr sich das Projekt herumsprach, umso mehr Gemeindemitglieder trauten sich vor die Kamera und sorgten für die musikalische Umrahmung der „Impulse“. „Ein Highlight war sicher der Auftritt von Musical-Star Reginald Holden-Jennings“, erinnert sich Stefan Weber. Auch ihn hat er aus seiner Position hinter der Kamera eingefangen und in den Gesamtbeitrag eingebunden.

 

Vielleicht hat er sich über diese Gelegenheit einen kleinen Tick mehr gefreut als sonst, denn das ist sein Fazit aus dem Projekt: „Es bereitet mir große Freude, dass ich zeigen konnte, dass es weitergeht - auch im Lockdown.“ Wie es mit dem YouTube-Kanal und den Online-Gottesdiensten weitergeht, wird die Zeit zeigen, aber das ist auch das Schöne an unserer Zeit: Was einmal im Internet ist, bleibt erhalten und die Impulse sind so zeitlos, dass man sie sich immer wieder ansehen kann – zur Aufmunterung, zur Entspannung, zur Freude an schönen Worten und an live gespielter Musik - und natürlich, um die Nähe zu Botschaft Gottes zu suchen.

Text: Dr. Birgit Ebbert

 

Der YouTube-Kanal ist am schnellsten erreichbar über die Suche nach „Ev. Kirchengemeinde Winz-Baak“, Direktlink: https://www.youtube.com/channel/UCn9JI42FMvnsljAFhyHhqxg

Möge die Straße Dir entgegeneilen.
Möge der Wind immer in Deinem Rücken sein.
Möge die Sonne warm auf Dein Gesicht scheinen
und der Regen sanft auf Deine Felder fallen.
Und bis wir uns wiedersehen,
halte Gott Dich im Frieden seiner Hand.
Irischer Segenswunsch

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