Kleine Grüße in die große Stille

28.05.2021 – Wie Heike Schröder ihren Chor durch die Pandemie leitet

Als vor einem Jahr der Lockdown verkündet wurde, bereitete Chorleiterin und Organistin Heike Schröder mit ihren Sängerinnen und Sängern gerade das jährliche Frühlingskonzert vor. Traditionell sollten im Mai die Mitglieder der Gemeinde Welper-Blankenstein mit frühlingshaftem Gesang erfreut werden. „Da wir zuversichtlich und im Glauben getragen sind, hatten wir die Hoffnung, dass nur ein paar Proben ausfallen würden und das Konzert stattfinden könnte“, erinnert sich Heike Schröder. Sie schickte den Chormitgliedern Noten und spielte Instrumentalversionen ein, damit sie üben konnten.

Sogar mit selbstgenähten Masken versorgte Heike Schröder ihre Sängerinnen und Sänger während der Pandemie.

Doch bald schon zeichnete sich ab, dass aus dem Frühlingskonzert nichts werden würde. Und nicht nur das: Singen war wegen der hohen Ansteckungsgefahr in Gemeinschaft nicht mehr möglich. Die Enttäuschung war groß, das spürte Heike Schröder. Denn für die Mitglieder ihres Chors, zwischen 50 und weit über 80 Jahre alt, ist die Chorprobe am Montagabend ein wichtiger Teil ihres Lebens. Der Gesang ist das eine, die Lieder sind das andere, vor allem aber die Gemeinschaft und das gemeinsame Hinfiebern auf das nächste Konzert fehlten.

Wie gut, dass Heike Schröder neben Chorleiterin auch Organistin ist, so konnte sie auf der Orgel Choräle aufnehmen, zu denen ihr Chor im heimischen Wohnzimmer singen konnte. Manchmal hat sie Musik und Liedtexte um eine Andacht ergänzt, um den Menschen Mut zu machen und frohe Momente zu bescheren.

 

„Mir war vor allem wichtig, die Menschen, die mir im Laufe der Jahre ans Herz gewachsen sind, bei Stimme zu halten.“ Die Leitung des Chores gehört natürlich zu ihren beruflichen Aufgaben als Kirchenmusikerin – darüber hinaus steckt aber vor allem auch viel Herzblut in dieser Aufgabe. Nicht verwunderlich nach 29 Jahren Chorleitung. 34 Jahre ist Heike Schröder nun schon Organistin in ihrer Heimatgemeinde, in der sie auch das Gemeindebüro leitet. Unabhängig von den einzelnen Sängerinnen und Sängern liegt ihr nach so langer Zeit auch der Chor an sich am Herzen. „Die Vorstellung, dass dieses Virus unseren Chor zerstört, war furchtbar. Wir haben in den letzten Jahren so viel Freude geschenkt – beim Proben, in den Gottesdiensten, durch Konzerte. Ich wollte nicht, dass das verlorengeht.“

Die Pandemie war für Heike Schröder in fast 30 Jahren Chorleitung die größte Herausforderung. Fotos: Birgit Ebbert

Als zwischendurch Gottesdienste wieder möglich waren, hatte Heike Schröder eine Idee. „Gesangsquartette waren erlaubt und auch möglich, die konnten in der Kirche mit großem Abstand stehen und singen.“ Nun ist ein Gesangsquartett etwas anderes als ein Chor. Zum einen geraten die Sängerinnen und Sänger stärker in den Blick des Publikums und zum anderen, das ist noch wichtiger, müssen die Stimmen aufeinander abgestimmt werden, damit der Gesang gut klingt. Also hat Heike Schröder ihre Chormitglieder in Gedanken zu immer neuen Gruppen zusammengestellt. Sie war überwältigt von der großen Bereitschaft der Chormitglieder, solistische Parts zu übernehmen. So ist es gelungen, dass bis zum nächsten Lockdown in jedem Gottesdienst gesungen wurde, in wechselnder Besetzung zwar, aber für die Gemeinde war vor allem wichtig, dass der Gesang ein Hauch von Normalität ausstrahlte.

Und dann kam die nächste Enttäuschung. Keine Gottesdienste, noch immer keine Chorproben und Auftritte, kein Weihnachtskonzert. Vielleicht, ganz ganz vielleicht ein Weihnachtsgottesdienst. Ohne Proben? Heike Schröder hat sich davon nicht abhalten lassen. Sie hat die beliebtesten Weihnachtslieder des Chores in einem Heft zusammengestellt, das an alle Sängerinnen und Sänger verteilt wurde. Über WhatsApp wurden daraus Favoriten gewählt und ein Programm und Besetzungen für den Weihnachtsgottesdienst zusammengestellt.

WhatsApp wurde zum zentralen Kommunikationsmittel in der Pandemie. Heike Schröder verschickt seit einem Jahr Nachrichten an die Chormitglieder, die sich teilweise bis zum Lockdown gegen ein Smartphone gewehrt hatten. Für die Proben zu Hause gibt es Liedertexte und Tondokumente und zu runden Geburtstagen hat ein Quartett ein Ständchen aufgenommen, das nun immer mit einem individuellen Grußwort versehen wird. Besonders wichtig war der Adventskalender, den die 50-jährige erstellt hat. Vom ersten Advent bis zum zweiten Weihnachtstag hat sie für jeden Tag eine Ton- oder Videoaufnahme aus einem früheren Konzert ausgewählt und zusammen mit aufmunternden Gedanken, einer kleinen Andacht und den Noten verschickt.

Inzwischen ist klar, dass das Frühlingskonzert auch 2021 nicht stattfinden wird. Nun hofft Heike Schröder mit ihrem Chor auf Weihnachten. Bis dahin wird keiner untätig sein, sie wird weiterhin für Gesangsinspirationen sorgen, auf die Jahreszeit abgestimmt, und ihre Sängerinnen und Sänger werden weiterhin üben. Dabei motivieren sie sich gegenseitig, denn längst haben sie sich mit dem Smartphone und WhatsApp angefreundet und sehen deren Chancen in einer Zeit, in der persönliche Begegnungen rar geworden sind. Heike Schröder freut sich, dass die Pandemie wenigstens bezüglich der Mediennutzung bei einigen etwas positiv bewegt hat. Sie ist froh, dass sie neben den kleinen Highlights mit ihren Nachrichten den Grundstein für eine virenfreie Kommunikation angestoßen hat. Auch wenn ihr die Menschen am Herz liegen, kann sie eben doch nur eine begrenzte Zeit für den Chor aufbringen. Da  sind ja noch die Arbeit im Gemeindebüro, die Familie, der Garten, ihr Hobby Origami und ihre Hühner, die Aufmerksamkeit benötigen. Trotzdem hofft sie, dass bald wieder Chorproben stattfinden dürfen, damit aus der großen Stille ein großes Gesangsvergnügen wird.

Text und Fotos: Dr. Birgit Ebbert

Möge die Straße Dir entgegeneilen.
Möge der Wind immer in Deinem Rücken sein.
Möge die Sonne warm auf Dein Gesicht scheinen
und der Regen sanft auf Deine Felder fallen.
Und bis wir uns wiedersehen,
halte Gott Dich im Frieden seiner Hand.
Irischer Segenswunsch

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