Neustart im Team – Hilfe für besonders Schutzbedürftige

28.01.2020 – NesT-Koordinator will Flüchtlinge begleiten und integrieren

„Natürlich können wir nicht alle retten. Aber jedes einzelne gerettete Leben ist ein Sieg und ein Zeichen der Menschlichkeit.“ Die Bilder aus den riesigen Flüchtlingslagern in Libyen, in der Türkei und auch in Jordanien gehen Dominik Brandt zu Herzen. Mit seinen gerade mal 19 Jahren hat der gebürtige Wittener schon manches gesehen – als Ehrenamtlicher beim Jugendrotkreuz, und als Freiwilliger in der Jahn-Sporthalle in Witten, wo zwischenzeitlich mehr als 150 Geflüchtete gleichzeitig untergebracht waren. Auch wenn die ganz große Welle der Hilfsbereitschaft, die 2015 unser Land erfasst hatte, ein wenig abgeebbt ist, so lassen die Berichte über Folter, Vergewaltigungen und Hunger in den großen internationalen Camps doch kaum jemanden kalt. Alleinreisende Frauen, Familien mit Kindern und Kranke zählen unter den 70 Millionen Menschen, die sich global auf der Flucht befinden, zu den besonders gefährdeten Flüchtlingen. Sie sollen durch das so genannte „Resettlement“ in sicheren Drittstaaten aufgenommen werden.

Machen sich gemeinsam stark für NesT- Neustart im Team: Pfarrer Christian Uhlstein (links) und Dominik Brandt. Foto: niki

Mit dem Programm „NesT – Neustart im Team“ könnten darüber hinaus in den kommenden zwei Jahren fünf weitere Menschen gerettet werden – der Evangelische Kirchenkreis Hattingen-Witten als Träger hat Dominik Brandt als Koordinator angestellt und sucht nun Ehrenamtliche, die sich dieser Menschen annehmen wollen.

Mentoren gesucht

„Verantwortung teilen – Flüchtlinge schützen, begleiten und integrieren“ zitiert der neue NesT-Koordinator aus der Projektbeschreibung der Bundesregierung und der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Konkret heißt das: Es werden Menschen gesucht, die die Flüchtlinge vor Ort in den ersten zwei Jahren bei all dem begleiten, was den Alltag in Deutschland so ausmacht. Dominik Brandt nennt Beispiele: „Sprachunterricht, Begleitung bei Behördengängen, aber vor allem: Zeit miteinander verbringen, am Leben des anderen teilhaben und für den anderen da sein.“

Die dauerhafte Aufnahme und ein umfassender Flüchtlingsschutz für die ausgewählten Flüchtlinge sind durch das Resettlement sichergestellt. Die Menschen erhalten einen sicheren Aufenthaltstitel, der nach drei Jahren verlängert werden kann. Außerdem erhalten sie Hartz IV und können so am Integrationskurs teilnehmen. Doch das sind nur formale Rahmenbedingungen. „Wir wollen dabei helfen, dass die Menschen auch innerlich in Deutschland ankommen und sich in unsere Gesellschaft integrieren können“, erklärt Pfarrer Christian Uhlstein, der im Kirchenkreis als Flüchtlingsbeauftragter aktiv ist. „Wir wollen mit diesem Projekt zeigen, dass kleinere Einheiten bei der Integration helfen können und dass sie erfolgreicher sind als die Ankerzentren.“

Verantwortung für zwei Jahre

Während sich in anderen Kommunen die Mentoren auch um die Finanzierung der Kaltmiete für eine kleine Wohnung kümmern müssen, springt dafür in Hattingen-Witten der Kirchenkreis in den ersten beiden Jahren ein. Danach ist das Jobcenter zuständig und die Flüchtlinge bekommen, bis sie eine Arbeit gefunden haben, Wohngeld.

Weil die „Chemie“ zwischen Menschen wichtig ist, können die Mentoren, die sich zu einem Team gefunden haben, mitbestimmen, um wen sie sich kümmern wollen. „Es ist wichtig zu wissen, dass ganz unterschiedliche Menschen Hilfe benötigen“, betont Christian Uhlstein. „Es können Bürgerkriegsflüchtlinge sein, aber auch Armuts- oder Kriegsflüchtlinge.“ Ein Erstkontakt findet dann via Chat statt; sind die Geflüchteten in Deutschland angekommen, bleiben sie für die Formalitäten etwa zwei Wochen in einer zentralen Einrichtung (Grenzdurchgangslager Friedland in Niedersachsen) in Friedland. Dort holen die Mentoren sie ab und bringen sie in das neue Zuhause an die Ruhr.

Fremdsprachen sind hilfreich, aber kein Muss

„Wir suchen Menschen, die einfühlsam sind und Freude an Begegnung haben“, formuliert Dominik Brandt den Anforderungskatalog für die potenziellen Mentor*innen. Fremdsprachen sind hilfreich, aber kein Muss. „Es hilft auch, wenn die Mentoren selber viele Kontakte haben, die sie teilen können, zum Beispiel im Sportverein“, beschreibt Brandt, beruhigt aber auch: „Keiner muss alles können, dafür stellen wir ja ein Team zusammen.“

Die Ehrenamtlichen werden umfangreich geschult und während der kompletten Zeit sowohl durch Fachleute im Kirchenkreis als auch durch ein Team der Landeskirche in Villigst betreut und können sich so auch in Krisensituationen beraten lassen.

Ein erstes Team rund um den Flüchtlingsbeauftragten Sigurd Hebenstreit steht in der Johanniskirchengemeinde in Witten bereits in den Startlöchern – Superintendetin Julia Holtz hofft auf weitere: „Wir haben uns als Ziel gesetzt, vier bis fünf Teams zu bilden.“

Dominik Brandt bleibt gelassen trotz der großen Aufgabe und motiviert sich selber von Tag zu Tag: „Auch eine Reise mit tausend Meilen beginnt mit dem ersten kleinen Schritt.“

 

Weitere Infos:

Interessierte können sich ab sofort bei Dominik Brandt melden (telefonisch unter der Rufnummer 01573 / 0942367 oder per Mail unter ). Außerdem gibt es zwei Info-Veranstaltungen für Interessierte. Am Donnerstag, 6. Februar, um 19 Uhr im Johanniszentrum in Witten (Bonhoefferstraße 10) und am Mittwoch, 12. Februar, um 19 Uhr im Gemeindezentrum St. Georg in Hattingen (Augustastraße 9).

Möge die Straße Dir entgegeneilen.
Möge der Wind immer in Deinem Rücken sein.
Möge die Sonne warm auf Dein Gesicht scheinen
und der Regen sanft auf Deine Felder fallen.
Und bis wir uns wiedersehen,
halte Gott Dich im Frieden seiner Hand.
Irischer Segenswunsch

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