Strom-Ernte im eigenen Garten

13.08.2021 – Gesetzesänderung ermöglicht den einfachen Einsatz von Balkon-Solaranlagen

Blink. Blink. Blink. Wenn die Sonne scheint, sitze ich neuerdings gerne auf meiner Terrasse und schaue auf eine kleine graue Kiste. Die Leuchtdiode daran blinkt in regelmäßigen Abständen - und je hektischer das kleine grüne Licht aufleuchtet, desto besser für mich - und für die Umwelt. Denn seit kurzem bin ich Besitzerin einer Mini-Solaranlage. Der Umweltausschuss unseres Kirchenkreises beschäftigte sich im vergangenen Jahr mit dem Thema - und seither „ernte“ ich meinen eigenen Strom. Außer bei Nacht oder Sonnenfinsternis...

Martin Schinke testet mit seinem Messgerät, ob alles ordnungsgemäß angeschlossen ist.

 

Solaranlagen auf Kirchendächern sind schon lange nichts Ungewöhnliches mehr. An sehr vielen Gemeindehäusern in unserem Kirchenkreis hängen bereits seit Jahren Anzeigetafeln, die zeigen, wieviel Strom die Gemeinde mit dem Sonnenfänger auf dem Dach produziert. War der Kauf einer Solaranlage sowie der Betrieb mit seinen Kosten bzw. dem bürokratischen Aufwand bislang eher eine Möglichkeit für Hausbesitzer und Experten, so können seit einer Gesetzesänderung nun auch Mieter erneuerbare Energie erzeugen. „Kleine Mini-Solaranlagen für Balkon und Terrasse dürfen seit 2018 auch in Deutschland betrieben werden“, erläutert Martin Schinke, Mitglied im Umweltausschuss und beim Ökostromanbieter NaturStrom zuständig für unseren Kirchenkreis.

 

„Mini-Solar-Anlagen sind steckbare Solaranlagen, die sich leicht auf- und wieder abbauen lassen. Sie eignen sich für den Einsatz auf Balkon oder Terrasse - und sind daher ideal auch für Vermieter.“ Wir stehen im Spätsommer auf dem verbrannten Hanggrundstück, das zu meiner Wohnung gehört. Die Sonne hat sogar dem Unkraut den Garaus gemacht - die Neigung, die den Anbau von Gemüse erschwert, ist für eine Solaranlage jedoch ideal. Gerade mal einen Meter breit und 160 cm hoch ist das Modul; geliefert wurde es zusammen mit einem Wechselrichter und - dank des handwerklichen Talents meines Gesprächspartners - mit einem Holzgestell, das entfernt an eine Malerstaffelei erinnert. „Im SolarModul wird die Sonnenenergie in Gleichstrom umgewandelt“ erklärt mir Martin Schinke, während er mit ein paar Handgriffen die verschiedenen Teile miteinander verbindet. Der „Gleichstrom wird wiederum im Wechselrichter zu Wechselstrom, der dann über eine ganz normale Steckdose in mein Hausnetz eingespeist wird.

Das Anschließen des Solarelements ist nicht wirklich schwierig. Wer unsicher ist, engagiert einfach einen Elektriker.

„Mein“ Modul produziert unter optimalen Bedingungen etwa 300 Watt - damit bin ich natürlich kein Selbstversorger, aber der Anteil des Stroms, den ich dazukaufen muss, sinkt in den Betriebsstunden erkennbar. Schalte ich nun bei Sonnenschein die Kaffeemaschine ein oder den Computer, so wird zunächst der selbst produzierte Strom verbraucht - der Rest des Bedarfes kommt dann vom Netzbetreiber.

 

In der Regel sind die Mini-Solaranlagen so klein, dass gar keine „Überproduktion“ entstehen kann - wäre ich disziplinierter, und wären immer alle Geräte aus, die ich nicht brauche, müsste der Energieversorger mir den Überschuss allerdings abkaufen. „Darum müssen auch diese kleinen Anlagen beim Energieversorger angemeldet werden, das ist in der Regel kostenfrei und online mit wenigen Klicks erledigt“, beruhigt mich Schinke. „Die MarkE verlangt nur die einfache Anmeldung, bei der AVU und den Stadtwerken Witten ist es ähnlich.“ In der Tat - im Netz finde ich einen Musterbrief und ein unkompliziertes Formular. Ein Termin mit dem Netzbetreiber ist dann schnell vereinbart, und nun hängt ein digitaler Stromzähler in unserem Hausflur. So könnte – das ist bislang allerdings eher Theorie – Überschüsse mit dem Verbrauch verrechnet werden.

 

„Ein durchschnittlicher Vier-Personen-Haushalt verbraucht im Jahr etwa 3000 Kilowattstunden (kWH), hatte Sabine Jellinghaus im Umweltausschuss erläutert. Immerhin 300 kWh produziere ich mit meinem Balkonmodul zukünftig selber - erweitern könnte ich meinen „Solarpark“ problemlos um ein weiteres Element und so den Eigenanteil verdoppeln. Wer wie ich ungeübt im Umgang mit Elektrik ist, sollte einen Fachmann hinzuziehen - und so ganz einfach Teil der Energiewende werden.

 

Erst etwa 11 Prozent im Strommix in Deutschland wurden 2020 per Solar erzeugt - insgesamt lag der Anteil an erneuerbarer Energie aber immerhin schon bei 51 Prozent, hat das Fraunhofer ISE ermittelt. „Durch den Einsatz von Solaranlagen wird deutlich CO2 eingespart, die Stromherstellung ist für den Endverbraucher problemlos und finanziell günstig“, wirbt Martin Schinke für die umweltfreundlichen Steckergeräte. Für knapp 120 Euro ist ein leistungsstarkes 300-Watt-Modul zu haben; einige Energielieferanten zahlen beim Umstieg auf den Ökotarif sogar bis zu 200 Euro Zuschuss. Durchschnittlich 25 Jahre hält das Modul - amortisiert hat es sich, je nach Strompreis, nach etwa fünf Jahren.

 

Auch, wenn ich kein „Selbstversorger“ bin – ich freue mich über mein kleines Solar-Element. Und seit es in meinem Garten steht, konnte ich schon reichlich „Werbung“ machen für diese alternative Energietechnik – denn ein Hingucker ist es in jedem Fall. Und wer weiß – vielleicht kann ich eines Tages auch die Nachbarn überreden, eine große Anlage auf das Hausdach zu setzen. Bis dahin – messe ich mal das Dach der Gartenhütte aus. Da geht doch noch was… J

Bildergalerie

Immer im Einsatz für alternative Energien: Martin Schinke legt auch mal selbst Hand an und verschwindet, wie hier, hinter der Birne. Eine ganz normale Außensteckdose reicht, um den selbst „geernteten“ Strom ins Netz einzuspeisen. Fotos: niki

Möge die Straße Dir entgegeneilen.
Möge der Wind immer in Deinem Rücken sein.
Möge die Sonne warm auf Dein Gesicht scheinen
und der Regen sanft auf Deine Felder fallen.
Und bis wir uns wiedersehen,
halte Gott Dich im Frieden seiner Hand.
Irischer Segenswunsch

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