„Voneinander lernen, füreinander da sein“

04.11.2019 – Gemeinsamkeiten und Unterschiede bereichern die Partnerschaft des Kirchenkreises mit der Diocese of Sheffield

„Voneinander lernen, füreinander da sein und einander stärken“ – darin liegt für Claus Humbert, Pfarrer in der Evangelischen Kirchengemeinde Annen in Witten, der Sinn von Partnerschaften zwischen Kirchenkreisen. Gemeinsam mit seinem Hattinger Kollegen Frank Schulte aus der Johannesgemeinde kümmert er sich um den Austausch des Kirchenkreises Hattingen-Witten mit der Church Diocese Sheffield, die bereits seit drei Jahrzehnten besteht. Für die „Erdung“ dieses Anspruchs sorgen wechselseitige Besuche – in den Herbstferien kamen diesmal 30 Männer und Frauen aus der britischen Stadt in der Region Yorkshire an die Ruhr. Sie blieben eine Woche, unternahmen zusammen mit ihren Gastfamilien Ausflüge und feierten gemeinsame Gottesdienste. Der drohende Brexit war dabei ausnahmsweise Mal kein Thema…

Die Gäste aus Sheffield beim Besuch der Burg Altena im Sauerland. Strahlender Sonnenschein begleitete die 30-köpfige Gruppe während ihres einwöchigen Besuches, in dem es inhaltlich immer wieder um die Themen Strukturwandel und die Zukunft der Kirche ging. Vor allem aber um Freundschaft. Foto: Privat

„Das war wirklich ein tolles Programm mit vielen spannenden Begegnungen“. Tag eins nach der Abreise der Gäste. Claus Humbert, mit seinen 60 Jahren wahrlich kein Berufsanfänger, ist nicht mehr ganz so leicht „vom Hocker“ zu reißen. Doch wenn die Rede auf die Kirchenkreis-Partnerschaft kommt, spürt man sein Herzblut. Und so ist es für ihn selbstverständlich, dass er das einwöchige Besuchsprogramm für die Christinnen und Christen aus England nicht nur gemeinsam mit einem erfahrenen Team vorbereitet, sondern auch an den Ausflügen in die nähere und weitere Umgebung teilnimmt. Mit teilweise auch für ihn neuen Erfahrungen: So besuchte er zum ersten Mal die Kleinstadt Altena und erlebte beim Besuch der Burg den Reiz des Sauerlandes…

Sheffield und Hattingen-Witten (und auch Altena) haben durchaus mit vergleichbaren Schwierigkeiten zu kämpfen. Vom Strukturwandel nach dem Niedergang der Schwerindustrie in den 1970 und 1980er Jahren wurde Sheffield hart getroffen; in der Folge verlor auch die Kirche als Institution an Bedeutung im Leben der Menschen. Auf sinkende Gemeindegliederzahlen folgen Veränderungen in den kirchlichen Strukturen. „Wir müssen uns immer wieder fragen: Wen erreichen wir, welche Zielgruppe wollen wir erreichen – und wer macht in Zukunft die Arbeit“, beschreibt Humbert, der gemeinsam mit Ehefrau Sabine zu den zahlreichen Pfarrerinnen und Pfarrern gehört, die in den kommenden Jahren in Rente gehen, Parallelen zur hiesigen Situation.

Bei einem Besuch in der zentralen Bildungs- und Begegnungsstätte der Evangelischen Kirche von Westfalen in Villigst ging es darum zum einen um die Zielgruppe „Männer“ (Landesmännerpfarrer Martin Treichel war viele Jahre Gemeindepfarrer im Kirchenkreis in Wengern), zum anderen um die Ausbildung von Laienpredigern, den so genannten „Prädikanten“. Sechs Laienprediger waren in der Reisegruppe aus Sheffield, die sich im Rahmen der Besuchswoche auch mit ihren Kollegen aus Witten austauschen konnten.

„Very amused“ zeigten sich die Gäste über die liebevolle Darstellung ihrer Landsleute in der Ausstellung „Very british“, die die Reisegruppe im Bonner Haus der Geschichte besuchte. Die Ausstellung greift verschiedene Aspekte der deutsch-britischen Beziehung auf; die Bonner Kreuzkirche, die im Anschluss auf dem Programm stand, wurde mit Geldern der britische Queen Viktoria gebaut. Und weil beide Nationen auch die Liebe zum Fussball verbindet, besuchte die Reisegruppe zudem noch die Arena Auf Schalke – allerdings weniger des Rasens wegen, sondern um sich die 2001 eingeweihte, ökumenisch betriebene Kapelle anzusehen. Der Gegenbesuch im kommenden Jahr ist schon fest eingeplant – unabhängig von den endlosen Verhandlungen im britischen Parlament. Denn nicht nur für Claus Humbert steht fest: „Wir brechen unsere Freundschaft nicht ab – Brexit hin oder her.“

Möge die Straße Dir entgegeneilen.
Möge der Wind immer in Deinem Rücken sein.
Möge die Sonne warm auf Dein Gesicht scheinen
und der Regen sanft auf Deine Felder fallen.
Und bis wir uns wiedersehen,
halte Gott Dich im Frieden seiner Hand.
Irischer Segenswunsch

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