„Gotteskinder bleiben wir“

23.09.2019 – Berührender Gottesdienst für Menschen mit und ohne Demenz

Die Hände falten. Zur Ruhe kommen. Menschen mit einer Demenz-Erkrankung fällt das oft schwer. (Fotos: niki)

„Und wenn am Ende die Kräfte schwinden
wenn meine Zeit dann gekommen ist
wird meine Seele dich weiter preisen
zehntausend Jahre und in Ewigkeit…“ (aus: Komm und lobe den Herrn / Zehntausend Gründe)

Von Nicole Schneidmüller-Gaiser

„Was fällt Ihnen zur Kindheit ein?“ Pfarrer Christian Holtz nähert sich behutsam einer Gottesdienstbesucherin, die in der ersten Reihe der Johanniskirche in Witten sitzt. „Viel Gutes“ antwortet die betagte Dame fröhlich. Doch dann gerät sie ins Stocken. „Meine Eltern sind früh gestorben…“ Und dann bricht die Stimme und ein paar Tränen fließen. Einfühlsam geht der Theologe nun auf die besondere Situation ein. „Das war sicher nicht leicht…“ Der 2. Wittener Vergiss-mein-nicht-Gottesdienst geht unter die Haut – den Besuchern und den Veranstaltern. „Gottesdienst für Menschen mit und ohne Demenz“ heißt es in der Einladung – und tatsächlich haben sich gleich vier heimische Alteneinrichtungen  auf den Weg in die Innenstadtgemeinde gemacht. Der Umgang mit Demenzkranken erfordert viel Geduld und Einfühlungsvermögen – denn plötzliche Stimmungsschwankungen wie die oben beschriebene sind keine Seltenheit.

„Gottesdienste mit Dementen in Altenheimen gehen natürlich auf die spezielle Situation der Patienten ein“, weiß Christian Holtz, der seit vielen Jahren als Altenheimseelsorger im Kirchenkreis eingesetzt ist. Mit dem Vergiss-mein-nicht-Konzept wollten er und seine Mitstreiter, allen voran Diakon Jürgen Jeremia Lechelt und Gemeindeschwester Blazenka Weber-Lorenz, jedoch die Menschen in die Kirche und somit auch in das Bewusstsein der Gemeinde zurückholen – das kam im vergangenen Jahr so gut an, dass die zweite Auflage sofort beschlossen wurde. Der Klang der Orgel, die Spiritualität des Ortes, die vertrauten Lieder lösen auch bei hochbetagten, an  Demenz erkrankten Senioren oft Ruhe und ein Wohlgefühl aus. „Der sakrale Ort wirkt beruhigend“, so Pfarrer Holtz. Selbst, wenn ein eher volkstümliches Lied wie „Weißt Du wieviel Sternlein stehen“ gesungen wird.

 

Die Soul-Children machten den 2. Wittener Vergiss-mein-nicht-Gottesdienst für die etwa 190 Besucher zu einem besonders gefühlvollen Erlebnis.

Mit insgesamt zehn Bewohnern – und fast ebenso vielen Helfenden - machten sich an diesem Sonntagmorgen bei strahlendem Sonnenschein Hausleitung Julia Adolf und Claudia Hoffmann vom Sozialen Dienst vom Haus am Voß´schen Garten der Boecker-Stiftung zu Fuß auf den Weg in die Johanniskirche. „Natürlich mussten wir heute früh sehen, wer fit genug ist, um mitzukommen“, nehmen die erfahrenen Altenpfleger Rücksicht auf die „Tagesform“ der WG-Bewohner. Doch die strahlenden Gesichter rechtfertigen auch den relativ hohen Personaleinsatz, den der Ausflug mit sich brachte. Neben Bewohnern der Boecker-Stiftung hatten sich auch Altenheimbewohner aus Herbede (St. Josef) und aus den Feierabendhäusern der Diakonie auf den Weg gemacht.

Musikalisch durften sich die insgesamt knapp 190 Gottesdienstbesucher nicht nur über Kirchenmusikerin Miso Kim an der Orgel freuen, sondern vor allem auch an den „Soul Children“, die passend zum Weltkindertag und dem Gottesdienstthema „Gotteskinder bleiben wir“ sanfte, moderne Stücke ausgesucht hatten, die nicht nur die eigenen Eltern rührten…

Möge die Straße Dir entgegeneilen.
Möge der Wind immer in Deinem Rücken sein.
Möge die Sonne warm auf Dein Gesicht scheinen
und der Regen sanft auf Deine Felder fallen.
Und bis wir uns wiedersehen,
halte Gott Dich im Frieden seiner Hand.
Irischer Segenswunsch

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