„Den Menschen zur Freude, zu Gottes Lob und Ehren.“

25.09.2019 – CVJM Annen feiert am Sonntag 150jähriges Bestehen

Blättert man durch die Festschrift, die der CVJM Annen vor einem Vierteljahrhundert zum Jubiläum erstellt hat, so liest sie sich wie ein who-is-who des Evangelischen Kirchenkreises. Hangebrauck, Vosswinkel, Barthelworth, Sombrowsky, Busch – all diese Namen sind den Menschen im Kirchenkreis über Generationen wohlvertraut; und auf die ein oder andere Weise wurden sie alle durch den CVJM im Wittener Osten geprägt und haben ihn geprägt. In diesem Jahr, am Sonntag, 29. September, feiert der CV im Rahmen des Gemeindefestes sein 150-jähriges Bestehen. Anlass genug für einen kleinen Rückblick und ein Treffen mit zwei aktuellen „Prägern“: Ulrich „Uli“ Kegenhoff und Mark Neuhaus.

Der Ehrenvorsitzende des CVJM Annen, Uli Kegenhoff (links) und der aktuelle 1. Vositzende, Mark Neuhaus, vor einem Foto des beliebten Jugendgästehauses in Burgh / Holland.An die gemeinsamen Freizeiten haben die beiden viele schöne Erinnerungen.

Von Nicole Schneidmüller-Gaiser

„Ich sag immer: Ich hab einen Papa und einen Papi. Uli ist mein Papi.“ Wenn Mark Neuhaus, seit 2003 1. Vorsitzender des CVJM Annen, über seinen geistigen und geistlichen Ziehvater spricht, ist die Zuneigung und Dankbarkeit greifbar. Der mit seinen 75 Jahren bewundernswert fitte Ehrenvorsitzende lächelt dann charmant und übergeht das Kompliment des Jüngeren. „Mein Motto war immer: Den Menschen zur Freude, zu Gottes Lob und Ehren.“ Das scheint im Fall des amtierenden Vorsitzenden wohl gut funktioniert zu haben. So wie bei vielen, vielen anderen Menschen auch, die oft schon  in zweiter und dritter Generation im CVJM aktiv sind.

Es waren andere Zeiten, als irgendwann im fernen Jahre 1869 zwanzig junge Männer zusammenkamen und den „Evangelischen Jünglingsverein“ gründeten. Bibelstunden, Vorträge und Gesang standen in diesen frühen Tagen auf dem Programm – doch eben auch Bildung: Lesen, Schreiben, Rechnen, Geographie und Geschichte lernte die schon bald auf 200 Jungen und Männer angewachsene Gemeinschaft vom Gründungsmitglied Pfarrer Gerling.

Das Lokal „Steinbrede“ (später „Wösthoff“) wird in diesen Jahren vielen zu einem zweiten Zuhause – das jedoch mit Posaunenchor, Vereinsbücherei und den stetig wachsenden Gruppen bald zu eng wird. 1896 bekommt der Verein ein eigenes Vereinshaus – dank einiger Spenden und einem großen Zuschuss der Kirchengemeinde. Ab jetzt wird auch geturnt, mit den Konfirmanden gearbeitet und bei christlichen und weltlichen Feiern musiziert – der Posaunenchor ist ein frühes Aushängeschild.

Dann kommt der erste Weltkrieg und viele der jungen Männer müssen an die Front. Die Daheimgebliebenen kümmern sich, schicken Briefe und Päckchen. Doch viele Plätze bleiben nach Kriegsende leer, Familien haben ihre Ernährer verloren und viele Kinder ihren Vater. Die neu gegründete „Jugendfürsorge“ will die größte Not lindern – und die „Jungmännerabteilung“ dabei helfen, die nachfolgende Generation durch christliches Tun „gegen die Versuchungen dieser Welt zu schützen“. Vielleicht einer der Gründe, warum sich der Annener CVJM später gegen die Vereinnahmung durch die Nationalsozialisten stellt und sich der Bekennenden Kirche anschließt – und in der Folge bis 1945 keine Jugendarbeit mehr machen darf.

Die weißen Shorts würde er heute wahrscheinlich nicht mehr tragen, meint Uli Kegenhoff lachend. Doch an die vielen schönen Momente seiner CV-Zeit denkt er immer gerne.

Uli Kegenhoff wird 1944 in Gummersbach geboren, kommt aber schon im Kindergartenalter an die Ruhr.  Den Weg in die Jungschar ebnet der acht Jahre ältere Bruder und so beginnt für den späteren Maschinenschlosser  schon im zarten Alter von neun Jahren sein Leben für und mit dem CVJM. „Vereinsmitglied wurde ich dann mit 15; das war die Zeit der Wandergruppen, der Zeltlager und Nachtwanderungen“, erinnert sich Uli Kegenhoff lächelnd.

Zu einer Zeit, in der Reisen noch etwas ganz Besonderes war, das sich nur wenige leisten konnten, machten sich die jungen Männer zu Fuß oder mit dem Rad auf den Weg  - und fanden bei Gesprächen am Lagerfeuer nicht nur Gemeinschaft, sondern nicht selten auch einen Zugang zum Glauben. Den jungen Kegenhoff prägte diese Zeit dermaßen, dass er 1973 einen Job bei der Kirchengemeinde als Küster annahm – und der Gemeinde bis zu seiner Pensionierung treu blieb.

Vom Evangelischen Jünglingsverein zum Christlichen Verein Junger Menschen war es ein langer Weg. Gegen die Aufnahme von Mädchen sperrten sich manche konservative Vorstandsmitglieder bis deutlich nach dem 2. Weltkrieg: 1954 nannte sich der Jünglingsverein zwar in „CVJM“ um, doch stand das M zunächst für „Männer“. Erst 1977, da schon unter dem Vorsitz von Uli Kegenhoff, waren die Vertreterinnen des weiblichen Geschlechts auch außerhalb der Familienfreizeiten offiziell zugelassen  - 108 Jahre nach der Gründung des Vereins und lange 28 Jahre nach Einführung des Grundgesetzes.

Mit den Jahren wuchs der CVJM; Angebote wurden ausprobiert und teilweise auch wieder eingestellt. Ein festes Standbein blieb lange Zeit das Reisen – nun auch ins Ausland, nach Holland, Spanien und immer wieder in die Berge. „Unterwegs sein, viel Zeit haben für lange Gespräche über Gott und die Welt, Natur hautnah erleben, das Essen selbst kochen…“, so schwärmten zwei langjährige Mitglieder in der Festschrift von 1994. Doch diese Art zu reisen scheint heutzutage nicht mehr mehrheitsfähig. „Diese Freizeiten gibt es nicht mehr“, erzählt Mark Neuhaus und blickt ein wenig wehmütig auf das Foto vom Jugendgästehaus in Burgh / Holland.

Stattdessen prägen heute die Arbeit mit jungen Familien und Projekte wie das Krippenspiel die Vereinsarbeit; daneben gibt es aber auch immer noch den Bläserkreis und eine – kleiner werdende – Gruppe nicht mehr ganz so junger Männer, die sich bis heute wöchentlich  zum Sporttreiben und einmal im Monat zum Kochen treffen. Und zwar noch immer, damals wie heute, „den Menschen zur Freude, zu Gottes Lob und Ehren.“

Bildergalerie

Nach dem 1. Weltkrieg, 1919, feiert der „Evangelische Jünglings- und Männerverein Annen 50. Geburtstag – und muss den Tod vieler Brüder betrauern.
1896 bekommt der Verein ein eigenes Vereinshaus an der Hamburgstraße.

Möge die Straße Dir entgegeneilen.
Möge der Wind immer in Deinem Rücken sein.
Möge die Sonne warm auf Dein Gesicht scheinen
und der Regen sanft auf Deine Felder fallen.
Und bis wir uns wiedersehen,
halte Gott Dich im Frieden seiner Hand.
Irischer Segenswunsch

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