„Gott ist die Liebe. Die will ich leben.“

11.08.2020 – Mareike Gintzel ist die neue Innenstadtpfarrerin in Witten

Am Morgen danach ist Mareike Gintzel noch ganz beseelt. „Es tat soooo gut und hat mir so viel Kraft geschenkt, für die neuen Herausforderungen...“ Ihre Einführung als Innenstadtpfarrerin in Witten ist in vielerlei Hinsicht etwas Besonderes – erstmals „teilen“ sich zwei Gemeinden in Witten – Johannis und Trinitatis – eine neue Pfarrstelle, und dass eine junge Pfarrerin ihren Weg in den Evangelischen Kirchenkreis findet, ist auch nicht mehr so selbstverständlich – der theologische Nachwuchs in Westfalen und anderswo ist mittlerweile eher selten zu finden.

Doch auch sonst fällt Mareike Gintzel auf – und das auf höchst vielfältige Art. Da ist zunächst einmal – der geneigte Leser, die geneigte Leserin möge diese „Oberflächlichkeit“ entschuldigen – Mareikes Erscheinung. Eine moderne, junge Frau, mit einem strahlenden Lächeln und einem offenen Blick. Zum Pressetermin mit der heimischen Lokalzeitung kommt sie in Pink – was die Redakteurin denn auch gleich in ihrem Text verwundert aufgreift. Als würden andere Theologen bei 36 Grad Außentemperatur stets im Talar herumlaufen. Mit dem schweren Stoff hat sich Mareike Gintzel längst arrangiert: „Inzwischen ziehe ich ihn an, denn ich habe festgestellt, dass es im Gottesdienst besser ist, in neutralem Gewand vor der Gemeinde zu stehen. Ausstrahlung und Worte sind wichtig, nicht die Bluse oder der Minirock.“

 

Ausstrahlung und Worte – die sind es wohl, die Begegnungen mit der im ostwestfälischen Preußisch Oldendorf geborenen Mareike zu etwas Besonderem machen. Denn wenn sie anfängt, über die Themen zu sprechen, die ihr am Herzen liegen – den Glauben, die Menschen, das Leben – dann vergisst der Zuhörende schnell Top oder Talar. Dann spürt man, wie kraftvoll diese zarte Person ist, getragen von ihrem eigenen Glauben und von einer Zuversicht, die man wahrscheinlich nur durch Gott bekommen kann. Mareike Gintzel strahlt eine Wärme aus, die vielleicht daher rührt, dass sie für ihren Glauben „brennt“ – auf eine erhaltende, wohltuende Art, wie ein wohliges Kaminfeuer, nicht zerstörerisch wie ein Buschbrand.

Ein Blick in die Vita offenbart die nächste Besonderheit. Das Theologiestudium war der Tochter aus einem zwar spirituellen, aber nicht unbedingt volkskirchlichen Elternhaus nicht in die Wiege gelegt – wohl aber die Lust, sich mit Lebens-, Sinn- und Glaubensfragen auseinanderzusetzen. Um herauszufinden, „ob Luther die Bibel richtig übersetzt hat“, lernt Mareike Gintzel nach dem Abitur erst einmal Hebräisch – und findet in der Bibel Inspiration.  „Du hast Dich Schritt um Schritt leiten lassen“, beschreibt Superintendentin Julia Holtz im Gottesdienst anlässlich der Einführung Mareike Gintzels Weg, der sie dann doch ins Theologiestudium nach Bethel, Leipzig und Münster führt. Damals sieht sie sich noch als Pfarrerin in der Krankenhausseelsorge oder im Gefängnis – was sicher auch keine schlechte Wahl gewesen wäre.

 

„Mit der Ordination stand dann für Dich fest: Das ist der Weg, den Gott für Dich vorgesehen hat, das ist der Beruf, in dem Du mit Deinen Gaben und Fähigkeiten gebraucht wirst“, fasst ihre neue Chefin die Zeit nach Vikariat und Probedienst zusammen. Die Ordination, also die Segnung und Sendung für den Dienst in der Gemeinde, fand 2018 statt, ein Jahr, nachdem Mareike Gintzel in den Kirchenkreis Hattingen-Witten gekommen war.

 

Als „Pfarrerin im Probedienst“ in Johannis lernte sie zunächst die Besonderheiten einer Innenstadtgemeinde kennen, und als in der Nachbargemeinde Trinitatis nach dem Weggang eines Kollegen Unterstützung gebraucht wurde, sprang sie auch dort ein – fröhlich, lächelnd, innerlich und manchmal auch tatsächlich tanzend. Mit ihrer freundlichen, zugewandten Art, und mit ihrem unaufdringlichen, aber doch unbeirrbaren Glauben erreicht sie Junge und Alte, Gemeindemitglieder und Kirchenferne gleichermaßen. Eine Botschafterin des Glaubens, die dabei helfen möchte, dass „ihre“ Kirche auch in Zeiten des Mitgliederschwundes ein Ort für die Menschen bleibt, an dem sie Gottes Liebe erfahren können. Gemeindegrenzen und Kirchturmdenken ignoriert sie dabei nicht, kennt auch die unterschiedlichen Traditionen der beiden Nachbargemeinden. Doch weit mehr als das Trennende interessiert sich Mareike Gintzel für die Gemeinsamkeiten. Und mit der ihr eigenen ernsthaften Leichtigkeit, mit ihrem lächelnden Ernst, formuliert die neue Innenstadtpfarrerin die Quelle ihrer Zuversicht: „Gott ist die Liebe, das trifft es für mich. Ich werde nie beweisen können, dass es Gott gibt. Aber für mich fühlt sich das nach der Wahrheit an. Die will ich leben,“

 

Möge die Straße Dir entgegeneilen.
Möge der Wind immer in Deinem Rücken sein.
Möge die Sonne warm auf Dein Gesicht scheinen
und der Regen sanft auf Deine Felder fallen.
Und bis wir uns wiedersehen,
halte Gott Dich im Frieden seiner Hand.
Irischer Segenswunsch

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